Neftenbach

Das grüne Haus in Hünikon

Ein Haus in Hünikons Dorfkern ist plötzlich neongrün. Alle fragen sich: Ist das erlaubt?

Ein Anblick, der überrascht: Das Haus in Hünikon hat einen leuchtend grünen Anstrich verpasst bekommen.

Ein Anblick, der überrascht: Das Haus in Hünikon hat einen leuchtend grünen Anstrich verpasst bekommen. Bild: Marc Dahinden

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Es grünt so grün – doch nicht nur, wenn Spaniens Blüten blühen, sondern auch, wenn Hünikons Einwohner streichen. An der Hinterdorfstrasse 2 steht ein Bauernhaus, das seit kurzem ein leuchtendes Neongrün trägt. Ob dies erlaubt sei, fragen sich nicht nur die Nachbarn.

Die Rückfrage bei den Hausbesitzern ergibt ein etwas schalkhaftes «Jein». Lea Zubler (53) und Beat Engi (57), die das Haus vor fünf Jahren erworben haben, lassen momentan das Dach erneuern. Dafür haben sie eine Baubewilligung. Die Gelegenheit sei günstig gewesen, das Baugerüst am Haus auch gleich für einen neuen Anstrich der Fassade zu nutzen, erzählt Engi, der von Beruf Autospengler und wie seine Partnerin ein farbenfroher Mensch ist.

Engi schrieb dem Bausekretariat von Neftenbach im letzten Herbst, ob eine Auffrischung der grünlichen Fassade anlässlich der Dachsanierung auch gerade möglich sei. Er gab sogar die Farbnummer der Fassadenfarbe an, die er verwenden wollte: RAL KB 1563. Bausekretär Christian Häni, nicht wissend, dass sich dahinter ein leuchtendes Neongrün verbirgt, und in der Meinung, der neue Farbton weiche vom alten kaum ab, sah keinen Hinderungsgrund.

Erstaunte Nachbarn

In Hünikon ging es dann diesen Frühling zur Sache. Noch schnell eine Farbprobe an der Hauswand. «Das geht», fand das Paar, das auch im Haus ein modernes Farbkonzept verfolgt.

«Ich hatte beim Malen schon das Gefühl, dass es ein wenig sehr leuchtend ist.»

Lea Zubler, die beruflich als Servicekraft im Restaurant Obermühle in Flaach tätig ist, strich das Haus mit einer Freundin an – mit der Farbe, die ihr Freund aus dem Baumarkt mitgebracht hatte. «Ich hatte beim Malen schon das Gefühl, dass es ein wenig sehr leuchtend ist», räumt sie ein. Hinzu kam die Reaktion der Nachbarn. Sie hätten sich alle erstaunt gezeigt, dass dieses Grün bewilligt worden sei.

Reklamationen sind aber zum Erstaunen des Bausekretärs, der die Fassade des Hauses mittlerweile aufgrund eines Hinweises auch besichtigt hat, keine eingegangen. Kommentieren will Häni die Farbe vorläufig noch nicht. Die Baukommission werde am kommenden Montag darüber befinden, er wolle dem Entscheid nicht vorgreifen.

Nicht im Farbenspektrum

Doch kann es einen Bausekretär kalt lassen, wenn ihm im Ortskern ein Haus schreiend grün entgegen leuchtet? Häni lacht. Er habe tatsächlich zuerst geprüft, ob es sich nicht vielleicht um die Grundierung handle, räumt er ein. Neongrün bewege sich nicht im Spektrum der Kernzonenvorschriften, die den Schutz von Einheit und Eigenart der gewachsenen Ortskerne und deren Umgebung bezwecken.

Der Bündner und die gebürtige Kroatin räumen ein, dass der Farbton doch etwas greller ausgefallen sei als gedacht. Sie seien sich bewusst, dass dieses Grün die Bauvorschriften strapaziere, sagt Engi. «Wir hatten nichts Böses im Sinn.» Er habe aber wohl einen Fehler gemacht, als er geschrieben habe, die neue Farbe sei ähnlich wie die alte.

Von der Baugesetzgebung her bleibt nicht viel Spielraum. Ein Farbwechsel der Fassade erfordere eine Baubewilligung, sagt Häni.Eine solche sei in diesem Fall nicht eingeholt worden. Die Bauherrschaft habe lediglich um Renovation des Daches ersucht. «Wir werden sie nun auffordern, nachträglich eine Bewilligung einzuholen.»

Neuer Hydrant

Laut Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich sind Bauten, Anlagen und der Umschwung so zu gestalten, dass «eine befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird». Diese Anforderung gelte auch für Materialien und Farben, heisst es in Paragraf 238.

Die Farbpalette könnte sich aber vielleicht dereinst erweitern. Nicht weit vom grünen Haus entfernt steht ein neuer Hydrant. Der Wasserspender für die Feuerwehr ist neongrün.

Erstellt: 03.04.2019, 18:15 Uhr

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