Zell

Bei der Migrationspolitik ist sie streng

Regula Ehrismann (EVP) wird am 22. April wohl zur ersten Zeller Gemeindepräsidentin gewählt. Sie ist bislang die einzige Kandidatin. Von Frauenquoten hält sie wenig.

Die amtierende Gemeinderätin Regula Ehrismann will auch als Präsidentin das Ressort Soziales behalten.

Die amtierende Gemeinderätin Regula Ehrismann will auch als Präsidentin das Ressort Soziales behalten. Bild: Madeleine Schoder

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Erst zögerte sie. Regula Ehrismann musste sich genau überlegen, ob sie für das Zeller Gemeindepräsidium kandidieren will. Denn als amtierende Gemeinderätin hat sie gesehen, wie viel Arbeit das Präsidium bedeutet: Der zurücktretende Martin Lüdin war an unzähligen Anlässen, hielt Reden, kannte sich nicht nur in seinen eigenen Dossiers aus. Sie werde nicht das Gleiche leisten können wie er, gibt Regula Ehrismann deshalb offen zu. Dafür fehle ihr die Zeit. Dennoch will sie es wagen. «Ich trau mir das zu», sagt die EVP-Ortsparteipräsidentin überzeugt.

Zu diesem Schritt hat sich die 53-Jährige aber nicht etwa entschlossen, weil sie hochtrabende Pläne für Zell hat oder gar eine Mission. Auch nicht, weil sie sich in den Vordergrund drängen will.

Stattdessen ist ihr wichtig, dass die bisherige Arbeit weitergeführt werden kann. Und von den anderen Bisherigen wollte oder konnte niemand kandidieren, wie sie sagt. Sie habe mit allen Gespräche geführt.

Rückzug ist möglich

Damit das Amt für sie zeitlich drinliegt, sollen die Hierarchien im Gemeinderat flacher werden, die Gemeinderäte mehr Verantwortung für ihre Ressorts übernehmen. Die Sozialpädagogin arbeitet in einem 40-Prozent-Pensum in einer Kindertagesstätte. Zudem hat sie zwei Kinder und betreut mit ihrem Mann vier Pflegekinder, die alle zwischen 13 und 19 Jahre alt sind. Sie könne es sich deshalb auch vorstellen, die Kandidatur wieder zurückzuziehen, wenn ein weiterer geeigneter Kandidat auftaucht.

«Ich trau mir das zu.»Regula Ehrismann

Im Gemeinderat leitet sie seit ihrer Wahl im Jahr 2014 das Ressort Soziales, das sie als Präsidentin möglichst weiterführen wolle. Das Ressort sei auch der Grund, weshalb sie als Gemeinderätin bisher kaum öffentlich in Erscheinung getreten ist. «Vieles ist gesetzlich vorgegeben und vertraulich.» Erst einmal meldete sie sich deshalb an einer Gemeindeversammlung zu Wort.

Politisch würde sie sich in der Mitte einordnen. In die EVP eingetreten sei sie, weil ihr der Glaube Halt und eine innere Ruhe gebe. Als Jugendliche sympathisierte die gelernte Landschaftsgärtnerin noch mit der SP. Sie tendierte dann in der Migrationspolitik aber eher auf die rechte Seite, wie sie sagt. Durch ihre Arbeit als Gemeinderätin habe sich das zusätzlich akzentuiert.

Man solle mit allen Menschen fair umgehen und offen sein. Sie nerve sich aber, wenn sie merke, dass Leute das System ausnützen. «Missbrauch müssen wir streng bekämpfen.» Es fehle da auf Gemeindeebene aber teilweise an Möglichkeiten.

Ein Anliegen seien ihr gesunde Gemeindefinanzen. Dank Martin Lüdin stehe Zell trotz grosser Investitionen gut da. Diese Politik wolle sie fortführen.

Frauen ermutigen

Die Wahlchancen von Regula Ehrismann sind gross. Bislang ist jedenfalls keine andere Kandidatur in Sicht. Zudem unterstützt sie nebst der EVP auch der Bürgerliche Gemeindeverein (Text rechts). Wird Regula Ehrismann gewählt, ist sie die erste Zeller Gemeindepräsidentin überhaupt. Für die gebürtige Zellerin ist das eher nebensächlich – von Frauenquoten hält sie wenig. «Nur weil ich eine Frau bin, sollte mich niemand wählen.» Dennoch wolle sie Frauen ermutigen, sich öfter zur Wahl zu stellen. «Eine gute Durchmischung im Gemeinderat tut allen gut». Seit im Zeller Gemeinderat zwei Frauen seien, habe sich die Atmosphäre jedenfalls verbessert, wie sie höre.

Wird bei den Erneuerungswahlen am 22. April zusätzlich auch noch Patricia Heuberger neu ins Amt gewählt, wären im siebenköpfigen Gemeinderat drei Frauen vertreten. (Landbote)

Erstellt: 08.02.2018, 15:34 Uhr

Gemeinderat

Die Neuen auf die Probe gestellt

Zwei Bürgerliche und eine SP-Kandidatin wollen neu in den Zeller Gemeinderat. In der «Linde» mussten sie sich erstmals beweisen.

Die neuen Kandidaten für den Zeller Gemeinderat stellten sich am Mittwochabend im Restaurant Linde in Oberlangenhard dem Bürgerlichen Gemeindeverein (BGV) vor. Nach ihren Auftritten diskutierten die 36 Anwesenden bei Bier oder Rivella, wen sie zur Wahl empfehlen. Was hier besprochen wird, hat Gewicht. Denn im BGV sind viele vertreten, die in der Gemeinde etwas zu sagen haben.

Den Anfang machte Regula Ehrismann, die neu Präsidentin werden will. Gross vorstellen musste sie sich nicht. «Die meisten kennen mich.» Nach ihrer kurzen Ansprache sagte Vereinspräsident Heiner Comminot: «Das war also die Präsidentin.» Dass sie gewählt wird, scheint niemand zu bezweifeln. Weniger bekannt sind die drei Kandidaten, die neu in den Gemeinderat wollen. So Stefan Deinböck, der aus Seuzach stammt, wo seine Eltern eine Töpferei betrieben hatten. Sein neuer Wohnort: Das Haus von Peter und Regula Kyburz-Graber in Zell, das einen Solarpreis erhielt. Der Familienvater präsentierte sich als Tausendsassa. Er wuchs die ersten Jahre auf einem Bauernhof auf, arbeitete als Tauchlehrer, Architekt und ist nun Informatiker. Es brauche Leute in der Politik, die etwas über Digitalisierung wissen und doch bodenständig sind, sagte er. Etwas aus dem Rahmen fiel in der bürgerlichen Runde Patricia Heuberger, da sie für die SP kandidiert. Die 38-jährige plädierte für eine bessere Durchmischung der Gemeinderäte. Vor allem talaufwärts würden diese von älteren Herren dominiert. Zell sei politisch aber gut aufgestellt. «Die Parteien arbeiten zusammen.» Nach ihrer Arbeit in der Baukommission habe sie Lust auf mehr. Sie sei pragmatisch, umgänglich und wolle sich für Schwächere und für Nachhaltigkeit einsetzen.

Der 56-jährige Markus Kernen will dazu beitragen, dass Zell Lebensort, statt nur Wohnort bleibe, wie er sagte. Der Immobilientreuhänder ist in Turbenthal aufgewachsen, arbeitete für den Milchverband und die Gemeinde St. Moritz. «Zell hat uns viel gegeben, ich würde gerne Teil des Teams werden und etwas zurückgeben.»

Alle drei Kandidaten kamen in der «Linde» gut an. Zur Wahl empfohlen wurden aber nicht alle. SP-Kandidaten würden grundsätzlich nicht unterstützt, hiess es. Der Verein sieht sich als Plattform für bürgerliche Parteilose oder Bisherige. Eine Rolle wird es bei der Wahl in den Gemeinderat kaum spielen. Es gibt genauso viele Kandidaten wie Sitze. Die bisherigen Bruno Vollmer (FDP), Schulpräsident Andreas Vetsch (BGV) und Susanne Stahl (SP) stellen sich zur Wahl und sind unbestritten. (roh)

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