Seuzach

Büroarbeit wäre für ihn der Horror

Walter Peter ist 21 Jahre alt und bereits selbstständig. Zur Zeit hat der Forstwart wegen eines kleinen Käfers viel zu tun.

Mit seinem Holzvollernter fällt und entastet Walter Peter zur Zeit vor allem Rottannen.

Mit seinem Holzvollernter fällt und entastet Walter Peter zur Zeit vor allem Rottannen. Bild: Nathalie Guinand

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Baumstamm um Baumstamm transportieren Walter Peter und sein Kollege Erich Ochsner auf einen Holzhaufen am Rande eines Waldstücks der Gemeinde Dorf. Hier müssen die beiden selbstständigen Forstwarte aus Unterohringen und Aesch einige Bäume fällen: «Bis jetzt sind es 209 und es werden noch mehr dazukommen», sagt Peter.

Grund für diese Fällaktion, für die sie von der Gemeinde Dorf angeheuert wurden, ist der Borkenkäfer, der den Rottannen zu schaffen macht (siehe Box). «Deshalb haben wir gerade jede Menge zu tun», sagt Peter. Manche Aufträge muss der Jungunternehmer gar ablehnen.

Der Borkenkäfer mach dem Wald auch dieses Jahr zu schaffen.

Die Lehre hat Walter Peter in Neftenbach absolviert, wo er seinen Ausbildner Ernst Ochsner kennengelernt hat. Der 21-Jährige ist oft mit seinem ehemaligen Vorgesetzten im Wald anzutreffen. «Wir sind zwei Einmannbetriebe, die sich ergänzen», sagt Peter. Gemeinsam führen sie indessen ein zweites Standbein – eine Stör-Sägerei.

Mit einer fahrbaren Säge, die eigentlich Peters Vater gehört, fahren sie direkt zum Hof oder Waldstück des Kunden. «Vor allem Privatpersonen nutzen diesen Dienst», sagt der Seuzacher. Aus einem Baumstamm sägen die Männer dann Bretter oder Balken. Daran fasziniert Peter vor allem das Arbeiten mit der Maschine.

Lieber draussen

Die Traktoren und Maschinen auf dem Elternhof zogen Peter schon als Kind in den Bann. «Das war für mich immer das Highlight.» Mit den Schweinen, Hühnern und Kühen auf dem Familienbetrieb konnte er nie viel anfangen. Darum hat er mit 14 Jahren auch gleich die Traktorenprüfung gemacht. Die Arbeiten auf dem Feld hat Peter der Schule vorgezogen. Er habe nie gerne im Schulzimmer gesessen, sinnvoller schien ihm die Arbeit draussen.

«Als selbstständiger Forstwart bin ich frei, kann mich selber organisieren und Planen.»

Die mässige Begeisterung für den Schulunterricht teilt Peter mit seinen fünf Geschwistern –ausschliesslich Jungen. In einer Grossfamilie zu leben, sei für ihn normal gewesen. «Es war immer etwas los. Entweder auf dem Hof und sonst hatte man noch ein paar Brüder.» Gestritten hätten die sechs Jungs der Familie Peter eher selten. Auch an laute Worte der Eltern kann sich der Zweitälteste kaum erinnern. Und wenn es doch mal Diskussionen gab, bot das Heim des Grossvaters eine Rückzugsmöglichkeit. Dieser lebte in einem Haus gleich neben dem der Familie.

Heute wohnt Peter mit seinem jüngeren Bruder im ehemaligen Haus des Grossvaters. «Ab und zu gehe ich schon zu Hause auf Besuch.» Einkaufen und Kochen erledigt er selber, auch wenn Kochen vielleicht etwas übertrieben ist: «Eine Zeit lang hat es vorwiegend Fertig-Pizza gegeben», sagt er und lacht.

Daran könnte sich aber künftig etwas ändern. Seit kurzem sei der 21-Jährige in einer Beziehung und seine Freundin lege mehr Wert auf abwechslungsreiche Ernährung als er: «Seit ich mit ihr zusammen bin, gibt es eher mal etwas Frisches.»

Sehen, was man tut

Irgendwann wolle er den Hof seines Vaters verlassen. Den Betrieb zu übernehmen, war nie sein Plan. Er wolle gerne Forstwart bleiben – am liebsten selbstständig. «So bin ich frei, kann mich selber organisieren und Planen.» In einem Büro zu arbeiten ist für Peter unvorstellbar. «Das wäre wohl meine Horrorvorstellung.» Er will am Ende des Tages sehen, was er geleistet hat.

Derweil wächst die Holzbeige, die er und sein Kollege aufschichten. «Diese Baumstämme werden von hier nach Asien verkauft», sagt Peter. Die Schweiz könne selber gar nicht so viel Holz verwerten, wie in den letzten Jahren angefallen sei. «Als es 2017 einen heftigen Sturm in Stammheim gab, ist da auch eine grosse Menge zusammengekommen.»

Auch wenn Stürme und Borkenkäfer unbeliebt sind, Peter liefern sie Arbeit. Als Selbstständiger ist er auf Anfragen von Gemeinden, wie hier in Dorf, angewiesen. «Die Auswahl an Forstwarten ist glücklicherweise überschaubar.» Man kenne sich untereinander und unterstütze sich gegenseitig.

Um seinen Berufswunsch als selbstständiger Forstwart zu verwirklichen, benötigte Peter auch das richtige Equipment. «So eine Maschine kauft man sich nicht alle Tage», sagt er und klopft auf einen der grossen Pneus seiner Harvester. Mit dem Holzvollernter kann er den Baum fällen, hinlegen und auch gleich von den Ästen befreien.

Möglich war die Anschaffung für den Jungunternehmer jedoch nur, weil ihm sein Grossvater ein Darlehen gab. «Wenn der Harvester seine Arbeit getan hat, kann man den Stamm direkt auf die Holzbeige legen», sagt der Forstwart.

In anderen Ländern werde mehr abgeholzt als in der Schweiz. «In Kanada oder in Schweden ist das Business noch viel grösser», sagt Peter. Darum wolle er diese Länder gerne mal bereisen. Bis anhin sei er nämlich noch nie über Europa hinausgekommen oder mit dem Flugzeug verreist.

Erstellt: 25.07.2019, 12:27 Uhr

Ein kleiner Käfer plagt den Wald

Die Borkenkäfer fressen sich durch die Rinde der Rottannen und legen in den kleinen Gängen ihre Eier. «Aus einem Käfer entstehen etwa 60 weitere», sagt Forstwart Walter Peter. Der Schädling bringt die Bäume zum Austrocknen, so dass diese gefällt und so schnell wie möglich aus dem Wald geschafft werden müssen, damit die Käfer nicht auf nächste Stämme überspringen können.

Im Anschluss werden die meisten Stämme geschält und die Rinde wird entsorgt. Das warme Klima ist für den Borkenkäfer, der zu den Rüsselkäfern gehört, ideal. «Er fühlt sich bei 15 bis 20 Grad am wohlsten», sagt Peter. Da die Temperatur im Wald zur Zeit durchgehend in diesem Bereich liege, vermehre sich der Käfer umso stärker.

Wie der «Tagesanzeiger» Anfang des Jahres berichtete, waren 2018 so viele Bäume befallen wie seit 2006 nicht mehr. Auf 735000 Kubikmeter Waldfläche frass sich der Käfer schweizweit durch die Rinden. Daher empfehlen Experten, frühzeitig zu reagieren und die Bäume zu fällen, bevor die nächste Generation des Schädlings auf weitere Bäume ausstrebt.

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