Brütten

«Das Schlimmste wohl abgewendet»

Grosse Verstrebungen stützen nun die Glasfenster der Brüttmer Kirche. Das war dringend: Gemäss Expertise drohten sie jeden Moment auf die Besucher hereinzubrechen.

Gefahr abgewendet: Ein provisorisches Konstrukt bewahrt die Brüttemer Glasfenster vor dem Einsturz.

Gefahr abgewendet: Ein provisorisches Konstrukt bewahrt die Brüttemer Glasfenster vor dem Einsturz. Bild: Enzo Lopardo

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Majestätisch steht die reformierte Brüttemer Kirche hoch oben im Dorf. Fünf vor zwölf zeigt die Turmuhr an diesem Mittag, fünf vor zwölf ist es sprichwörtlich seit unbestimmter Zeit: Die Kirchenfenster sind laut Kirchgemeindepräsident und Innenarchitekt Martin Egli in «absolut desolatem Zustand», wie er an der Gemeindeversammlung der reformierten Kirche letzte Woche sagte.

«Zum Glück konnten wir rasch reagieren»

Insbesondere das grosse Jesusfenster drohe auf die Kirchgänger hereinzubrechen, «von ihm geht eine wesentliche Gefahr aus», heisst es auch in der Expertise, die Egli anfertigen liess.

«Zum Glück konnten wir rasch reagieren», sagt Martin Egli, Präsident der Kirchenpflege. Handwerker haben eine grosse Metallkonstruktion zur Stütze des Hauptfensters angebracht.

Erst Grobschätzung möglich

Diese Notsanierung belastet die Kirche mit rund 22 000 Franken, weitere 100 000 Franken kostet gemäss «Grobschätzung» die definitive Sanierung der Fenster.

Wie teuer die aufwendigen Handarbeiten aller Fenster genau zu stehen kommen, werde ersichtlich während der Arbeiten am Jesusfenster getätigt würden. Diese sollten bis im März, spätestens April abgeschlossen sein.

«Jeden Moment hätte eines der Glasstücke herausfallen und die Besucher verletzen können»

Der Zustand der Bleiverglasungen und der Aussenfenster müsse sehr genau geprüft werden, bevor eine seriöse Offerte Sinn mache. Bei den Aussenfenstern sind stellenweise die Metallhalterungen der Schutzverglasungen losgelöst und weggefallen. Des weiteren sind gemäss Expertise sämtliche Ausenfenster undicht, dadurch sei das Mauerwerk im Innenraum in Mitleidenschaft gezogen worden.

Bis zu fünfzehn Zentimeter wölben sich die Glassegmente des besorgniserregenden Jesusfensters in den Kirchenraum hinein. «Jeden Moment hätte eines der Glasstücke herausfallen und die Besucher verletzen können», sagt Egli, er gehe davon aus, dass das Herausbrechen eines der Segmente eine Art Kettenreaktion ausgelöst hätten.

Die Stürme der vergangenen Tage haben Egli allerdings nicht in Sorge versetzt, die bunten Glasfenster sind seit den 70er-Jahren durch Aussenfenster geschützt.

Durch Zufall bemerkt

Diese Aussenfenster waren es, die kürzlich überprüft werden mussten. Die Einschätzung des Experten ergab aber, dass besonders akut sanierungsbedürftig die inneren, die alten, bunten Fenster seien. So wurde die präkäre Lage eigentlich durch einen Zufall entdeckt. «Niemandem sind die Wölbungen als gefährlich aufgefallen», so Egli.

«Niemandem sind die Wölbungen als gefährlich aufgefallen»

Die Bleiverglasungen gehen auf das Jahr 1908 zurück, der Entwurf im Art-déco-Stil entstammt der Feder eines Pariser Künstlers. Der Experte vergleicht die Fenster mit jenen, die der Amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright in den frühen 1900er Jahren in den USA einführte.

Er stuft sowohl Gläser als auch Motiv für die Gegend als «untypisch und sehr interessant» ein, sie stehe in «schönen Einklang zu der Architektur der inneren Dachkonstruktion».

Die Gläser würden durch ihre Unregelmässigkeiten zur Wirkung kommen, das zeichne ihre Schönheit aus. Alle vertretenen Glassorten würden noch heute in den USA handgewalzt. Vorerst müssen die Kirchgänger mit einem Gerüst Vorlieb nehmen. (Der Landbote)

Erstellt: 13.12.2017, 14:20 Uhr

Weil sich die Metallhalterungen der Schutzverglasungen gelöst hatten, wölbten sich die Glasfenster bis zu fünfzehn Zentimeter in den Kirchenraum hinein. (Bild: Nathalie Guinand)

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