Elgg

Der perfekte Schnitt für ein langes Leben

Wann muss man einen Baum fällen? Wie erzieht man Jungbäume? Christian Schaerer aus Elgg und andere Förster haben im Baumseminar von Daniel Marti viele Tipps erhalten.

Eine gute Erziehung lohnt sich: Förster lernen in Auslikon, wie man Jungbäume richtig pflegt.

Eine gute Erziehung lohnt sich: Förster lernen in Auslikon, wie man Jungbäume richtig pflegt. Bild: Madeleine Schoder

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Das Salz, die Sommerhitze, die Luftverschmutzung: dies alles setzt Bäumen zu und macht sie anfällig für Krankheiten und Pilzbefall. «Die Stadt ist für einen Baum ein Extremstandort», sagt Daniel Marti gleich zu Beginn des Seminarnachmittags am Freitag im Strandbad Auslikon. Wie man Bäume im Siedlungsgebiet trotzdem ein langes Leben bescheren kann, war Thema eines halbtägigen Kurses, den Marti und Marc Walter von der Firma Baumläufer organisierten.Der Anlass stiess auf grosses Interesse, er war mit 25 Teilnehmern pro Kurshalbtag ausgebucht. Förster beispielsweise aus Elgg, Kyburg, Turbenthal und Zell nahmen an dem Anlass teil, Gärtner, Behördenmitglieder aus Bau- und Naturkommissionen und Privatpersonen, die selber Bäume im Garten haben.

«Wenn jemand an einem Baum hängt, ist es schwierig, ihn zu überzeugen, dass dieser gefällt werden muss.» Christian Schaerer,
Förster in Elgg

Forstwarte übernehmen immer häufiger auch Baumpflegeaufgaben im Siedlungsraum, begründet Christian Schaerer, Förster in Elgg, seine Teilnahme am Seminar. «Da stellen sich ganz andere Herausforderungen als im Wald.» Heruntergefallene Äste, Laub oder Blütenstaub werde schnell als störend empfunden. «Die Menschen sind sensibler als früher geworden.» Ein anderes wichtiges Thema sei die Baumsicherheit. Die Förster müssen sicher sagen können, dass ein Baum auch bei einem grösseren Sturm nicht kippt und keine grossen Äste abbrechen, gerade wenn sie in der Nähe von Strassen und Gebäuden stehen.

Jungbäume richtig erziehen

Dazu kommt, dass Menschen Bäumen durchaus emotional gegenüberstehen. «Einige Menschen haben einfach grosse Angst vor den Bäumen», weiss Schaerer. Auch wenn man ihnen sachlich erkläre, dass ein Baum sicher sei, könne es sein, dass sie sich in ihrem Haus neben diesem Baum nicht mehr wohl fühlten.

Und es gebe auch den umgekehrten Fall. «Wenn jemand an einem Baum hängt, zum Beispiel weil seine Grosseltern diesen gepflanzt hatten, dann ist es schwierig, diese Person zu überzeugen, dass der Baum ein Sicherheitsrisiko darstellt.» Wichtig ist Schaerer deshalb, dass sein Team zum einen die Bäume gut zu pflegen weiss und zum anderen, dass es fundiert entscheiden kann, wann ein Baum gefällt werden muss.

Beides wurde im Seminar ausführlich thematisiert. Bäume hätten viele Vorzüge: Sie können beispielsweise die Lufttemperatur senken und die Luftverschmutzung vermindern. Sie können Lärm dämmen und Regenwasser zurückhalten. Bäume können aber auch ein Sicherheitsrisiko sein und müssen entsprechend gepflegt und beobachtet werden.

«Die Stadt ist für einen Baum ein  Extremstandort.»Daniel Marti, 
Baumpflegespezialist

Das A und O der Baumpflege sei der Erziehungsschnitt eines Jungbaums, betonte Marti. So könne mit wenig Aufwand spätere problematische Vergabelungen vermieden werden, und, indem man die Schnittflächen immer kleiner als fünf bis acht Zentimeter hält, Pilzerkrankungen minimiert werden. «Das lohnt sich auch finanziell: In einen jungen Baum investieren sie schnell 10 000 Franken — den möchten Sie nicht schon nach 20 Jahren wieder fällen müssen.»

120 Jahre alte Bäume

Er hielt für die Baumpfleger viele praktische Tipps bereit: Den Jungbaum grosszügig giessen, sollen sie, und zwar im sogenantnen Bewässerungsring, also dort, wo die Wurzeln angeschnitten wurden. Die Leiter zu polstern und nicht mit den schwersten Schuhen auf Jungbäumen herumzuklettern, war ein weiterer Tipp. Die Rinde eines Jungbaums sei nämlich überraschend verletzlich. Genau solche Tipps schätzen Schaerer und Schwager. «Gerade solche kleinen Details vergisst man gerne.»

Marti selber freut sich, dass das Seminar so gut besucht worden ist. Es bestätigt seine Motivation: «Auch in Dörfern und Städten sollen Bäume 120 Jahre alt werden können.» (Landbote)

Erstellt: 26.03.2018, 17:44 Uhr

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