Elgg

Der eine tritt ab, die andere packt an

18 Jahr lang prägte Johannes Baumann die Pflege Eulachtal als Direktor. Gestern hat er die Geschicke endgültig an seine Nachfolgerin Maria Hofer-Fausch übergeben.

Maria Hofer-Fausch hat die Gesamtleitung der Pflege Eulachtal schrittweise von Johannes Baumann übernommen. Foto: Fotograf

Maria Hofer-Fausch hat die Gesamtleitung der Pflege Eulachtal schrittweise von Johannes Baumann übernommen. Foto: Fotograf

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Ganz entspannt sitzt Johannes Baumann an einem Tisch im Elgger Pflegezentrum. Er blickt zurück. Auf 40 Berufsjahre, 18 davon verbrachte er in der Pflege Eulachtal. Mit am Tisch sitzen Medienvertreter und natürlich seine Nachfolgerin Maria Hofer-Fausch. Sie ist wohl einer der Hauptgründe, warum Baumann so entspannt ist. «Sie war einen Monat hier und da wusste ich, dass es gut wird», sagt er und lehnt sich im Stuhl zurück.

Seit Mai 2018 ist 38-jährige Hofer-Fausch als Leiterin des Pflegezentrums Eulachtal in Elgg im Einsatz. Seit Ende Jahr hat sie zudem die Gesamtleitung der Dachorganisation Pflege Eulachtal von Baumann übernommen, der nun in Pension geht. Am Donnerstag hat er sich vom Team verabschiedet.

Viel Schwärmerei

Hofer-Fausch sei ein Mosaikstein im ganzen Bild der Pflege Eulachtal. Gar «eine Perle» sei sie unter allen Bewerbern, die sich um seine Nachfolge bemüht haben, schwärmt Baumann. Denn Hofer-Fausch verfüge über die nötige Ausbildung und Erfahrung.

«Sie war einen Monat hier und da wusste ich, dass es gut wird»

Aber sie habe auch einen stark humanistisch geprägten Hintergrund. «Sie hat viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen.» Hofer-Fausch ist etwas verlegen ob so viel Lob. Aber auch sie hat nur gute Worte übrig für Baumann als Chef und Vorgänger. Er habe eine natürliche Autorität, ohne sich künstlich wichtig machen zu müssen. «Und er hat sofort das Feld geräumt», sagt sie. Sein Büro überliess er der Nachfolgerin, ein kleiner Schreibtisch in der Ecke hat ihm für den Übergang gereicht.

Bei all der Harmonie ist dennoch klar: Mit der Pensionierung von Baumann endet eine Ära. Seine beruflichen Wurzeln hat er in der Betriebswirtschaft. Die Karriere im Gesundheitsbereich startete er im Kinderspital, danach war er für die Kantonale Gesundheitsdirektion tätig. «Zu viel Verwaltung, zu weit weg vom Menschen», resümiert er. Darum zog es ihn nach Wülflingen in die Integrierte Psychiatrie Winterthur.

«Ich glaube nicht an Zufälle»

Im Jahr 2000 übernahm er die Leitung des Pflegezentrums Eulachtal, das damals nur 59 Betten hatte. Unter seiner Führung baute er ein Netzwerk von fünf Häusern auf: Den Lichtblick für Menschen mit Demenz in Elgg, das Zentrum Sonne in Elsau für psychisch kranke Seniorinnen und Senioren und in jüngster Zeit noch das Staub/Kaiser-Haus in Rümikon, für italienische Migranten und jüngere Leute sowie das Zentrum Wiesental in Wiesendangen.

Hinzu kommt seit letztem Jahr die Spitex Elsau-Schlatt. Heute sind unter der Dachmarke Pflege Eulachtal 140 Betten, rund 210 Mitarbeitende, davon 10 Menschen mit Handicap sowie 30 Lernende vereint. 2015 wurde das ganze Netzwerk vom Zweckverband in die gemeinnützige Stiftung Eulachtal überführt. «Ich glaube nicht an Zufälle», sagt Baumann. «Aber grosse Konzepte haben wir auch nie geschrieben.» Vielmehr habe man Gelegenheiten beim Schopfe gepackt und sich immer gefragt, was die Bedürfnisse der Menschen seien.

So schloss man mit den verschiedenen Häusern Lücken in der Versorgung. Zudem beschäftigte sich Baumann stark mit dem Pflegemodell des österreichischen Professors Erwin Böhm, das sich auf «das gute Leben», die Biographie und die Lebensgewohnheiten der Bewohner konzentriert und nicht auf deren Diagnose. Baumann führte dieses Modell in der Pflege Eulachtal.

Die Fragen der Zukunft

Maria Hofer-Fausch möchte Baumanns Arbeit nicht konservieren. «Wir müssen uns auch in Zukunft weiterentwickeln», sagt sie. Eine Herausforderung werde sicher die Finanzierung der Alterspflege bleiben.

Doch nebst der Betriebswirtschaft stehe, heute wie vor 20 Jahren, vor allem eine Frage im Mittelpunkt: «Was brauchen die Menschen überhaupt und wie möchten künftige Generationen im Alter leben?» Möchten sie ein Luxushotel, in dem das geliebte, etwas verbrauchte Sofa dann nicht ins Designkonzept passt? Oder darf es etwas einfacher und individueller sein, auch wenn das nicht allen gefällt? «Es bleibt spannend», sagt Baumann.

Erstellt: 01.02.2019, 16:27 Uhr

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