Wila

«Der Druck in Betrieben steigt»

Der Gemeinderat Wila wirft am Gewerbetreff die Frage auf, ob die heutigen Schulabgänger fit für die Lehre sind. Regierungsrätin Silvia Steiner antwortete ihm mit einem klaren Ja.

Bildungsdirektorin Silvia Steiner sprach am Gewerbetreff in der Sägerei Bachmann in Wila über die Lehrstellensituation im Kanton.

Bildungsdirektorin Silvia Steiner sprach am Gewerbetreff in der Sägerei Bachmann in Wila über die Lehrstellensituation im Kanton. Bild: Nathalie Guinand

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Für Handwerksbetriebe im Tösstal ist es schwierig geworden, die Lehrstellen mit geeigneten jungen Leuten zu besetzen. «Wir hören das von Ausbildern immer wieder», sagte Gemeindepräsident Hans-Peter Meier gestern Mittwochabend am Gewerbetreff in Wila. «Und dies, obwohl die Gymiquote hier viel tiefer ist als etwa in Herrliberg.»

Der Gemeinderat wählte deshalb als Motto des Abends die Frage: «Sind die heutigen Schulabgänger fit für die Berufslehre?» Die Referenten waren sich in ihren Antworten auf die Frage überraschend einig: «Ja, sie sind es», sagte Regierungsrätin Silvia Steiner.

Die Erfolgsquote beim Lehrabschluss betrage 91 Prozent. Allerdings seien die Unterschiede je nach Berufsgruppe gross. Während bei der Fachfrau Gesundheit 99 Prozent abschliessen, seien es beim Sanitärinstallateur lediglich 63 Prozent.

Früher war nicht alles besser

Das bedeute aber nicht, dass die Jugendlichen nicht fit seien für die Berufsbildung. «Viele benötigen beim Einstieg und während der Ausbildung aber öfter Unterstützung.» Nur fehle es teils an Zeit dafür. «Der wirtschaftliche Druck in den Betrieben nimmt zu.»

«Es sind immer noch Kinder, die da kommen.»

Auch Andi Egli, Präsident des Bezirksgewerbeverbands Hinwil, sagte in seinem Referat vor rund 40 anwesenden Gewerblern, dass die Jugendlichen früher nicht besser gewesen seien.

Jeder Übertritt sei schwierig: In der Mittelstufe beklage man sich über den Leistungsstand der Schüler nach der Unterstufe, in den Unis sei man mit den Gymis unzufrieden. Und selbst Sokrates habe sich schon über die Faulheit von Jugendlichen beklagt.

Dennoch sieht er Verbesserungspotenzial: «Die Lehrverträge sind heute schon sehr früh unterzeichnet.» Er rät den Betrieben, im letzten Schuljahr mit den künftigen Lehrlingen in Kontakt zu bleiben und auch gemeinsam das Zeugnis anzuschauen, um sie auf den Lehrbeginn vorzubereiten.

Wie die Regierungsrätin forderte er Betriebe zudem dazu auf, die Lehrlinge gut zu betreuen. «Es sind immer noch Kinder, die da kommen.» Die Umstellung von der Schule ins Berufsleben sei nicht einfach. «Die Wirtschaft hat hohe Anforderungen.»

Hohe Abbruchquote

Spenglermeister Martin Truninger aus Kollbrunn stimmte seinem Vorredner in einigen Punkten zu: Für einen 15-Jährigen sei es zu früh, zu entscheiden, welchen Beruf er ausüben will, sagte er. Die Lehrabbruchquote liege in seinem Berufsfeld bei 27 Prozent. «Das ist ein Wahnsinn.» Hier liege die Verantwortung bei den Unternehmen. Sie müssten genau prüfen, ob der Bewerber auch wirklich geeignet ist.

Bei der Begleitung sieht er hingegen Grenzen: Handwerksbetriebe könnten Lehrlinge nicht den ganzen Tag lang an der Hand nehmen, nur schon aus finanziellen Gründen: «Wir machen eine Lehre, keine Betreuung.»

Ein Ziel des Gemeinderats

Der Gewerbetreff hat gestern nach 2016 zum zweiten Mal in Wila stattgefunden. Der Grund für die Treffen sei ein Legislaturziel, das sich der Gemeinderatgesetzt habe, sagte Hans-Peter Meier: Man wolle das Gewerbe stärken und die Beziehungen pflegen.

(Der Landbote)

Erstellt: 23.08.2018, 11:56 Uhr

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