FAQ

Bis es zur Superinfektion kommt

Wie entsteht Scheidenpilz? Können auch Männer betroffen sein? Und hilft Joghurt wirklich dagegen? Elf Fragen und Antworten zum Thema Scheidenpilz.

Monika Fäh ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Winterthur.

Monika Fäh ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Winterthur.

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1. Was ist ein Scheidenpilz? Ein Scheidenpilz ist eine Pilz­infektion der Scheide, durch die sich die Scheidenschleimhaut entzündet. Sie ist eine der häufigsten Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane: Drei von vier Frauen sind in ihrem Leben mindestens einmal davon betroffen.

2. Woran merke ich, dass ich Scheidenpilz habe? Typische Symptome sind starker Juckreiz, rote und geschwollene Geschlechtsteile, ein weisslich-krümeliger Ausfluss sowie ein Brennen beim Geschlechtsverkehr und Wasserlassen.

3. Warum bekommt man ­Scheidenpilz? Pilze kommen bei vielen Frauen natürlicherweise in der Vagina vor, eine Reihe von Faktoren können aber eine Infektion auslösen. Erreger können beispielsweise durch Geschlechtsverkehr oder mangelhafte Toiletten­hygiene (sogenannte Schmierinfektion) in die Scheide gelangen. Auch bei Menschen, die ihre Badeanzüge, Unterwäsche und Handtücher gemeinsam nutzen, ist das Risiko für Scheidenpilz erhöht. Weitere Risikofaktoren sind ein geschwächtes Immunsystem, hormonelle Veränderungen, ausgelöst durch die Antibabypille, sowie die Einnahme von Antibiotika.

4. Wer ist speziell betroffen? Schwangere sind aufgrund hormoneller Veränderungen besonders anfällig. Wird ein bestehender Pilz nicht während der Schwangerschaft behandelt, kann er sich bei der Geburt aufs Kind übertragen. Ausserdem können Scheidenpilze in schlimmen Fällen vorzeitige Wehen auslösen. Ein Arztbesuch wird empfohlen.

5. Wie kann ich Scheidenpilz behandeln? Gegen Scheidenpilz werden sogenannte Antimykotika eingesetzt. Diese werden lokal angewendet und sind in Form von ­Vaginaltabletten, sogenannten «Scheidenzäpfli», Cremes und Tabletten erhältlich. «Wenn der Pilz äusserlich spürbar ist, empfiehlt sich die Kombination von Cremes und Vaginaltabletten», sagt Monika Fäh, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe beim Winterthurer Kinderwunschzentrum Admira. Die ­Tabletten werden über drei Tage eingeführt, die Cremes für die Dauer einer Woche angewendet. «Alternativ kann auch nur die Creme verwendet werden. Für die Anwendung in der Scheide gibt es Applikatoren.»

6. Gibt es rezeptfreie Alternativen zu Gyno-Canesten? Ja. Gleichwertig sind beispielsweise Fungotox von der Mepha Pharma AG (Creme) und Corisol von Sandoz (Creme). Daneben gibt es zahlreiche Alternativen auf ärztliche Verordnung.

7. Was passiert, wenn man Scheidenpilz nicht behandelt? Scheidenpilz heilt mit der richtigen Therapie schnell und unkompliziert ab. Ohne Behandlung kann der Juckreiz aber massiv ansteigen oder sich in ein Brennen umwandeln. Bei längerer Dauer können sich zusätzlich andere Bakterien einnisten. Durch das Aufkratzen von verletzten Hautstellen können diese Bakterien sogenannte Superinfektionen verursachen. «Geschlechtsverkehr ist dann oft sehr schmerzhaft. Oder es zeigt sich danach ein leicht fischiger Geruch als Hinweis auf eine kombinierte Infektion mit Bakterien namens Gardnerellen», sagt Fäh.

8. Können auch Männer von Scheidenpilz betroffen sein? Ja, auch Männer können befallen sein, zeigen aber meistens keine Symptome. Leidet eine Frau unter chronischem Scheidenpilz, ist es ratsam, auch beim Mann Penis und Sperma zu untersuchen. Sind Erreger nachweisbar, ist eine Mitbehandlung empfehlenswert.

9. Wann muss ich zum Arzt? «Scheidenpilz ist bei einer gesunden Frau ungefährlich, einfach lästig und teils schmerzhaft», sagt Fäh. «Wenn man die Symptome kennt und schon einmal davon betroffen war, reicht ein Besuch in der Apotheke.» Bei einer Schwangerschaft oder einer Immunschwäche (beispielsweise bei einer HIV- oder Autoimmunerkrankung) wird aber dringend empfohlen, sich ärztlich untersuchen zu lassen. «Wenn eine Frau häufig betroffen ist, wird ebenfalls eine ausführliche Beratung empfohlen. Oft helfen einfache pflegerische Massnahmen sowie die regelmässige Anwendung einer vaselineartigen Creme.»

10. Wie kann ich einem ­Scheidenpilz vorbeugen? Die Erreger fühlen sich in einem feuchtwarmen Milieu besonders wohl, darum ist es wichtig, sich nach dem Waschen gut abzutrocknen. Von häufigen Schaumbädern, Intimsprays oder parfümierten Seifen wird abgeraten, denn sie schaden dem natürlichen Schutzmechanismus der Scheide. Ist man öfter betroffen, sollte man auf eng anliegende, synthetische Kleidung verzichten, sich zuckerarm und ballaststoffreich ernähren sowie die Unterwäsche zweimal täglich wechseln und bei 95 Grad waschen.

11. Wie hilfreich sind Haus­mittel wie in Joghurt getränkte Tampons? Milchsäurebakterien, wie sie im Joghurt vorkommen, können einem Pilz vorbeugen, indem sie die natürliche Scheidenflora aufrechterhalten. «Dieses Hausmittel wurde früher oft angewendet, ich wäre hier aber zurückhaltend», sagt die Ärztin. Denn Pilze entwickeln sich besonders gut in einem feuchten und zuckerhaltigen Milieu, und genau das wird mit dem Einführen des Joghurts erreicht. (lia) (Lisa Aeschlimann)

Erstellt: 07.03.2019, 17:53 Uhr

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