Bauma

Das beste Frauenteam testet im Tösstal

Heute spielt das Frauenteam des FC Zürich gegen die Damen des Bundesligisten SC Freiburg auf der Schwendi in Bauma. Die Tösstaler verbindet sowohl mit Frauenfussball als auch den Stadtzürchern so einiges.

Letzte Saison erreichten die FCZ-Frauen den Achtelfinal der Champions League gegen Bayern München. Foto: Patrick B. Kraemer/Keystone

Letzte Saison erreichten die FCZ-Frauen den Achtelfinal der Champions League gegen Bayern München. Foto: Patrick B. Kraemer/Keystone

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Es ist ein fussballerischer Leckerbissen, der heute um 15 Uhr auf dem Baumer Sportplatz Schwendi (Eintritt frei) stattfindet: Das Frauenteam des FC Zürich, in der Schweiz das Mass aller Dinge und letztjähriger Champions-League-Achtelfinalist, trifft auf den SC Freiburg, der in der letzten Saison im Final des deutschen Pokals stand.

Die Vorfreude bei Werner Berger, Präsident des FC Bauma, ist entsprechend gross. «Es ist der hochkarätigste Frauenmatch, der je bei uns stattgefunden hat.»

Ex-Nati-Spielerin bei Bauma

Die Frauen sind im Baumer Fussballclub stark vertreten: Drei von acht Vorstandsmitgliedern sind weiblich, in den Organisationskomitees beträgt der Frauenanteil gar 80 Prozent. «Ohne die Hilfe der Frauenmüssten wir mit dem Fussball in Bauma aufhören», sagt Präsident Berger.

«Es ist der hochkarätigste Frauenmatch, der je bei uns stattgefunden hat.»

Vor 20 Jahren wurde in Bauma ein eigenes Frauenteam gegründet. Zu Spitzenzeiten spielten sie in der vierthöchsten Liga, vor sechs Jahren löste sich das Team dann aber auf. «Einige der Frauen wurden Mütter und es fehlte der Nachwuchs», sagt Berger. Auch das Juniorinnenteam gibt es mittlerweile nicht mehr. «Im Teenageralter stehen teilweise andere Interessen im Vordergrund und der Fussball rückt in den Hintergrund», sagt Berger.

Allerdings hat sich ein Seniorinnenteam gebildet, das aus 28 Frauen besteht, wöchentlich trainiert und an Turnieren teilnimmt, zuletzt etwa in Prag. «Wir sind einer von ganz wenigen Vereinen im Land, der ein solches Team stellt», sagt Berger nicht ohne Stolz. Diesem Team gehört auch Helen Nüesch an, die von 1975 bis 1977 für die Schweizer Nationalmannschaft auflief.

Eng mit FCZ verbunden

Doch der FC Bauma hat nicht nur einen Bezug zum Frauenfussball, sondern auch zum FC Zürich. 2006 spielte etwa die 1. Mannschaft, die damals mit Trainer Lucien Favre soeben Schweizer Meister geworden war, ein Testspiel gegen den FC Schaffhausen auf dem Sportplatz Schwendi.

Mit den Einnahmen finanzierte der Tösstaler Club ein neues Clubhäuschen mit, das 2008 wiederum von einer Allstar-Auswahl des FC Zürich gegen den FC Bauma eingeweiht wurde.

«Ohne die Hilfe der Frauenmüssten wir mit dem Fussball in Bauma aufhören» 

Im Nachwuchsbereich spielt eine Auswahl des FC Zürich, die U-15 Oberland, bereits seit drei Jahren unter dem Namen des FC Bauma. «Pro Verein darf nur ein Team für diese Nachwuchsliga registriert werden, der FCZ stellt aber drei Mannschaften», erklärt Berger diese Kuriosität.

Heinz Russheim, heutiger Leiter der FCZ-Nachwuchsabteilung, war früher Trainer dieses Teams Züri-Oberland, in dem auch Spieler aus Bauma vertreten waren, und kannte Markus Baur, den ehemaligen Marketingchef der Tösstaler.

Seit sechs Jahren wird der von Russheim gegründete Bachtel-Cup in Bauma ausgetragen, an dem Nachwuchsmannschaften gegeneinander antreten. Und zu guter Letzt: Der Baumer Schwimmlehrer und ehemalige Cheftrainer des FC Bauma, Augusto Do Vale, ist heute Konditionstrainer der FCZ-Frauen.

Neue Mädchengarderobe

Der Entscheid, die heutige Partie in Bauma auszutragen, fiel im Frühling. «Frauenfussball fristet leider in der Schweiz immer noch ein Mauerblümchendasein», sagt Berger.

«Es geht auch um Aufmerksamkeit für den Frauenfussball.»

In der Stadt hätte die Partie vielleicht 20 Zuschauer angelockt, schätzt er. In Bauma soll ein Ereignis fürs ganze Tal stattfinden: «Für uns ist das eine einmalige Gelegenheit.» Gross Geld verdienen werde man damit wohl nicht, Berger hofft auf 300 Zuschauerinnen und Zuschauer. «Aber es geht auch um Aufmerksamkeit für den Frauenfussball.»

Vielleicht gibt es doch den einen oder anderen Franken für die Vereinskasse. Denn passend zu der Partie will der FC für rund 70000 Franken eine neue Mädchengarderobe realisieren.

Derzeit spielen einige Juniorinnen mit den Jungs, entsprechend sind getrennte Garderoben notwendig. «Wir sind weit davon entfernt, ein reines Mädchenteam aufzustellen. Der Verband wünscht sich heute, dass die Junioren durchmischt spielen», sagt Berger.

Prominente Zuschauer

Die Chance, dass die 1. Mannschaft der Männer wieder einmal in Bauma auftritt, ist klein. «Es ist eine Frage der Sicherheit», sagt Berger. Wenn etwas passieren würde, hätte der Verein hohe Kosten. Bereits 2006 war das ein Thema: «Die Kantonspolizei wollte die Partei zwei Tage vorher absagen.»

Denn einen Monat zuvor, als Zürich in Basel in letzter Minute Meister geworden war, kam es zu Ausschreitungen. Diese Befürchtung bewahrheitete sich in Bauma aber nicht und es fand ein friedliches Fussballfest mit über 2000 Zuschauern statt.

Für heute hat sich prominenter Besuch angekündigt: So wird das FCZ-Präsidenten-Ehepaar Ancillo und Heliane Canepa das Spiel vor Ort verfolgen und auch der Frauen-Nati-Trainer Nils Nielsen hat seinen Besuch angekündigt. Der Verein wird sie in einem eigens aufgestellten Festzelt empfangen.

Erstellt: 26.07.2019, 13:32 Uhr

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