SBB

«Billettschalter soll bleiben? Wers glaubt!»

National- und nun auch Ständerat bremsen die Schliessung von Billettschaltern in Post- oder Avec-Läden, wie es sie etwa in Wiesendangen, in Seuzach, in Elgg oder in Bassersdorf gibt. Die Schalterkunden wollen mehr als einen Aufschub des Themas.

Bleibt vorerst geöffnet: Die Billettstelle im Avec-Laden am Bahnhof Seuzach. (Archivbild)

Bleibt vorerst geöffnet: Die Billettstelle im Avec-Laden am Bahnhof Seuzach. (Archivbild) Bild: Heinz Diener

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Im Avec-Laden am Bahnhof Seuzach zieht Pascal Werren, Verkäufer, sein Mobiltelefon aus der Hosentasche: «Gute Nachrichten für den SBB-Billettverkauf», liest er aus einer Mail seines Arbeit­gebers. Gemeint ist die Annahme einer Motion gegen den Serviceabbau der SBB, der der Ständerat nach dem Nationalrat gestern deutlich zugestimmt hat. Gefordert ist ein Moratorium, ein Aufschub bis 2020 der geplanten Schliessung der Verkaufsstellen ab Januar.

«Ich würde es wirklich nicht verstehen, wenn die SBB das Angebot streichen würden», sagt Werren, der seit zehn Jahren im Avec in Seuzach arbeitet und ein «grosses Interesse der Kundschaft» beschreibt. Wut und Verzweiflung habe er wahrgenommen, als die Schliessung im Raum stand. «Wie genau sollen sich alte Menschen in dieser Welt noch zurechtfinden?», fragt er.

Interesse auch bei Jüngeren

Laut SBB werden nur noch 0,8 Prozent der Billette am Schalter gelöst. Trotzdem wehrten sich die betroffenen Gemeinden, als die Schliessung ihrer Billettschalter in Drittverkaufsstellen bekannt wurde.

Das Interesse an diesem Service besteht eben doch, wenn auch nur ein Teil der Kundschaft ihn nutzt: Die Seuzemerin Melanie Beutler (42) ist eine davon. «Ich habe mich persönlich an die SBB gewendet», sagt sie – erfolglos. Dass sich nun etwas bewege, sei fast zu schön, um wahr zu sein. «Der Billettschalter soll bleiben?», fragt sie und antwortet gleich selbst: «Wers glaubt!» Skeptische Töne auch bei der Poststelle in Wiesendangen.

Angebot rege genutzt

Eine Angestellte, die anonym bleiben will, sagt: «Wenns denn auch stimmt.» Es sei eine «komplizierte Sache», die Billette am Automaten zu lösen, kein Wunder, werde das Angebot bei ihnen rege genutzt. «Die Leute wollen wissen, was langfristig gilt», sagt sie, nun werde das Problem einfach aufgeschoben.

«Zwar bin ich fit in digitalen Themen, meine Billette löse ich trotzdem viel lieber am Schalter.» Caroline Colonna (46), Kundin der SBB-Verkaufsstelle Post Wiesendangen

Tatsächlich wollen an diesem Mittwochnachmittag mehrere Leute aus einer Schlange Billette kaufen. Zum Beispiel Caroline Colonna (46), die in der Gemeinde wohnt. «Zwar bin ich fit in digitalen Themen, meine Billette löse ich trotzdem viel lieber am Schalter.» Es sei schön zu hören, dass das Parlament Verständnis für die Belange des Volks zeige, «ich bin demnach nicht allein mit dem Wunsch, gerade Billette für komplizierte Strecken am Schalter zu lösen.» Die SBB sind für einen guten Service public verantwortlich. Dort sieht man die Veränderungen als «Berücksichtigung der sich wandelnden Kundenbedürfnisse», wie Alberto Bottini, Leiter Vertrieb und Services Personenverkehr, in einem Blogbeitrag der SBB zitiert wird.

«Tatsache ist, dass sich das Kundenverhalten verändert.»Alberto Bottini, Leiter Vertrieb und Services SBB Personenverkehr

Weiteres Vorgehen unklar

«Tatsache ist, dass sich das Kundenverhalten verändert.» Von der Politik werde grundsätzlich anerkannt, dass die SBB ihre Dienstleistungen weiterentwickeln müssten, so Bottini. Wie das Vorgehen konkret aussieht, ist unklar: «Wir prüfen, was das für die Strategie bedeutet.» Man benötige zuerst die Rahmenbedingungen seitens des Bundesrats.

Die Valora indessen begrüsst ein Moratorium, wie es in einem Communiqué heisst: «Die Kunden schätzen die Dienstleistung.» Seitens der Post zeigt man Verständnis für die SBB: «Wir stecken in ähnlichen Entwicklungen», so Mediensprecher Oliver Flüeler. (Der Landbote)

Erstellt: 14.09.2017, 10:22 Uhr

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