Neftenbach

Bürger widersetzen sich dem Kanton

Am 17. Mai stimmen die Neftenbacher darüber ab, wie die Gemeinde wachsen soll. Die Gemeindeversammlung hat die Ortsplanung nochmals abgeändert und trotz Einwand des Kantons eine Kernzone vergrössert.

Im Bereich der Widmerwiese (vorne) kann die Gemeinde Neftenbach nun noch mehr wachsen. Foto: Marc Dahinden

Im Bereich der Widmerwiese (vorne) kann die Gemeinde Neftenbach nun noch mehr wachsen. Foto: Marc Dahinden Bild: Marc Dahinden

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Zwei Bauernhäuser und eine Linde: Das waren die Themen, über welche die Neftenbacher Stimmberechtigten am Mittwochabend diskutiert haben. An der Gemeindeversammlung stand eine gewichtige Vorlage zur Debatte: die revidierte Ortsplanung. Die 87 Anwesenden waren eingeladen, Änderungsanträge zu stellen. Die so bereinigte Vorlage sollte zuhanden der Urnenabstimmung verabschiedet werden. Die Ortsplanung legt fest, wo Neftenbach wie wachsen kann.

«Weshalb kann man denn nun mein Haus nicht auch in die Kernzone aufnehmen?»

Als Zonen- und Kernzonenpläne zur Sprache kamen, meldeten sich mehrere Stimmberechtigte. Allen voran zwei Hausbesitzer aus Hünikon. «Weshalb kann man denn nun mein Haus nicht auch in die Kernzone aufnehmen?», fragte der eine. Und an den Gemeinderat gerichtet: «Seid doch mutig.» Der zweite Mann hatte ein ähnliches Anliegen. Auch seine Liegenschaft lag an, aber eben nicht innerhalb der Hüniker Kernzonengrenze.

Raumplaner Peter von Känel erklärte, dass man die beiden Grundstücke in der ursprünglichen Fassung des Zonenplans der Kernzone zugeschlagen hatte. «Aber der Kanton hat uns das wieder rausgestrichen.» Es gebe dort schlicht keine Möglichkeit, die Grenze zu verändern und Land einzuzonen. Davon liessen sich die beiden Stimmberechtigten aber nicht beirren. Sie stellten den Antrag, ihre Grundstücke erneut in die Kernzone aufzunehmen. Und dies, obwohl von Känel davor gewarnt hatte, dass der Kanton die Änderung wohl nicht bewilligen werde. Die beiden Anträge kamen mit sechs Gegenstimmen durch.

Die Versammlung hatte auch über einen Kernzonenplan für den Neftenbacher Ortskern zu beraten. Weil Letzterer im Inventar der schutzwürdigen Ortsbilder von überkommunaler Bedeutung aufgeführt ist, sei man dazu verpflichtet, einen detaillierten Plan zu führen, erklärte Planer von Känel. So habe man etwa prägende Gebäude, Freiräume, erhaltenswerte Brunnen und eben auch markante Bäume bezeichnet.

Wieso denn die Linde auf der alten Gemeinde- und Gerichtswiese nicht auch im Plan sei, wollte ein Anwesender wissen. «Es ist eher eine Buche», wand jemand ein. Gelächter im Saal. «Wenn sie das ändern wollen, dann können Sie das jetzt bestimmen», sagte Hochbauvorstand Beat Brandenberger. Der Votant stellte den Antrag, die «Linde (eventuell Buche)», im Plan einzuzeichnen. Mit 74 Ja zu 9 Nein nahm die Versammlung die Änderung an.

Eine Gegenstimme

In der Schlussabstimmung kam die bereinigte Vorlage mit einer Gegenstimme durch. Am 17. Mai können sich die Stimmberechtigten noch an der Urne dazu äussern. Gemeindepräsidentin Maja Reding Vestner gab bekannt, dass sich der Gemeinderat hinter die geänderte Fassung stelle und seine ursprüngliche nicht auch noch zur Abstimmung bringe.

Anfänglich hatte der Gemeinderat geplant, die Zentrumswiese in Neftenbach aufzuzonen sowie das Gebiet Ebni einzuzonen. Damit hätte die erste Wiese dichter und die zweite überhaupt bebaut werden dürfen. Doch davon ist die Behörde aufgrund zahlreicher Einwendungen wieder abgekommen. Nun ist nur noch neben der Schulanlage Auenrein bei der Widmerwiese eine Aufzonung vorgesehen (siehe Grafik). Im Gebiet Hofstetten ist eine Erholungszone um die Reitsportanlage eingezeichnet.

Mit den Anpassungen an der Nutzungsplanung soll die Gemeinde Neftenbach bis 2030 von heute 5700 auf etwa 6000 Einwohner wachsen können. Das sind 900 weniger als die «Vision 2030» vorsah, die der Gemeinderat 2016 an einem Workshop mit rund 100 Neftenbachern erarbeitete.

Erstellt: 23.01.2020, 16:17 Uhr

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