Zell

Der vierte Tösstal-Krimi beginnt im Schnee

Roswitha Kuhn hat den vierten Tösstal-Krimi «Mondnackt» zu Ende geschrieben. Sie erfüllt damit einen der letzten Wünsche ihres Mannes Jacques Kuhn, mit dem sie noch die ersten 100 Seiten gemeinsam verfasst hat.

Buchautorin Roswitha Kuhn in ihrem Haus in Rikon. Sie hat bereits eine Idee für einen fünften Tösstal-Krimi. Foto: Madeleine Schoder

Buchautorin Roswitha Kuhn in ihrem Haus in Rikon. Sie hat bereits eine Idee für einen fünften Tösstal-Krimi. Foto: Madeleine Schoder

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Die Anfangsszenen im neuen Tösstal-Krimi wirken vertraut: Ein Auto bleibt im tiefsten Winter auf der steilen Strasse zur Alp Schnurrberg stecken und auch die Wildbergstrasse ist nachts so eisig glatt, dass man kaum noch hinaufkommt. Es sind alltägliche Probleme im winterlichen Tösstal, läge da bei Wildberg nicht plötzlich auch noch ein nackter Mann im Schnee.

Polizist Noldi Oberholzer wird hinzugerufen, um sich das Ganze anzuschauen. Und schon entwickelt sich ein weiterer, verwirrender Mordfall, der den Polizisten auch in den nahe gelegenen Campingplatz Wildberg führt.

Trostlose Recherchen

Nach «Nachsuche», «Hasensterben» und «Fusslos» erscheint mit «Mondnackt» am 14. August der vierte Tösstal-Krimi. Die Entstehungsgeschichte des Buchs ist diesmal jedoch speziell.

Denn Co-Autor Jacques Kuhn ist im Dezember2016 im Alter von 97 Jahren gestorben, noch bevor das Buch fertig war. Der ehemalige Patron der Pfannenfabrik in Rikon hatte sich von seiner Frau aber gewünscht, dass sie den Krimi auch ohne ihn beendet.

Eine schwierige Aufgabe für Roswitha Kuhn. «Ich hatte niemanden mehr, der ständig alles hinterfragt und bei allzu verrückten Ideen auch mal sagte: ‹Jetzt spinnst du!›» Vor allem aber sei das Schreiben weniger lustig gewesen und die Recherche vor Ort trostlos.

Jacques fehlt ihr

Roswitha Kuhn hat es zudem vermisst, mit Jacques auf langen Spaziergängen über mögliche Wendungen zu diskutieren und darüber zu streiten, wer der Täter ist. Bis fast zuletzt hatten sie das jeweils offengelassen, um nicht versehentlich Hinweise in die Geschichte einzustreuen.

«Ich hatte niemanden mehr, der ständig alles hinterfragt und bei allzu verrückten Ideen auch mal sagte: ‹Jetzt spinnst du!›

«Je länger Jacques weg ist, desto mehr fehlt er mir», sagt die 75-Jährige. Kennen gelernt hatten sich die beiden im Tibet-Institut in Rikon, das Jacques Kuhn mit seinem Bruder Henri auf Wunsch des Dalai Lama Ende der 60er-Jahre gründete. Die Germanistin Roswitha Kuhn bewarb sich 1992 als Bibliothekarin und wurde eingestellt.

Bald zog sie mit Jacques zusammen, und die beiden heirateten im Jahr 2007, als Jacques 88 Jahre alt war. 2013 veröffentlichten sie im Gmeiner-Verlag den ersten gemeinsamen Tösstal-Krimi. Fünf wollten sie zusammen schreiben, vier sind es geworden.

Wer ist diesmal der Täter?

Besonders wichtig sei ihnen beim Schreiben jeweils der Sprachrhythmus und ein sauberer Stil gewesen, sagt Roswitha Kuhn weiter. Sie hätten sich die Texte deshalb gegenseitig laut vorgelesen und ständig korrigierend eingegriffen. Rund 100 Seiten haben sie für «Mondnackt» noch gemeinsam geschrieben, die restlichen 330 brachte Roswitha ohne ihren Mann zu Papier.

«Die Handlung hatten wir zwar besprochen, sie aber wie bei den anderen Büchern beim Schreiben ständig verändert.» Besonders schwierig sei es gewesen, den Täter oder die Täterin ohne Jacques zu finden.

Dieses Jahr wäre ihr Mann 100 Jahre alt geworden. Das soll am 9. September in Zürich im Theater Stokgefeiert werden. Der pensionierte SRF-Sprecher Egon Fässler ist etwa eingeladen, um aus «Mondnackt» vorzulesen.

Zudem soll jemand vom Winterthurer Musikkollegium auf Jacques’ Kuhns alter Geige spielen. Doch gehen mit der Lesung und dem neusten Buch nun auch die Geschichten von Noldi Oberholzer, dem Kantonspolizisten aus dem Tösstal, zu Ende?

Vielleicht nicht: Roswitha Kuhn hat bereits eine Idee für einen fünften und letzten Tösstal-Krimi. Der Aussichtspunkt Wissen in Zell hat es ihr angetan: «Ein Krimi, der dort beginnt, das hätte Jacques gefallen!»

Erstellt: 08.08.2019, 17:43 Uhr

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