Gewässer

Biber als Sündenbock in der Dürre

Tragen Biber und Revitalisierungen eine Mitschuld daran, dass Bäche bei Dürre schneller austrocknen und sich das Wasser stärker erwärmt? Der Kanton antwortet differenziert.

Ist er mitschuldig an der Trockenheit? Biber sind in den vergangenen Jahren in der Schweiz wieder häufiger geworden. Das passt nicht allen.

Ist er mitschuldig an der Trockenheit? Biber sind in den vergangenen Jahren in der Schweiz wieder häufiger geworden. Das passt nicht allen. Bild: pixabay

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So richtig ausgestanden ist die Dürreperiode noch nicht, denn ausgiebige Regenfälle gab es bislang keine. In der Debatte um Ursachen und Folgen der Trockenheit ist eine neue Gestalt aufgetaucht – der Biber.

Die Dämme des Nagers in Bächen, so lautet ein Vorwurf, würden das Wasser so stark zurückhalten, dass in Trockenperioden wie jetzt Bachabschnitte unterhalb der Biberdämme austrocknen würden. So verdunste oder versickere das kühlere Bachwasser in den Biberstauseen, statt in die Fluss zu fliessen.

Oder: Wegen dieser Dämme, die wie kleine Staudämme wirken, könnten die hitzegestressten Fische etwa aus dem Rhein nicht in die kühleren Seitenbäche ausweichen, weil der Weg bauchaufwärts versperrt sei.

Revitalisierung mitschuldig?

Das Argument des kühleren Bachwassers, das für Fische in wärmeren Flüssen überlebenswichtig ist, wird von Kritikern auch gegen Revitalisierungen von Bächen vorgebracht.

Werde ein eingedoltes Fliessgewässer, also ein in einem unterirdischen Rohr oder Schacht fliessender Bach, freigelegt, wärme sich das freiliegende Bachwasser durch die pralle Sonneneinstrahlung stark auf. Zudem fehlten an solchen revitalisierten Bächen oftmals schattenspendende Büsche und Bäume – oder der Biber fälle solche Schattenspender.

Fasst man all diese Punkte zusammen, lautet die Kritik: Der Biber und die Revitalisierung von Bächen sind mitverantwortlich für das Austrocknen und Aufheizen von Bächen.

Mehrere grosse Biberdämme gibt es beispielsweise im Langwisbach bei Berg am Irchel.

«Immer ein grosser Gewinn»

Doch was ist von dieser geballten Kritik zu halten? Trifft sie zu? Der «Landbote» hat bei der kantonalen Baudirektion respektive dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) nachgefragt.

«Revitalisierungen durch den Biber sind unter dem Strich ein grosser Gewinn für Flora und Fauna»Wolfgang Bollack,
Kantonale Baudirektion

Revitalisierungen von Fliessgewässern, «ob natürlich durch den Biber geschaffene oder menschgemachte», seien unter dem Strich «immer ein grosser Gewinn für Flora und Fauna», sagt Baudirektionssprecher Wolfgang Bollack ganz generell.

Dies gelte gerade auch für die Fische. So fänden Fische in revitalisierten Gewässern mehr Nahrung und die Wasserqualität, die Strukturen, Verstecke und Laichgründe seien besser.

Der Kanton verschweigt nicht, dass es «mögliche vorübergehende Nachteile» gebe. Diese würden aber nicht besonders ins Gewicht fallen. Wanderhindernisse für Fische durch Biberdämme aus Ästen seien im Gegensatz zu harten Verbauungen durch den Menschen stets vorübergehend «und zudem für gewisse Fische meist dennoch überwindbar».

Tieferes Wasser ist kühler

Durch einen Biberdamm in einem Bach entsteht ein Staubereich oder eben ein kleiner See. «Bei Niedrigwasser und hohen Wassertemperaturen entsteht so ein willkommener Rückzugsort für Fische», sagt Bollack weiter. Statt einem durchgehenden Rinnsaal entsteht also im Bachbett ein grosser Wasserkörper mit tieferen und somit kühleren Wasserschichten.

Ob durch den Rückstau unterhalb des Biberdamms hingegen weniger Wasser fliesse, da mehr Wasser verdunstet oder versickert, sei stark von den örtlichen Gegebenheiten abhängig. Also müsste dies von Fall zu Fall überprüft werden. Im Weinland ist der Mederbach bei Marthalen derzeit im Gespräch, der unterhalb des grossen Bibersees im Wald ausgetrocknet ist. «Im Fall des Mederbachs ist es so, dass dieser erst seit seiner Kanalisierung bis in die Thur fliesst», heisst es seitens des Kantons.

Davor sei er noch vor der Thurmündung natürlicherweise versickert. Tatsächlich ist auf historischen Karten kein durchgehender Bach bis zur Thur eingezeichnet. Stattdessen flossen mehrere kleine Bacharme in der Ebene von Niedermarthalen zusammen und versickerten im Untergrund. Heute befinden sich dort die grossen Kiesgruben.

Und schliesslich äussert sich der Kanton auch zur angeblich geringeren Beschattung an revitalisierten Bachufern. So etwas, wie auch Aktivitäten des Bibers, möge vorübergehend vorkommen. Durch die Neubepflanzung beziehungsweise durch die natürlich nachwachsende Vegetation werde dies aber «rasch wieder ausgeglichen».

(Der Landbote)

Erstellt: 24.08.2018, 15:22 Uhr

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