Hofstetten

Auf Umwegen sich selbst aufgelöst

220 Jahre lang gab es die Gemeinde Hofstetten. Ab dem 1. Januar 2018 ist sie Geschichte. Fusionsdruck verspürte man schon länger, der Weg zu Elgg war aber nicht geradlinig.

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Auf die Frage, wie lange die Gemeinde Hofstetten noch eigenständig bleibe, antwortete 2007 der damalige Gemeindepräsident Dieter Lang: «No e Wili.» Doch schon vier Jahre später kündigten die Behörden an, man wolle fusionieren. Berechnungen hatten einen Steuerfuss von bis zu 170 Steuerprozenten für Hofstetten vorausgesagt, wenn 2018 der Kanton die Steuerfuss-Obergrenze aufhebe.

Die Wahl der Partnerin überraschte: Nicht das finanziell stabile Elgg, sondern das ebenfalls eher arme Schlatt sollte sich mit Hofstetten zusammenschliessen. Ergeben hatte sich die Idee im Rahmen der Planung für eine grosse Schulfusion Eulachtal, an der auch Elgg, Hagenbuch und Elsau beteiligt gewesen wären.

Mehrere Anläufe scheiterten

Beide Vorhaben scheiterten. In Hofstetten formierten sich nach und nach Gegner, es wurde eigens ein Komitee «Transparenz am Schauenberg» gegründet. Den Behörden warf das Komitee vor, sie hätten nicht alle Informationen offengelegt und etwa den Sonderlastenausgleich verschwiegen, der allenfalls finanzielle Entlastung bedeutet hätte.

Anonyme Flugblätter fanden den Weg in Briefkästen und immer wieder wurden Stimmen laut, die eine Fusion mit Elgg forderten. Finanzberater Alfred Gerber warnte damals: «Das käme einer Eingemeindung gleich. Mit Elgg wird man kaum über den neuen Gemeindenamen diskutieren können.»

Im November 2012 entschieden sich die Hofstetter schliesslich gegen eine Gemeinde Schlatt-Hofstetten (den Namen Gemeinde Schauenberg hatte man kurz vorher noch verworfen). Die Stimmbeteiligung war in Hofstetten mit rund 84 Prozent rekordverdächtig hoch – fast Dreiviertel sagten Nein. Im Gegensatz zu Schlatt, das sich mit Zweidrittel Ja-Stimmen offen für die Fusion zeigte.

An der Gemeindeversammlung im Dezember wurden bereits Anfragen zu einer Fusion mit Elgg gestellt, doch der Gemeinderat Hofstetten wollte sich nicht vor der Abstimmung über die Schulfusion festlegen.

Man habe ihnen bei der Fusion mit Schlatt einen Schnellschuss unterstellt, nun wolle man erst die weiteren Entwicklungen abwarten, sagte Gemeindepräsident Dieter Lang.

«Umgehende Vereinigung»

In der Zwischenzeit gründeten die gleichen Leute aus dem Transparenz-Komitee das Forum «Zukunft Hofstetten». Dieses reichte im Januar zwei Initiativen mit 170 Unterschriften und vier weitere Anfragen beim Gemeinderat ein und wollte damit die Fusionsverhandlungen mit Elgg vorantreiben.

«Das ist ein sauberer Konsensentscheid und keine hingewürgte Lösung»

Der Gemeinderat schloss daraus, es sei klar, wohin die Bevölkerung wolle und stellte einen Antrag auf «eine umgehende Vereinigung der Gemeinden Hofstetten und Elgg» – noch bevor das Ergebnis der Schulfusion feststand. Diese scheiterte im Juni 2013 an der Urne. Elgg sprach sich als einzige der fünf Gemeinden dagegen aus.

Über das nächste Jahr hinweg diskutierten die Gemeinderäte im Eulachtal mehrere neue Fusionsvarianten. Elsau teilte jedoch früh mit, es wolle sich nicht beteiligen. Die Hagenbucher zogen sich zurück, nachdem Berechnungen zeigten, dass ihr Steuerfuss um rund zehn Prozentpunkte steigen würde.

Nach dem Ausstieg von Hagenbuch verabschiedete sich auch Schlatt. Im September 2014 stand schliesslich fest: Elgg und Hofstetten erarbeiten definitiv Pläne für eine Fusion. «Das ist ein sauberer Konsensentscheid und keine hingewürgte Lösung», sagte der 2014 neu gewählte Gemeindepräsident Roger Gerber.

Nicht gleichberechtigt

Bald bewahrheitete sich die Voraussage, dass die beiden Gemeinden nicht als gleichberechtigte Partner in die Fusion gehen: Die Hofstetter verlieren Namen, Wappen und Bürgerrecht. Das schien sie aber wenig zu stören, sie sagten an der Grundsatzabstimmung im Herbst 2015 mit 96,5 Prozent Ja zu Elgg. Am 15. Januar 2017 schliesslich glückte erstmals eine politische Gemeindefusion im Eulachtal: Der Zusammenschluss per 1. Januar 2018 war beschlossen.

(Der Landbote)

Erstellt: 29.12.2017, 13:18 Uhr

Wissenswertes

Gerade mal 90 Einwohner hatte der Ort Hofstetten im Jahr 1467. Bis 2016 ist die Gemeinde auf knapp 500 Personen angewachsen, was sie nach Volken, Truttikon, Regensberg und Humlikon zur fünftkleinsten im Kanton Zürich macht. Der Grossteil der Hofstetter ist reformiert und wählt die SVP. Männer sind mit 52 Prozent in der Überzahl.

Mit 8,85 Quadratkilometer befindet sich Hofstetten flächenmässig im kantonalen Mittelfeld. Nach der Fusion ist Elgg mit 24,4 Quadratkilometern die neuntgrösste von 168 Zürcher Gemeinden. Das Wappen mit der schwarzen Mauer und den fünf roten Sternen stammt aus dem 13. Jahrhundert von den Herren von Schauenberg, Hofstetten führte es seit 1929.

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