Elgg

Der Mann für die gute Verbindung

Oftmals wird das 21. Jahrhundert als Informations- und Kommunikationszeitalter betitelt. Der Elgger Rolf Dubler, der von 1975 bis 2015 bei der Swisscom arbeitete, war in den wohl prägendsten Jahrzehnten im Epizentrum der Kommunikation zu Hause.

Der 61-jährige Rolf Dubler aus Elgg ist von Technik und Systemen fasziniert. Dieses antike Telefon stammt etwa aus den Jahren um 1900.

Der 61-jährige Rolf Dubler aus Elgg ist von Technik und Systemen fasziniert. Dieses antike Telefon stammt etwa aus den Jahren um 1900. Bild: Madeleine Schoder

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Rolf Dubler hat sich vor­bereitet. Bevor die ersten Fragen des Interviews überhaupt gestellt werden können, überreicht der 61-jährige Frührentner aus Elgg bereits seinen Lebenslauf. Sauber aufgelistet stehen darin seine verschie­denen Berufsbezeichnungen, aussergewöhnliche Erlebnisse und die wichtigsten technischen Entwicklungen der Kommunikationsbranche in den letzten 40 Jahren. Es ist eine Geste, die sehr zu Dubler passt, ja geradezu typisch ist für ihn, den strukturierten Netzwerkspezialisten, der während 40 Jahren für die Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT) beziehungsweise später die Swisscom gearbeitet hat.

Komplexe Systeme und deren Analyse haben den aufgeweckten Brillenträger ein Berufsleben lang begleitet. Dubler ist fasziniert von der Technologie. Als er in den Achtzigern als Fernmeldespezialist Störungen in den Stromkreisen der PTT-Zentrale suchen musste, fühlte er sich immer ein wenig wie ein Schatzsucher. «Meistens war ein Kontakt verdreckt, verklebt oder ausgebrannt.» Die Suche konnte schnell einmal zwei bis drei Stunden dauern. Er wirkt ein wenig ernüchtert, als er von der digitalen Veränderung spricht: «Detailkenntnisse von jeder einzelnen Verbindung waren nicht mehr so gefragt. Das war dann natürlich nicht mehr so spannend.» Er hingegen wollte immer ganz genau wissen, wo sich ein Problem verbirgt, eine Maschine in ihrer Gesamtheit verstehen.

Erzählt der gelernte Verkäufer von seinen Anfängen bei der PTT im Jahr 1975, wird einem klar, wie viel sich in den letzten 42 Jahren verändert hat. «Ich war regelrecht erschlagen, als ich damals zum ersten Mal die Zentrale in Dübendorf besuchte, überall Kabel und Drähte.» Gleichzeitig wurde ihm damals bewusst: Es muss ein System dahinter geben. «Dass in diesem scheinbaren Chaos eine Ordnung vorhanden sein muss, hat mich beeindruckt.» Während acht Jahren arbeitete er am vier Meter hohen und 30 Meter langen Hauptverteiler in der Zentrale und lötete Kupferkabel für Neukunden an. Wenn das Kabel zwischen Verteiler und Stromkreis angelötet war, ertönte beim Kunden zu Hause erstmals ein Zeichen, das eine Verbindung in die weite Welt bedeutete: der Summton.

Die Anlage in der Zentrale war vollmechanisch, die vielen Zahnräder mussten täglich geschmiert und neu justiert werden. «So etwas sieht man heute nur noch im Museum.» Dubler war damals von Systemen fasziniert und ist es bis heute. «Wenn ich etwas sehe, das ich nicht kenne, will ich rausfinden, wie es funktioniert, dabei werde ich richtig gierig.»

An zu wenigen Objekten hat es ihm nicht gemangelt. Die Technik entwickelte sich immer weiter, Dubler stieg zum Fernmelde-, dann zum Netzwerkspezialisten auf. Aus seiner Sicht unterscheidet sich die Swisscom nicht stark von der Post oder den SBB. Wenn er von Daten spricht, die durch die Glasfaser- und Kupferkabel fliessen, nennt er sie «Päck­li», die via Schnellzüge durch die Schweiz reisen. «Ein Router verpackt etwa ein Bild in einzelne Pakete, verschickt dieses und setzt es dann im Fernseher wieder zusammen.» Wenn Dubler davon spricht, spüren auch Techniklaien die Faszination: «All das passiert hunderttausendmal in einer Sekunde. Viel, viel schneller, als wir Menschen denken können.»

Die Fussball-Europameisterschaft 2008 ist Dubler besonders in Erinnerung geblieben. Rund um den St.-Jakob-Park in Basel baute die Swisscom die gesamte Infrastruktur für die Journalisten auf. Via Glasfaser und Satelliten konnten Hunderte von Fernsehstationen ihre Bilder in die Welt übertragen. Zusätzlich baute Dubler ein Pressezentrum für 250 Journalisten mit auf. Während der Spiele half er den Medienschaffenden bei Problemen. Schwierig wurde es, wenn die Software auf Spanisch eingestellt war. Dubler: «Ich hatte keine Ahnung, wo ich die Einstellungen finde», sagt er und schmunzelt.

Wirklich loslassen kann der zweifache Familienvater, der seit 25 Jahren in Elgg lebt, aber trotz Frühpensionierung nicht. Selbst in den Ferien kann er das Planen nicht lassen, zum Leidwesen seiner Frau, wie er selber sagt. Als sie vor einigen Wochen zusammen nach Lissabon reisten und er sich fest vornahm, für einmal nichts zu planen, klappte es immerhin fast: «Zumindest die Verbindung vom Flughafen in die Stadt musste ich dann aber doch raussuchen», sagt Dubler.

Nach wie vor steht der Draht zu seinen ehemaligen Swisscom-Kollegen. Sein kleines Geschäft, ein PC- und Multimedia-Support, das er nach seiner Pensionierung aufgebaut hat, profitiert davon. Da die Swisscom auf Ende Jahr etwa die analoge Telefonie einstellen will, hilft er älteren Menschen, die deshalb einen Router zugesandt bekommen haben und mit der Installation überfordert sind. Auch bei Problemen mit dem PC oder dem Fernseher unterstützt er seine Kunden und kann so seine jahrzehntelange Erfahrung immer noch anwenden.

Erstellt: 18.06.2017, 18:40 Uhr

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