Wetter

Das Ausmass der Zerstörung ist gigantisch

Die Gemeindepräsidenten im Stammertal sind vom zerstörerischen Ausmass des Sturms erschüttert. Sehr stark betroffen sind die Landwirte.

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Bevor der Sturm kam, hörten die Bewohner im Stammertal ein Grollen und Zischen. Als das Unwetter nach 20 Minuten vorbeigezogen war und der Himmel sich aufriss, roch es nach zerschlagenen Kräutern, Knoblauch und Zwiebeln. Und so manchem war es zum Weinen zumute.

Die Landwirte sind arg gebeutelt, da kommen einem die Tränen.Martin Farner, Gemeindepräsident Oberstammheim

«Das Unwetter der 1.-August-Nacht hat Schäden hinterlassen, wie wir sie noch nie erlebt haben», sagte der Oberstammer Gemeindepräsident Martin Farner gestern an einer Pressekonferenz.

In den Gemeinden Oberstammheim, Unterstammheim und Waltalingen sind die punktuellen Schäden unübersehbar. Von fehlenden Ziegeln über komplett abgedeckte Dächer bis hin zu Gebäuden, an die nur noch ein Haufen loser Bretter erinnert.

Besonders hart hat es die Landwirte getroffen. Zuckerrüben, Mais, Sonnenblumen, Reben: Der Ernteausfall liegt vielerorts bei hundert Prozent. «Die Landwirte sind arg gebeutelt, da kommen einem die Tränen», sagte Farner.

«Ein trauriges Bild»

Sein Amtskollege Martin Zuber aus Waltalingen war ebenfalls aufgewühlt: «Ich leide mit den Bauern, den Gärtnern und den Waldbesitzern. Es ist ein trauriges Bild, das sich bietet.» Während des Sturms hatte er Angst, dass seine Fenster aus den Rahmen fliegen: «So etwas habe ich in meinen 63 Jahren noch nie erlebt.»

In Unterstammheim hat es nebst den Landwirten auch das Gewächshaus hinter der Landi-Filiale getroffen. Wie eine zertretene Riesenraupe wirkt die Metallkonstruktion. Auf der anderen Seite des Bahngleises ist das Holzlager der Zimmerei Keller durcheinandergewirbelt worden, auf dem Dach der Holzbaufirma Schwendimann fehlen Solarpanels.

Diese drehenden Kräfte, das muss eine Art Tornado gewesen sein.Martin Zuber, Gemeindepräsident Waltalingen

Auch die Badi hat es getroffen. Bäume sind auf den Kiosk und die Umkleidekabinen gefallen, die Folie im Bassin ist beschädigt. Die Badi ist deshalb zu, soll aber «mit etwas Glück» nächste Woche wieder öffnen, sagte der Unterstammer Gemeindepräsident Werner Haltner.

Auffällig bei den Schäden im Wald ist, dass die Bäume selten komplett umgeknickt, sondern wie Zahnstocher oben spitzig abgedreht sind. «Diese drehenden Kräfte, das muss eine Art Tornado gewesen sein», sagte Zuber.

Im Schlechten das Gute sehen

Die Schäden an Natur und Infrastruktur schmerzen, doch es gab keine Schwerverletzten. «Es grenzt an ein Wunder», sagt Andreas Frei, Kommandant der Feuerwehr Stammertal. So konnten etwa alle Kinder eines Zeltlagers der Chrischona am Nussbaumersee in die Garage eines Nachbargebäudes flüchten. Die Zelte waren alle flachgedrückt.

Schön, wie die spontane Hilfe links und rechts funktioniert hat.Werner Haltner, Gemeindepräsident Unterstammheim

Zuber war von der Hilfsbereitschaft der Leute beeindruckt: «Wie spontan und unkompliziert die Bevölkerung an die Arbeit ist, hat mich gefreut.» Auch Haltner lobte die «spontane Hilfe links und rechts». Farner sprach davon, dass die Nachbarschaftshilfe gut funktioniert habe. «Teils mussten Leute fremdplatziert werden.»

Den grössten Dank richteten die drei Gemeindepräsidenten aber den Feuerwehren und dem Zivilschutz aus. Am Mittwoch waren 34 Feuerwehrleute während über 16 Stunden im Einsatz, unterstützt wurden sie dabei von 36 Zivilschützern aus dem Bezirk Andelfingen unter der Leitung von Thomas Schaller.

«Innerhalb von zwölf Stunden haben wir 82 Meldungen erhalten», sagte Kommandant Frei. Wie ein «Inferno» habe das Stammertal auf ihn in jener Nacht gewirkt.

Den Tobelbach befreien

Derzeit steht vor allem noch der Tobelbach im Zentrum. Umgefallene Bäume sollen so schnell wie möglich entfernt werden. Sonst könnte sich der Bach bei stärkeren Niederschlägen stauen und die Bäume gegebenenfalls ins Tal schwemmen. Die Forstwarte arbeiten am Wochenende.

Konkrete Zahlen zu den Schäden gibt es noch nicht. Die Schweizer Hagel Versicherung, die Schäden am Kulturland abdeckt, rechnet mit insgesamt 700 Meldungen aus den Kantonen Bern, Schaffhausen, Thurgau und Zürich in der Höhe von rund vier Millionen Franken.

Die Gebäudeversicherung des Kantons hat bisher 350 Schadensmeldungen aus dem Weinland erhalten, sie rechnet mit insgesamt tausend Meldungen und einer gesamten Schadenssumme von zehn Millionen Franken. (Landbote)

Erstellt: 03.08.2017, 20:41 Uhr

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