Turbenthal

Der letzte Tösstaler Sportladen schliesst

Seit 41 Jahren betreiben Herbert und Karin Appert einen Sportladen mitten in Turbenthal. Nun schliessen sie ihn voraussichtlich im Sommer, die Suche nach einem Nachfolger verlief erfolglos.

Karin und Herbert Appert im «Turbi-Sport». Voraussichtlich im Sommer soll der Laden nach 41 Jahren schliessen.

Karin und Herbert Appert im «Turbi-Sport». Voraussichtlich im Sommer soll der Laden nach 41 Jahren schliessen.

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Rote Balken kleben seit anfangs Jahr auf dem Schaufenster des Turbi-Sports: «Räumungsverkauf», steht in weisser Schrift darauf. «Wir schätzen, dass der Laden wohl Mitte Jahr schliesst», sagt Herbert Appert, der den Sportladen vor 41 Jahren mit seiner Frau Karin Appert-Simon «von null aufgebaut» hat. Sieben Lehrlinge haben sie hier erfolgreich ausgebildet. Der Laden ist ihr Lebenswerk.

Appert ist mittlerweile 65-jährig, die Aufgabe des Geschäfts erfolgt altersbedingt, auch wenn der Pensionär mit seiner schlanken Statur um einige Jahre jünger wirkt. Gerne hätte er den Laden einem Nachfolger übergeben: «Wir haben während zwei Jahren gesucht und etwa in Fachzeitschriften inseriert.» Zwar hätten sich einige Leute gemeldet. «Doch zu ernsthaften Verhandlungen ist es nie gekommen», sagt Appert. Er findet es schade, dass niemand den Mut dazu hatte. «Für so eine Chance hätte ich mir als Junger die Finger abgeleckt.»

Vorwurf an die Politik

Dabei weiss er genau, wie hoch der Preis für einen eigenen Laden ist: «Wir haben immer auf viel verzichtet. Es funktioniert nur, wenn man viele Stunden und als Familienbetrieb arbeitet.» In anderen, weniger anstrengenden Berufen verdiene man heute mehr. Wirkliche Skiferien haben Apperts in den letzten 40 Jahren nicht erlebt. «Höchstens mal eine Brücke über Ostern oder einmal einen Sonntagsausflug.»

An der Geschichte des Turbi-Sports lässt sich auch die Entwicklung des kommunalen Detailhandels ablesen. Appert spricht von einem «extremen Druck», der in den letzten 20 Jahren durch Digitalisierung, Grossverteiler und Discounter ausgelöst wurde. «Ich mache da der Politik einen grossen Vorwurf.»

«Unsere Spiesse sind nicht gleich lang.»

So müsse er für seine importierten Waren einen Aufschlag zahlen, während jene Leute, die in Konstanz einkaufen ihre bezahlte Mehrwertsteuer an der Grenze wieder zurückerhalten würden. Auch die Expansion von globalen Online-Händlern wie dem amerikanischen Amazon oder dem chinesischen Alibaba, die hier keine Steuern zahlen, kritisiert er. «Unsere Spiesse sind nicht gleich lang.» Sprich: Deren Produkte sind günstiger. Die Beratung holte sich so mancher dann aber doch bei Appert.

Dem zu begegnen sei schwierig. Irgendwann habe er aber angefangen, Produkte von Internethändlern nicht mehr zu reparieren. «Da musste ich hart sein.» Eines seiner Alleinstellungsmerkmale im Tösstal ist der Reparaturservice. Im Untergeschoss des Ladens befinden sich eine moderne Werkstatt und eine Mietstation, die von einem Mitarbeiter geführt werden. «Die Grossisten können das nicht so schnell und persönlich abhandeln wie wir.»

Zukunft des Ladens unklar

Seine Kunden waren angesichts der baldigen Schliessung erschrocken, wie Appert sagt. «Einige waren sogar schon fast entsetzt.» Während des Gesprächs ertönt die Klingel beim Eingang einige Male. Kunden laufen ein und aus. «Momentan läuft der gesamte Winterservice noch wie immer.»

Der letzte Monat sei durch den Ausverkauf und den Schneefall wahnsinnig gut gelaufen. «Wir hatten ein perfektes Timing.» Kommt dazu, dass sich der Laden in einem optimalen Sportferien-Dreieck befindet: «Im Thurgau hatten sie bereits Schulferien, im unteren Tösstal haben sie nun begonnen, in Turbenthal beginnen sie erst Ende Februar.»

Interessant wird sein, was mit dem Laden geschieht, der den Apperts gehört. Er liegt zentral, wenige Meter von der Gemeindeverwaltung, der Post, der Bank und dem Bahnhof entfernt. Vor dem Eingang liegt ein kleiner Platz. «Wir haben schon einige Anfragen erhalten, entschieden ist aber noch gar nichts», sagt Appert. Unklar ist auch, was mit den Schneeschuhtouren im Gyrenbad geschehen wird. Zusammen mit dem Restaurant hatte der Sportladen dort jeweils ein Ausflugspaket angeboten.

Das Ehepaar Appert freut sich auf den neuen Abschnitt ab Sommer. «Dann haben wir mehr Zeit für uns und unsere Enkel», sagt Herbert Appert.

Erstellt: 06.02.2019, 18:52 Uhr

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