Schutzwürdige Bauten

Bauherren wissen nun, woran sie in der Gemeinde sind

Weisslingen verfügt neu über ein kommunales Schutzinventar, das online abgerufen werden kann. Das ist längst nicht in allen Gemeinden im Kanton Zürich so.

Das Fabrikgebäude Moos stammt aus dem Jahr 1811 und ist nun im kommunalen Schutzinventar aufgeführt.

Das Fabrikgebäude Moos stammt aus dem Jahr 1811 und ist nun im kommunalen Schutzinventar aufgeführt. Bild: Marc Dahinden

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Seit 1975 ist es Pflicht, doch Weisslingen hat erst jetzt eins: ein kommunales Inventar der schutzwürdigen kunst- und kulturhistorischen Objekte. Was sehr technisch tönt, ist nichts anderes als eine Liste all jener Bauwerke, welche die Gemeinde als schützenswert einstuft.

Insgesamt 44 Bauten sind darin aufgeführt. Eineinhalb Jahre hat die Gemeinde gebraucht, um das Inventar zu erstellen. Rund 11000 Franken hat es gekostet. Interessierte können es seit gestern online auf der Website der Gemeinde abrufen.

Wer es konsultiert, der erfährt etwa, dass das Gebäude an der Dorfstrasse 6 ein wirtschaftsgeschichtlicher Zeuge der Gemeinde ist. Es wurde 1811 gebaut und war das erste, das von der Textilfabrik Moos existierte. Die Grundmauern enthalten Steine der Burg Weisslingen, die im 16. Jahrhundert zerfiel. Der grossvolumige Bau prägt das Ortsbild.

Für Behörden verbindlich

Dass eine Baute inventarisiert ist, heisst nun aber nicht, dass sie auch geschützt ist. Die Liste ist nur für die Behörden verbindlich. Sobald ein Objekt verändert oder abgerissen werden soll, muss die Gemeinde dessen Schutzwürdigkeit vertiefter abklären.

Die reine Aufnahme ins Inventar kann deshalb auch nicht mit Rechtsmitteln angefochten werden. Das ist erst dann möglich, wenn der Gemeinderat darüber entschieden hat, ein Gebäude unter Schutz zu stellen oder es aus dem Inventar zu entlassen.

Obwohl das Zürcher Planungs- und Baugesetz ein kommunales Inventar seit 1975 vorschreibt, verfügen längst nicht alle Gemeinden im Kanton über eines. Etwa ein Viertel der 162 politischen Gemeinden hat keines oder eines, das den Vorschriften nicht oder nur teilweise entspricht.

Das bedeutet, dass einspracheberechtigte Personen oder Organisationen bei jedem Gebäude, das abgerissen oder umgebaut werden soll, eine Überprüfung verlangen können. Das kann den Bauprozess in die Länge ziehen.

Keine Priorität

In Weisslingen habe man die Aufgabe wohl nicht als vordringlich betrachtet, sagt Gemeindepräsident Andrea Conzett. Der Gemeinderat verfügte über eine interne Liste, die er aber ohne Fachleute erstellt hat und bei Bedarf konsultieren konnte. «Auch waren weder Zeit noch Personal vorhanden», ergänzt er.

Ähnlich sieht es in der Gemeinde Schlatt aus: «Ich weiss, dass wir eines haben müssten», sagt Gemeindepräsident Urs Schäfer. Und irgendwann werde man das auch nachholen. Bisher habe man im Zweifelsfall jeweils Einzelbeurteilungen vorgenommen. Also ein denkmalpflegerisches Gutachten erstellen lassen. «Das hat bisher gut geklappt.»

Die Baudirektion könnte aufgrund ihrer Stellung als Fachaufsichtsbehörde eine Gemeinde verbindlich auffordern, ein Schutzinventar zu erstellen. «Allerdings ist das kaum zielführend», sagt Mediensprecherin Isabelle Rüegg. Wichtig sei, den Behörden im Dialog aufzuzeigen, dass Inventare Transparenz und Rechtssicherheit für die Eigentümer schaffen und deshalb wichtig sind.

Der Kanton überarbeitet derzeit sein eigenes, überkommunales Inventar. So kann er die Arbeiten mit den Gemeinden koordinieren, wie Rüegg sagt. «Gerade in der Region Winterthur sind so in den letzten Jahren in sehr guter Zusammenarbeit einige Inventare erstellt oder nachgeführt worden.» So etwa in Dinhard, Dägerlen und der Stadt Winterthur.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.03.2019, 17:50 Uhr

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