Imker

Bienenvölker produzierten so wenig Honig wie seit Jahren nicht mehr

Statt mit 20 Kilogramm Honig pro Bienenvolk müssen sich die regionalen Imker dieses Jahr mit deutlich weniger begnügen. Von nur einem Drittel oder Viertel des durchschnittlichen Ertrags ist vielerorts die Rede.

Auch die Bienen von Peter Frehner aus Gachnang haben dieses Jahr weniger Honig produziert. Foto: PD

Auch die Bienen von Peter Frehner aus Gachnang haben dieses Jahr weniger Honig produziert. Foto: PD

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Noch nie in 33 Jahren habe er ein so schlechtes Honigjahr erlebt, sagt Imker Adrian Ulrich aus Guntalingen, Betriebsberater des Bienenzüchtervereins Andelfingen und Umgebung. Sonst könne er durchschnittlich 20 Kilogramm Honig pro Bienenvolk schleudern, dieses Jahr seien es nur 9 Kilogramm gewesen.

«Nur einmal habe ich ein schlechteres Honigjahr erlebt»

Ulrich ist damit nicht alleine: Weitere Imker aus der Region bestätigen den mageren Ertrag. Fritz Mettler aus Wildberg, Präsident des Elgger Bienenzüchtervereins, hat selber keine 5 Kilogramm pro Volk ernten können.

«Nur einmal, 1991, habe ich ein schlechteres Honigjahr erlebt», sagt er. Hanspeter Vetterli, Präsident der Bienenzüchter im Stammertal, spricht von «sehr unterschiedlichen Erträgen» in seiner Region. «Viele haben sehr wenig Honig gehabt.» Auch die Bienen von Imker Peter Frehner aus Gachnang haben pro Volk nur 4 Kilogramm produziert.

Beim Bienenzüchterverein Winterthur und Umgebung will Präsident Peter Albertin keine detaillierte Auskunft zum Honigjahr geben, weil er schlechte Presse befürchtet.

Zu kalt und zu nass im Mai

Fritz Gutknecht, Honigobmann des Kantonalverbands des Zürcher Imkerverbands, bestätigt aber das schlechte Honigjahr 2019 im Kanton. Er spricht von durchschnittlich 6 Kilogramm Honig pro Bienenvolk.

Der Grund für den wenigen Honig ist im wechselhaften Frühlingswetter zu finden. Bruno Reihl, Vorstandsmitglied vom Imkerverband Bienen Schweiz, sagt, der warme März habe die Bienenvölker stark anwachsen lassen. «Darauf folgte aber ein nasser, kühler Mai.»

In dieser Zeit, als der Raps im Mittelland blühte, hätten die Bienen den Honig selbst gefressen, weil es ihnen für lange Flugtouren zu kalt und zu nass war. In Wildberg hatte es während der Rapsblüte teils gar noch Schnee, sagt Vereinspräsident Mettler.

Auch beim dunklen Waldhonig, der aus sogenanntem Honigtau von Insekten wie Blattläusen entsteht, blieb der grosse Ertrag dieses Jahr aus, weil die Insekten fehlten. Besser erging es den Imkern in höher gelegenen Regionen, weil die Blütezeit dort erst später begann, als das Wetter wieder wärmer war.

Bienen schwärmten oft aus

Ein schwieriges Jahr war es für die Imker auch deswegen, weil viele Bienen ausgeschwärmt sind, aus Platznot oder Hunger. Vor dem Ausschwärmen füllen sich die Bienen ihre Mägen noch mit Honig. Wer das Volk wieder einfangen kann, schafft es aber, den Bestand zu vermehren. Imker Ulrich konnte diesen Herbst insgesamt 180 Völker einwintern. «Das ist wirklich erfreulich.»

Obmann Gutknecht glaubt, dass vor allem der helle Blütenhonig knapp werden könnte. Die Migros rechnet «aufgrund ausgeklügelter Mengenplanung und optimal abgestimmter Prozesse» jedoch nicht mit Engpässen. Ulrich hat von den letzten beiden, überdurchschnittlich ertragreichen, Jahren noch 1500 Kilogramm Honig eingelagert.

Der Gachnanger Imker Frehner setzt nebst seinem eigenen Honig auch noch auf ein zweites Standbein: den Vertrieb von ausländischem Spezialitätenhonig, der sich geschmacklich stark unterscheidet.

Mehr über die Vielfalt des Honigs und den aussergewöhnlichen Imker lesen Sie hier.

Erstellt: 10.10.2019, 10:14 Uhr

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