Seuzach

«Das Zusammenwachsen braucht Zeit»

Seit fünf Jahren präsidiert Monika Frei die reformierte Kirchenpflege Seuzach. Die Rolle gefällt ihr. Jetzt kandidiert sie am 17. November fürs Präsidium der neuen Kirchgemeinde Seuzach-Thurtal. Als Einzige.

Zehn Jahre in der Kirchenpflege Seuzach und jetzt unterwegs zu neuen Ufern: Monika Frei.

Zehn Jahre in der Kirchenpflege Seuzach und jetzt unterwegs zu neuen Ufern: Monika Frei. Bild: Marc Dahinden

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Als Monika Frei im Frühjahr 2014 das Kirchenpflegepräsidium in Seuzach übernahm, musste sie sich sogleich einem grossen Projekt widmen: der Renovation der reformierten Kirche Seuzach. Zusammen mit Kirchenpflege und Baukommission nahm sie das Bauvorhaben in Angriff und brachte es glücklich zu Ende. Glück war tatsächlich im Spiel. Während der Sanierungsarbeiten fiel das Dach von der Kanzel herunter, traf aber gottlob niemanden. «Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können», sagte Monika Frei im Nachhinein.

Inzwischen hat die 46-Jährige an einem noch grösseren Projekt mitgewirkt: Sie hat die Kirchgemeinde Seuzach in die grosse Kirchgemeinde Seuzach-Thurtal geführt, zu der neu auch die drei reformierten Kirchgemeinden Altikon-Thalheim-Ellikon, Dinhard und Rickenbach gehören.

Bei der Abstimmung im November 2018 hatte die Kirchgemeinde Dinhard mit 91,8 Prozent am klarsten Ja gesagt.Seuzach, als grösste der vier Kirchgemeinden, ohne deren Zustimmung das Projekt nicht zustande gekommen wäre, nahm die Vorlage mit nahezu 84 Prozent an und gab damit auch ein klares Votum für die Fusion ab. Am 17. November wird nun die Kirchenpflege Seuzach-Thurtal gewählt, für die sich Monika Frei als Einzige für das Präsidium bewirbt.

Weshalb kandidieren Sie als Präsidentin? War Ihnen Seuzach nicht gross genug?
Monika Frei: (lacht) Beim Fusionsprozess war ich von Anfang an dabei, und es war für mich klar, dass ich ihn weiter begleiten möchte. Auch damit nicht alles Know-how verloren geht. Es macht mir Spass, verschiedene Herausforderungen in Angriff zu nehmen. Ich arbeite gern im Team mit Mitarbeitenden und Freiwilligen. Klar, es werden dann nicht mehr nur eine, sondern vier Kirchgemeinden mit rund 6700 Mitgliedern zu führen sein. Ich freue mich darauf, neue Leute kennen zu lernen.

«Die Fusion gibt uns allen mehr Freiraum für das Gestalten der Kirche.»Monika Frei, 
Präsidentin der Kirchenpflege Seuzach

Was könnte verloren gehen?
Wenn die neue Kirchenpflege allein mit neuen Leuten starten müsste, wäre das extrem schwierig. Es ist immer besser, wenn Bisherige bleiben und Neue dazukommen. So können sich neue Ideen und Erfahrung ergänzen. Auch Kontakte bleiben gewahrt.

In welchem Verhältnis kandidieren Bisherige und Neue für die neun Sitze?
Fünf zu vier: Es bewerben sich fünf Bisherige und vier Neue. Also gleich viele, wie es Sitze hat.

War es abgesprochen, dass Sie fürs Präsidium kandidieren?
Wir haben es im Plenum diskutiert. Ich sagte, dass ich mich zur Verfügung stelle, und alle befürworteten das. Das Amt ist zeitaufwendig. Das muss man sich vorstellen können. Das kann ich. Meine zwei Söhne sind erwachsen. Gegenwärtig bin ich nicht mehr berufstätig. Dadurch habe ich genug Zeit für mein Amt und bin flexibel. Motiviert bin ich auch, weil wir Kandidierenden uns grösstenteils aus der Zeit der Steuerungsgruppe kennen und uns sehr gut verstehen. In der neuen Kirchenpflege mitzuwirken, hätte ich mir so oder so vorstellen können, mit oder ohne Präsidium.

Der neue Kirchenschreiber wird der Behörde auch Entlastung bringen, oder?
Ja sicher. Durch unseren Kirchgemeindeschreiber fällt auf der einen Seite viel Administratives weg. Auf der anderen Seite wird es für mich im Fall meiner Wahl zur Präsidentin mehr Sitzungen geben, weil ich in der Geschäftsleitung dabei wäre. Es eröffnen sich aber auch neue Perspektiven: Vieles von dem, was ich heute zu Hause am PC erledige, wird künftig im Team passieren, wo man die Arbeit auf mehr Köpfe verteilen kann.

Worin sehen Sie die Herausforderung der neuen Führungsaufgabe?
Es wird nächstes Jahr, wenn die Kirchgemeinde Seuzach-Thurtal startet, zunächst darum gehen, dass sich die verschiedenen Kirchenorte kennen lernen und miteinander auf den Weg begeben. Es wäre ein Trugschluss, zu denken, dass wir in einem Jahr schon zusammenwachsen werden. Das wird viel länger dauern. Wichtig ist, zu sehen, dass der ganze Apparat nun nicht einfach aufgeblasen wird, sondern dass die Fusion uns allen mehr Freiraum gibt, für das Gestalten der Kirche wie auch das diakonische Leben vor Ort.

Sind Sie gläubig?
Meine Eltern haben mir beigebracht, Nächstenliebe zu leben und für Menschen da zu sein, wenn diese in Schwierigkeiten sind. Das sind die Werte, mit denen ich aufgewachsen bin und die mir noch heute wichtig sind. Meiner Meinung nach muss jeder Mensch seinen eigenen Glauben finden. Ich gehe zum Beispiel nicht jeden Sonntag in die Kirche, weil ich es dann geniesse, mit meiner Familie zusammen zu sein. Dafür begebe ich mich gern in die Natur, wo ich mich an den schönen Dingen erfreuen und viel Kraft schöpfen kann.

Erstellt: 06.11.2019, 05:54 Uhr

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