Dägerlen

Bis zum Schluss von Karussellen und Drehorgeln umgeben

Regula Wieser ist nicht mehr. Die beliebte Örgelifrau und Gastgeberin der Besenbeiz Klimperkasten ist am 4. Mai im 71. Lebensjahr nach kurzer, schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen.

Die Chilbi war ihr Steckenpferd: Regula Wieser, wie man sie kannte.

Die Chilbi war ihr Steckenpferd: Regula Wieser, wie man sie kannte. Bild: Heinz Diener

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Mit ihren antiken Karussellen brachte sie Kinderaugen zum Leuchten und die Klänge ihrer grossen und kleinen Drehorgeln verbreiteten eine fröhliche, nostalgische Stimmung. Am 4. Mai schloss Regula Wieser für immer die Augen. «Meine Mutter ist nach kurzer, schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen», sagt Tochter Barbara Wieser, das einzige Kind von Regula Wieser. Vier Stunden zuvor sei der Pfarrer noch bei ihr gewesen. Ihre Mutter habe sich bis zuletzt nicht krank gefühlt und die Krankheit mit Fassung und grosser Zuversicht getragen. «Deshalb sah man ihr auch kaum etwas an.»

15 Festivals in 30 Jahren

Als Regula Wieser die Diagnose vor etwa sieben Monaten erhielt, fand gerade ihr fünfzehntes Internationales Karussell- und Drehorgel-Festival statt, das sie seit 1985 alle zwei Jahre in der Altstadt von Winterthur durchführte. Unbekümmert wie stets sei sie zwischen Drehorgeln und Rösslikarussell hin und her gesprungen, erzählt ihre Tochter.

Regula Wieser wuchs als Einzelkind in Neftenbach wohlbehütet auf. Vor 32 Jahren zog die gelernte Zahnarztgehilfin, die am Chlimberg in Neftenbach einen eigenen Rebberg besass, dann nach Berg-Dägerlen. Dort, in ihrer ideenreich ausgestalteten Besenbeiz namens Klimperkasten servierte sie jeweils den eigenen Regent-Biowein. Dort beherbergte sie auch eine wunderschöne Sammlung aus Drehorgeln, Kinderkarussellen und weiteren Kirmesraritäten. Ihre Liebhaberei rühre daher, dass hinter ihrem Elternhaus einmal im Jahr ein kleiner Jahrmarkt Station gemacht habe, verriet Regula Wieser einmal. «Da waren wir Kinder gern und dort sind wir alle Batzen losgeworden.» Später restaurierte sie ausrangierte Karussellrössli, die sie aus der Tschechoslowakei in die Schweiz importierte, wo sie grossen Absatz fanden.

In den letzten Tagen konnte Regula Wieser noch einmal ihre geliebte Cocchi-Bacigalupo-Drehorgel hören und den Rebberg besuchen. «Sie war das liebste Mami der Welt, ich bin unendlich stolz auf sie», sagt ihre Tochter, eine erfolgreiche Headhunterin, die das Erbe «auf kleiner Flamme» weiterführen will. (Der Landbote)

Erstellt: 11.05.2016, 20:02 Uhr

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