Illnau-Effretikon

Bischof straft Kolumnistin ab

Theologin Monika Schmid kritisierte in einer «Landbote»-Kolumne das Verhältnis der Kirche zu Homosexualität. Nun darf sie nur noch auf Probe arbeiten.

Monika Schmid ist Theologin und Gemeindeleiter in der katholische Kirche St. Martin, Illnau-Effretikon.

Monika Schmid ist Theologin und Gemeindeleiter in der katholische Kirche St. Martin, Illnau-Effretikon.

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Die Kolumne von Monika Schmid warf nach ihrer Veröffentlichung im «Landbote» im letzten Februar noch keine hohen Wellen: Sie beschrieb darin einen Grossvater, der offen reagierte, als er erfuhr, dass seine Nichte eine Frau liebt.

«So gerne würde ich diese Haltung allen Menschen gönnen», schrieb die katholische Theologin. Pointierter sind jene Zeilen, in denen es um die Haltung der Kirche geht: «Offiziell wird Homosexualität in unserer Kirche geächtet und verteufelt», heisst es darin etwa und weiter: Theologinnen und Theologen, die zu ihrer Partnerin oder ihrem Partner stünden, «werden in der Kirche keine Anstellung finden.»

«Das ist ein Machtmissbrauch»

Wie jetzt bekannt wird, hatten diese oder ähnliche Aussagen folgen für die Gemeindeleiterin der katholischen Kirche St. Martin in Illnau-Effretikon. Bischof Vitus Huonder verlängerte ihren dortigen Berufsauftrag, die sogenannte Missio, nicht wie sonst üblich um mehrere Jahre.

Er beschränkte den Berufsauftrag auf nur noch ein Jahr, was einer Verwarnung gleichkommt. Monika Schmid kommentierte die Massnahme mit klaren Worten auf Facebook. Sie arbeite damit quasi als Anfängerin «und das nach über 30 Jahren Pfarreiarbeit.» Das sei ein Machtmissbrauch.

Die reformierte Pfarrerin Sybille Forrer teilte den Beitrag auf facebook und richtete deutliche Worte an die Adresse von Bischof Huonder.

Vikar: «Keine Verteufelung»

Generalvikar Josef Annen, der im Bistum Chur für die Kantone Zürich und Glarus zuständig ist, versucht derweil die Wogen zu glätten. Er kenne Monika Schmid als engagierte Seelsorgerin, «die sich pointiert äussert und auch gern mal provoziert», sagt er.

Die katholische Kirche sehe Homosexualität differenziert und verteufle sie nicht. «Immerhin ruft das Lehramt zu Respekt gegenüber Homosexuellen auf». Er gehe davon aus, dass die Missio von Monika Schmid auch in einem Jahr erneuert werden könne.

Erstellt: 18.09.2018, 18:40 Uhr

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