Pfungen

Der Deutsche mit den Schweizer Wurzeln

Der Ururgrossvater des neuen Pfarrers von Pfungen hat der Schweiz ein grosses Denkmal gesetzt. Das verrät Johannes Keller im Gespräch so nebenbei.

Passionierter Bergsteiger und ein Fan der Reformation: Johannes Keller im Pfarrhaus von Pfungen.

Passionierter Bergsteiger und ein Fan der Reformation: Johannes Keller im Pfarrhaus von Pfungen. Bild: Madeleine Schoder

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Ich bin jetzt da, ich wohne da, ich arbeite da und ich fühle mich wohl», gab Johannes Keller an der Kirchgemeindeversammlung in Pfungen bekannt. Er sagte auch, was er hier in nächster Zeit vorhat: «Hausbesuche und den Einbezug moderner Medien in den Gottesdienst.» Von der technischen Ausrüstung in der reformierten Kirche von Pfungen ist er begeistert. «Es hat eine tolle Soundanlage und einen super Beamer.» Das will der 32-jährige Saarländer künftig nutzen, beispielsweise für einen Filmgottesdienst am Abend.Unter dem Motto «Auch neu? Wir kommen vorbei» möchte sich Pfungens neuer Pfarrer in nächster Zeit aber auch seiner Kirchgemeinde vorstellen. Seit dem 1. November wohnt er im «schönen Pfarrhaus».

Ihn gebe es eigentlich nur zu zweit, sagt Johannes Keller. Seine Frau, Simone Keller, die auch Pfarrerin wird, schliesse im Frühjahr 2018 ihre Pfarrausbildung in Deutschland ab. «Wir könnten es uns gut vorstellen, später gemeinsam in der Kirchgemeinde Pfungen als Pfarrer zu arbeiten.»

Vor Pfungen war Keller in Berlin tätig. Dort gestaltete er während eineinhalb Jahren das geistliche Programm des Deutschen Evangelischen Kirchentages mit. Diesmal stand das Grossereignis, das nur alle zwei Jahre durchgeführt wird, im Zeichen des Reformationsjubiläums. «Wir sprechen zwar über etwas, das 500 Jahre zurückliegt, aber eigentlich geht es um die Zukunft», sagt der junge Theologe.

Auf das Zürcher Reformationsjubiläum, das in zwei Jahren zu Ehren Huldrych Zwinglis gefeiert wird, freut sich Keller schon. Die Schweizer Reformationskampagne sei frischer als die deutsche, findet er und verweist auf das Material, das er dieser Tage erhalten hat. «Quer denken, frei handeln, neu glauben» steht auf dem Poster, das er bereits bei sich im Büro aufgehängt hat. «Die ersten beiden Postulate haben die Reformatoren begonnen, aber neu glauben, das müssen wir selbst.»

Bevor er sich entschloss, nach Berlin zu gehen, war Keller Pfarrer in Wuppertal. In der grossen Stadt zwischen Düsseldorf und Dortmund hat er einen Grossteil seiner theologischen Ausbildung absolviert. «Ein Jahr habe ich aber auch in Bern studiert», sagt der Mann, dessen Grossmutter Schweizerin war. Die Geschichte sei ein bisschen kompliziert, räumt der Pfarrer ein. Seine Grossmutter habe sich mit einem Deutschen verheiratet und sei in jungen Jahren ausgewandert. «Doch später kamen die beiden in die Schweiz zurück.» Er sei als Kind oft bei seinen Grosseltern in Engelburg SG gewesen, sagt er. Daher rühre seine Liebe zu den Bergen. Und die ist gross: Mit seiner Frau bestieg er kürzlich den grössten Berg Russlands im Kaukasus, den 5642 Meter hohen Elbrus.

Der begeisterte Bergsteiger hat indessen noch einen ganz anderen Bezug zur Schweiz. Dieser lässt ihn geradezu «alteidgenössisch» aussehen. «Mein Ururgrossvater Hans Wilhelm Auer war ein Semper-Schüler und hat das Bundeshaus in Bern erbaut.» Protzen will er damit nicht. Er halte nichts von Egotrips. Das gelte auch für seine Stelle hier in Pfungen. «Ich will hier nicht alles auf den Kopf stellen.» Doch dass ein Vorfahre von ihm das Schweizer Symbol von Demokratie geprägt hat, gefällt ihm schon.

Geboren und aufgewachsen ist Johannes Keller mit einer jüngeren Schwester und einem älteren Bruder in Saarbrücken. «Meine Eltern sind beide Musiker.» Sein Bruder ist Glaziologe an der Universität Zürich. «Unsere Berufe sind verschieden und doch ähnlich.» Beim Bruder seien es die Gletscher, die zusammenschmelzen, und bei ihm das Kirchenvolk.

Weshalb es ihn denn von Berlin ausgerechnet hierher aufs Dorf gezogen habe, wollen viele von ihm wissen. Seine Antwort: «Ich liebe das Dörfliche.» Es gefalle ihm, wenn er auf dem Weg zum Bäcker etliche Begegnungen mit Menschen seiner Kirchgemeinde habe. Und umgekehrt? Auch die Pfungemer Reformierten scheinen sich auf ihren neuen Pfarrer zu freuen, wie der grosse Applaus an der Kirchgemeindeversammlung zeigte. Seit dem Weggang von Pfarrerin Seraina Bisang 2013 habe die Pfarrperson mehrfach gewechselt, gibt Keller zu bedenken. In zwei Jahren soll er dann gewählt werden. «Meine Probezeit dauert etwas länger, weil meine Kirche im Ausland ist.» (Der Landbote)

Erstellt: 03.12.2017, 17:37 Uhr

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