Dinhard

Der Klimawandel kam erst am Schluss

Vier bürgerliche Politiker diskutierten in Dinhard. Wirklich kontrovers wurde es erst, als sich das Publikum einschaltete.

Die vier Kantonsratskandidaten am Podium in Dinhard: Links Prisca Koller und Martin Huber von der FDP, auf der rechten Seite Martin Hübscher und Max Rütimann von der SVP.

Die vier Kantonsratskandidaten am Podium in Dinhard: Links Prisca Koller und Martin Huber von der FDP, auf der rechten Seite Martin Hübscher und Max Rütimann von der SVP. Bild: Madeleine Schoder

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Als die Diskussion der Kantonsratskandidaten nach 75 Minuten für die rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörer im Treffpunkt Dinhard geöffnet wird, sagt ein Mann: «Ich bin ein bisschen enttäuscht.»

Er habe nun eigentlich mehr Fragen als vorher. Wichtig sei doch, dass die Schweiz nicht noch mehr wachse. «10 oder 15 Millionen Menschen ertragen wir nicht.»

Der Klimawandel, der zuoberst auf dem Flyer gestanden hatte und aktuell durch Schülerstreiks präsent ist, war in der gesamten Diskussion kein Thema.

Eine weitere Person ergänzte: «Mein Eindruck ist: Weiter wie bisher. Wir sind nicht bereit, uns zu ändern.»

Der Klimawandel, der zuoberst auf dem Flyer gestanden hatte und aktuell durch Schülerstreiks präsent ist, war in der gesamten Diskussion kein Thema.

Eine linke Stimme fehlte

Zuvor hatten vier Kantonsratskandidaten aus der Region über Boden-, Siedlungs-, Verkehrs- und Wirtschaftspolitik gesprochen: Darunter die Hettlinger FDP-Kantonsrätin Prisca Koller, der Neftenbacher FDP-Gemeindepräsident Martin Huber, der SVP-Kantonsrat und Fraktions-präsident aus Wiesendangen, Martin Hübscher, und Max Rütimann, SVP-Gemeindepräsident von Pfungen.

Nur selten wurde dabei wirklich kontrovers diskutiert, eine linke oder grüne Stimme hätte der Diskussion wohl deutlich mehr Reibung verschafft.

Die örtliche FDP und SVP hatte das Podium organisiert. Pascale Fehr, Präsidentin der FDP, sagte nach dem Anlass, man habe zu spät daran gedacht, eine linke Stimme aufzutreiben. Laut Stefan Bachmann, der die SVP Dinhard präsidiert, habe man vor allem den Kandidaten der eigenen Parteien eine Plattform bieten wollen.

Das Ganze wirkte ein wenig wie ein Warmlaufen für grössere Podiumsaufgaben. 

Einig war sich das Podium unter der Leitung von Tele-Top-Moderator Stefan Nägeli bei der Ablehnung der Zersiedelungsinitiative: Ein legitimes Anliegen, aber das falsche Mittel, so der Konsens. Fliessend dann der Übergang in die Siedlungspolitik, das Gewerbe (Huber: «Es braucht vor allem gute Rahmenbedinungen.») und die Verkehrspolitik.

Da, nach rund 40 Minuten, waren die ersten Unstimmigkeiten auszumachen. Koller warb für ein «Mobility Pricing». Dieses sähe vor, dass die Benützung von Strassen oder öffentlichem Verkehr zu Stosszeiten teurer ist als in Randzeiten. Die Idee dahinter: Die bestehende Infrastruktur besser zu nutzen.

Kein Freund dieser Idee war Hübscher. Gewisse Berufsgruppen könnten nicht auswählen, wann sie zur Arbeit pendeln. Er forderte, dass man das Bevölkerungswachstum dem Ausbau der Infrastruktur anpasse. Bei der Zuwanderung war der erste grosse Spalt zwischen den Kandidaten sichtbar.

Deutlich skeptischer sah Hübscher auch den beantragten 217-Millionen-Franken-Kredit für den Innovationspark in Dübendorf. «Wir dürfen nicht den Wettbewerb verzerren, das ist völlig daneben.» Huber von der FDP sah das anders: «Es ist ein Weg, der Innovation den roten Teppich auszulegen.» Ob sie dann aber auch passiere, das könne der Staat nicht vorschreiben.

Aber das war es dann auch schon wieder mit der Diskussion. Das Ganze wirkte ein wenig wie ein Warmlaufen für grössere Podiumsaufgaben.

«Wo ist der Auslöser?»

Bis das Publikum während der Fragerunde umso vehementer nach konkreten Massnahmen gegen den Klimawandel nachhakte. Für Hübscher, der Schülerstreiks während der Schulzeit «völlig daneben» findet, liegt das Hauptproblem beim Bevölkerungswachstum: «Der Co2-Ausstoss pro Kopf ist im Kanton Zürich nicht gestiegen, sondern gleich geblieben.»

Huber argumentierte, dass es komplex sei und nicht «den einen Hebel» gebe. So gebe es auch eine Migration innerhalb des Landes.

Rütimann bezeichnete die vorhin angesprochenen Massnahmen als Symptombekämpfung: «Die Frage ist doch: Wo ist der Auslöser für das Wachstum? Ich glaube, er beginnt bei der Wirtschaft, die ihr Volumen ständig steigern will.» Er plädierte für ein Qualitäts-, nicht ein Volumenwachstum. «Das hat auch kein Personenwachstum zur Folge.»

Gegen Ende fragte eine Zuhörerin, was sie denn vorschlagen würden, um den ökologischen Fussabdruck zu senken. Es fielen viele Vorschläge: Weniger fliegen, regional und saisonal einkaufen, lokales Gewerbe berücksichtigen, mehr Velo und weniger Auto fahren.

Nur etwas fehlte bei diesen Aufzählungen der Politiker: konkrete politische Vorschläge.

(Der Landbote)

Erstellt: 23.01.2019, 17:25 Uhr

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