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«Der Hauslieferdienst ist das zweite Standbein»

Die Familie Jung produziert in Oberlangenhard unter dem Namen «Eiertom» 5,5 Millionen Eier im Jahr. Hauptabnehmer ist die Migros. Trotzdem will die Familie am Hauslieferdienst festhalten.

Michael, Maria und Thomas Jung im Wintergarten (o., v.l.). Foto: Marc Dahinden

Michael, Maria und Thomas Jung im Wintergarten (o., v.l.). Foto: Marc Dahinden

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Einmal pro Woche ist der Stammtisch im Theilinger «Pöstli» am Abend von Eierliebhabern besetzt. Dann nämlich macht dort Geflügelmeister Thomas Jung auf seiner Eiertour Halt. Es ist seine letzte Station. Die rund zehn Gäste im Restaurant nutzen die Gelegenheit, um sich mit frischen Eiern einzudecken. Jung hingegen gönnt sich ein Feierabendbier und plaudert.

Seit 18 Jahren gibt es den sogenannten Eierstamm nun schon. Er ist eine Konstante in der Geschichte des Lokals, wo in der selben Zeit die Wirte viermal gewechselt haben. Daniel Brülhart und Daniela Jacquat führen es seit Kurzem (Der «Landbote» berichtete). Auch sie beziehen ihre Eier vom «Eiertom».

17000 Hühner

Der Name «Eiertom» steht heute für einendrei Ställe umfassenden Betrieb in Oberlangenhard, oberhalb von Rikon, in dem 17300 Freilandhühner pro Jahr 5,5 Millionen Eier legen. 3,6 Hektaren landwirtschaftliche Fläche gehören dazu. Und im nächsten Jahr soll noch ein Stall hinzukommen, der als Aufzuchtstall für einen Tag alte Küken dient.

Die Familie Jung färbt von Hand 5400 Eier pro Woche. An Ostern sogar noch mehr.

Im Familienbetrieb helfen neben dem 55-jährigen Thomas Jung auch seine Frau Maria(60) und der 25-jährige Sohn Michael mit. Der gelernte Zimmermann und Geflügelfachmann lässt sich derzeit zum Betriebsleiter weiter bilden. Die erwachsenen Töchter Cristine (22) und Carole (20) gehen einer anderen Beschäftigung nach. Sie helfen in ihrer Freizeit aber mit, wenn es nötig ist.

Haupteinkommensquelle der Familie ist aber nicht der Hauslieferdienst, mit dem sie fast täglich frische Eier in private Briefkästen im Raum Effretikon, Winterthur und Tösstal legen, sondern die Migros. Der Detailhandelsriese nimmt den grössten Teil ihrer Eier unter dem Label «Aus der Region» ab. Wieso also den Aufwand für die Touren weiter betreiben? «Es ist ein zusätzliches Standbein», sagt Maria Jung. Und ein Dienst am Kunden, der es schätze, ein ganz frisches Produkt direkt vom regionalen Produzenten zu erhalten.

Wer nach Oberlangenhard fährt, der kann den Hof der Familie Jung nicht verfehlen. Die Schilder «Eiertom» und «Chicken City» weisen in die richtige Richtung.

Das Wohnhaus, Ökonomiegebäude mit Hofladen und die Ställe stehen etwas ausserhalb des 150-Einwohner-Ortes. Das Gegacker der Hühner lässt sich auf dem Hofgelände nur bei genauem Hinhören ausmachen. Anders wäre es wohl, wenn sich die Tiere draussen auf der Wiese aufhielten. Doch wegen des nass-kalten Wetters bleiben sie in diesen Tagen oft drinnen, im Wintergarten.

Dort ist der Geruch nach Huhn unverkennbar. Der Boden ist mit gehäckseltem Stroh eingestreut, es gibt Sandkästen zum Scharren und erhöhte Stangen als Ruhezone. Legen die Tiere Eier, ziehen sie sich in die Nester im Stall zurück. Vorhänge verdunkeln die mit Kunstrasen ausgelegten Familiennester, in denen bis zu 20 Hühner Platz haben. Sind die Eier gelegt, rollen sie auf ein Band und werden aus dem Stall befördert.

Maschinen helfen mit

Vieles passiert maschinell und doch brauche es Menschen, die die Eier begutachten, putzen und die kaputten aussortieren, sagt Thomas Jung. Die Familie, die fünf Vollzeitstellen bietet und auch Lehrlinge ausbildet, färbt ausserdem 5400 gekochte Eier pro Woche – von Hand. An Ostern sind es etwas mehr.

Die Hühner liegen der Familie Jung am Herzen. Sie halten sie deshalb auch länger als andere Betriebe, nämlich zwei Jahre. Danach werden sie geschlachtet und zu Charcuterie-Waren verarbeitet. «Sie werden weder weggeworfen noch in Biogasanlagen verwertet», sagt Thomas Jung. Das Bio-Label hat der Betrieb zwar nicht, «aber bei der Freilandhaltung werden sehr hohe Anforderungen erfüllt», sagt er. Ab dem Frühling soll Sohn Michael schrittweise die Leitung des Betriebs übernehmen.

Erstellt: 06.11.2019, 13:45 Uhr

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