Hettlingen

Camper «Manny» war ihr Zuhause

Job kündigen, Wohnung aufgeben und mit einem alten VW-Bus durch Südamerika reisen. Markus Hasler und Seraina Egli aus Hettlingen haben es ausprobiert.

Seraina Egli und Markus Hasler mit ihrem VW-Bus vor dem Paso de San Francisco in Chile.

Seraina Egli und Markus Hasler mit ihrem VW-Bus vor dem Paso de San Francisco in Chile. Bild: zvg

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«Ein Schnäppchen», denkt Markus Hasler als er mit seinem gekauften Occasions-Camper von Bern nach Hettlingen zurückfährt. «Jetzt noch schnell tanken». Doch was für ein Schock: Das Benzin läuft unten direkt wieder auf die Strasse. Da habe er schon geschimpft, erinnert sich Hasler heute mit einem Schmunzeln. Doch zum Glück war nur ein Ventil verstopft. Markus Hasler und Seraina Egli waren keine typischen Camper, als sie sich entschlossen, ein Jahr lang mit dem VW-Bus durch Südamerika zu reisen. Bis dahin waren sie jeweils als Backpacker mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Doch dieses Mal sollte die Reise in einem Campingbus stattfinden. «Wir wollen einmal die Nostalgie, mit einem alten VW-Bus unterwegs zu sein, und die damit verbundene Freiheit erleben», sagten sich der 32-jährige Lehrer aus Hettlingen und die 30-jährige Ärztin aus Dinhard, die schon lange ein Paar sind. Ein kultiger T3 der Marke VW sollte die beiden ein Jahr lang quer durch Südamerika begleiten.

Wo kaufen?

«Sollen wir den Bus vor Ort kaufen, oder lieber hier erwerben und dann verschiffen?», fragten sie sich beim Planen ihrer Reise. Vor Ort sei das zwar ökologischer. «Doch bei einem Kauf in der Schweiz kennen wir den Zustand des Fahrzeugs», sagte sich das Paar. Eine Illusion, wie sich später herausstellen sollte.

Vier Monate vor Abreise begann sich Markus Hasler im Internet umzusehen. Er wurde schnell fündig. «Auf Auto­ricardo war in der Region Bern ein T3 mit kompletter Campingausstattung für 11 000 Franken ausgeschrieben» Er habe zugeschlagen, ohne sich näher mit VW-Bussen auszukennen, räumt Hasler ein. Auf den ersten Blick schien mit dem 36-jährigen Gefährt, das ein fixes Hochdach hatte, ja auch alles in Ordnung zu sein. Erst auf den zweiten Blick des Automechanikers offenbarten sich neben dem verstopften Überlaufventil weitere kleinere Mängel: Das Dachfenster war undicht und die Tankanzeige funktionierte nicht.

Mit dem geflickten Campingbus, dem sie vorher den letzten Schliff verpassten, fuhren die beiden Ende August 2016 aus Hettlingen los. Ihr erstes Reiseziel war Hamburg. Von dort aus sollte der VW-Bus, den sie liebevoll «Manny» nannten, die Seereise nach Uruguay antreten.

Unbezahlbare Freiheit

Im Laufe ihrer Reise, die sie von Uruguay bis nach Feuerland und dann durch die Anden hoch bis nach Kolumbien führte, brauchte «Manny» dann zwar etliche Ersatzteile, etwa neue Bremsbeläge oder eine neue Kupplung. «Ohne Serainas gute Spanischkenntnisse wären diese schwierig zu beschaffen gewesen», sagt Hasler. Doch das Reisegefühl im T3, der mit einem Kochherd, Kühlschrank, Brünneli, Sitzgelegenheiten und einem Bett ausgestattet war, sei fantastisch, die damit gewonnene Freiheit unbezahlbar gewesen. «Bei schlechtem Wetter konnten wir gut einen Nachmittag in unserer fahrbaren Einzimmerwohnung verbringen.»

Auf ihrer Reise durch den südamerikanischen Kontinent, von der sie am 19. Januar in einer Fotoshow berichten werden, passierte das junge Paar acht Länder. Doch nirgends sei es so schön wie in Patagonien gewesen, sagt die Ärztin. «Die Landschaft, die Tiere und der starke Wind haben es uns angetan.» Halt gemacht haben sie auf Campingplätzen oder in der freien Natur. «Angst hatten wir nur einmal, als wir in Argentinien am Strand übernachteten und nachts um drei Uhr heftig an unser Fenster geklopft wurde», erzählt Hasler. Als sie die Türe geöffnet hätten, sei ein Polizist davor gestanden. «Er wollte uns nur sagen, dass die Polizei uns beschützen werde.»

Abschied von «Manny»

«Manny» fuhr das Schweizer Paar sicher durch die Lande. Dann, in Quito in Ecuador, gab der alte Campingbus im Juli diesen Jahres den Geist auf. «Wir haben ihn mit Wehmut zurückgelassen, er war ein Jahr lang unser Zuhause», sagt Hasler. Was vom Bus noch brauchbar gewesen sei, hätten sie vor Ort verschenkt oder günstig verkauft. «Der Vorteil war, dass wir alles, was wir an Kleidern und Ausrüstung zum Wandern brauchten, mitnehmen konnten.» Die letzten vier Wochen ihrer Reise waren die beiden wieder mit Rucksäcken unterwegs. Das nächste Mal würden sie einen Van mit Allradantrieb und Wasser gekühltem Motor kaufen. «Und ich würde vorher sicher eine Testfahrt machen», fügt der Lehrer augenzwinkernd hinzu.

Von ihrer Reise werden Markus Hasler und Seraina Egli am Freitag, 19. Januar 2018 (20 Uhr, Mehrzweckhalle Hettlingen), mit einer Fotoshow berichten.

(landbote.ch)

Erstellt: 26.12.2017, 13:14 Uhr

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