Marthalen

Bach wird wegen Kiesabbau verlegt

Im grossen Kiesabbaugebiet südwestlich von Marthalen wird bald ein Bach verlegt. Das neue Bachbett soll dann naturnaher gestaltet sein als heute.

Der Bach, der verlegt werden muss.

Der Bach, der verlegt werden muss. Bild: Johanna Bossart

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Ein Bach kommt dem fortschreitenden Kiesabbau bald in die Quere. Deshalb soll der Niederwiesenbach im Kiesabbaugebiet Niedermartelen südwestlich von Marthalen auf einer Länge von 1200 Metern verlegt werden. Die Vorbereitungen für die Bachumlegung sind im Gang. Dazu gehört vor allem das Ausheben des zukünftigen Bachbetts, welches vor Ort schon sichtbar ist. Das Projekt dazu, das auf einem kantonalen Gestaltungsplan basiert, soll «in nächster Zeit» öffentlich aufliegen, wie es seitens der kantonalen Baudirektion heisst.

Rekultivierung bis 2040

«Kies im Bereich des alten Niederwiesenbaches kann abgebaut werden, sobald der Bach in seinem neuen Bett fliesst», heisst es im Gestaltungsplan. Dieser Plan regelt den weiteren Kiesabbau, die Rekultivierung respektive Auffüllung der leeren Gruben, den neuen Bachverlauf sowie ökologische Ausgleichsmassnahmen zugunsten seltener Tier- und Pflanzenarten. Die Fläche für das neue Bachbett ist als 26 Meter breiter Streifen an den Kanton abzutreten. Der Kiesabbau in Niedermartelen soll etwa 2025, die Auffüllung und Rekultivierung bis zum Jahr 2040 abgeschlossen sein.

Auf alten Landkarten aus dem 19. Jahrhundert ist zu sehen, dass der Niederwiesenbach damals etwa denselben Verlauf hatte wie heute. Der Bach fliesst kurz nach dem Waldrand in den Bibersee. Das Nagetier hat dort den kleinen Bach so gestaut, dass eine grosse Waldfläche unter Wasser gesetzt wurde. Der Bach fliesst dann weiter durch das ausgedehnte Waldgebiet Niderholz und mündet schliesslich etwa 1700 Meter vor dem Thurspitz in die Thur.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.06.2018, 15:28 Uhr

Bachverlauf (Bild: Quelle: GIS, Grafik: da)

Kiesgruben und Endlager

Würde das Endlager im Zürcher Weinland gebaut, käme das «Tor zum Endlager» vermutlich nördlich von Marthalen zu stehen. Das viele Aushubmaterial durch den Bau dieser oberirdischen Anlage sowie der Tunnel und Kavernen im Untergrund muss entweder deponiert oder abtransportiert werden. Das Kiesabbaugebiet von Niedermartelen liegt gut zwei Kilometer südwestlich des Standortes der Oberflächenanlage entfernt. In einem Bericht des Bundesamtes für Energie vom November 2017 steht, dass in Niedermartelen «voraussichtlich auch in 20 bis 30 Jahren noch einige wenige Millionen Kubikmeter und somit für dieses Vorhaben genügend Auffüllkapazität für Ausbruchmaterial zur Verfügung stehen». Das Material würde per Förderband in die Gruben befördert. Andernfalls, so schreibt das Bundesamt weiter, «weisen die auf der Strasse gut 15 Kilometer entfernten Kiesgruben im Rafzerfeld höchstwahrscheinlich reichlich Auffüllkapazität auf». Nur: Für den Abtransport per Lastwagen würde die nächste Route über Flaach führen – ein Dorf, das schon seit vielen Jahren unter viel (Lastwagen-)Verkehr leidet.
Die Firma Toggenburger baut in Niedermartelen Kies ab. Wegen einer Grubenplanung im Zusammenhang mit dem möglichen Bau des Endlagers sei die öffentliche Hand noch nicht auf die Firma zugekommen, sagt Truls Toggenburger. «Wir halten für das Projekt Tiefenlager zurzeit keine Aushubmengen zurück.» Für den Lagerbau selber würde auch viel Kies benötigt. mab

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