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Der Verkauf ist zum Greifen nahe

Gelingt es am Dienstagabend, die Liegenschaft Stube zu verkaufen? Wenn ja, wäre dies der Abschluss eines Marthaler Tauziehens, das schon seit vielen Jahren andauert.

Bereits bis 2002 war in der Stube ein Restaurant – nun soll es dort erneut eine Dorfbeiz geben.
Bereits bis 2002 war in der Stube ein Restaurant – nun soll es dort erneut eine Dorfbeiz geben.
Heinz Diener

Um die Bedeutung des heutigen Entscheids nachvollziehen zu können, muss man ein paar Jahre zurückblicken. Doch zuerst der Blick auf heute Abend: An einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung entscheiden die Marthaler, ob die Liegenschaft Stube für 580 000 Franken verkauft werden soll.Das ehemalige Wirtshaus zur Stube gehört der Gemeinde und steht seit Ende 2012 leer. Der Restaurantbetrieb wurde bereits 2002 eingestellt. Einzig die Gemeindeversammlungen und vereinzelte Veranstaltungen finden seither noch im Stubesaal statt. Die Geschichte der letzten Jahre ist geprägt von Kehrtwenden und Verzögerungen. So wollte der Gemeinderat die Liegenschaft ursprünglich für 2,55 Millionen Franken sanieren, erweitern und Wohnungen einbauen. Dies, weil die Gemeindeversammlung einst beschlossen hatte, die Stube nicht zu verkaufen. Mit den Mieteinnahmen sollte das Bauprojekt finanziert werden. Doch die Rechnungsprüfungskommission empfahl das Vorhaben des Gemeinderats zur Ablehnung. Und Anfang März 2015 lehnte die Bevölkerung das Umbauprojekt mit 66 Prozent Nein-Stimmen tatsächlich ab.

In den Ausstand getreten

Nach dieser Abstimmungsniederlage sagte Gemeindepräsidentin Barbara Nägeli gegenüber dem «Landboten», dass der Verkauf «in der heutigen Zeit» keine Option sei. Doch noch im selben Monat vollzog der Marthaler Gemeinderat eine Kehrtwende und kündigte an, die Stube nun doch verkaufen zu wollen. Dagegen mobilisierten dann aber der Gemeinde- sowie der Natur- und Heimatschutzverein. Diese Gegner wollten das Haus vor allem deshalb nicht verkaufen, um den Stubesaal weiterhin für Veranstaltungen zu erhalten. Und die Mobilisierung fruchtete: An der Gemeindeversammlung Anfang Dezember 2015 erschienen 206 Stimmberechtigte – sonst sind es jeweils nur um die 50 Personen. Von diesen stimmte allerdings genau die Hälfte, also 103 Personen, für den Verkauf. 90 Marthaler waren dagegen, der Rest enthielt sich der Stimme. Eigentlich hätte die Abstimmung über den Verkaufsvertrag bis Ende 2016 erfolgen sollen. Im August 2016 traten vier Gemeinderatsmitglieder beim Stube-Geschäft in den Ausstand. Dies, weil eine interessierte Käufergruppe mit gleich vier Gemeinderäten familiär verbunden war. Und etwa einen Monat später kam es zu einer erneuten Verzögerung. Wegen zusätzlicher Abklärungen wurde die Gemeindeversammlung über den Stube-Verkauf verschoben – es ist die Abstimmung, die nun heute Abend stattfindet.

Käufergruppe aus Gewerblern

Es ist ein Verkauf unter Auflagen, über den heute Abend abgestimmt wird. So wird etwa die teilweise Möglichkeit der öffentlichen Nutzung der Liegenschaft verlangt. Der Kaufvertrag ist mit einer 16-köpfigen Käufergruppe abgeschlossen worden. «Diese weitgehend aus ortsansässigen Personen gebildete Käuferschaft erfüllt nach Ansicht des Gemeinderates die festgelegten Verkaufskriterien», heisst es in der Weisung zur heutigen Gemeindeversammlung. «Vorwiegend Gewerbetreibende» seien in dieser Gruppe. «Die Genossenschafter sind im Dorf verankert. Das Risiko ist auf viele verteilt.»

Geplant ist in der Stube wie einst ein Restaurant, aber: «Die weitere Benützung des Stubesaals durch die Öffentlichkeit ist gewährleistet.» Übrigens: Direkt neben der Stube liegt das Gasthaus zum Ochsen, und der Gasthof Rössli ist nur rund 250 Meter davon entfernt.

Zum Vorzugspreis erwerben

Nebst dem Kaufpreis von fast 600 000 Franken will die Käufergruppe nochmals rund 600 000 Franken ins Gebäude investieren. Das Haus ist stark sanierungsbedürftig. Der Pachtzins für die geplante Dorfbeiz soll relativ günstig sein, «damit ein Gastrobetrieb langfristig wirtschaftlich und erfolgreich geführt werden kann», wie es in der Weisung weiter heisst. Um dies erreichen zu können, zahlt die ortsansässige Käufergruppe 125 000 Franken weniger als im höchsten der acht eingereichten Kaufangebote. «Der Gemeinderat erachtet diese Kaufpreisdifferenz als vertretbar.» Denn das Konzept der Trägerschaft überzeuge «mit vielen Vorteilen für die Gemeinde Marthalen» – so etwa die öffentliche Nutzung des Stubesaals. Auch die Rechnungsprüfungskommission empfiehlt den Verkaufsvertrag zur Annahme.

Gemeindeversammlung: Die ausserordentliche Gemeindeversammlung zum Verkauf der Liegenschaft Stube zum Preis von 580 000 Franken findet am Dienstagabend statt. Ab 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle.

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