Wiesendangen

Die Geschäftsfrau mit den Znünitäschli

Caterina Weber nähte vor 14 Jahren eine Kindergartentasche für ihren Sohn. Heute kann sie von ihrer Firma Cwirbelwind leben und beschäftigt sechs Angestellte.

Caterina Weber umringt von Znünitäschli in ihrem Laden Cwirbelwind.

Caterina Weber umringt von Znünitäschli in ihrem Laden Cwirbelwind. Bild: Johanna Bossart

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«Die Farbkombinationen mache ich lieber selbst», sagt Caterina Weber und lacht. Für 20 Franken Aufpreis tauschen Weber und ihre sechs Mitarbeiterinnen die Farben der Motive ihrer Kindergartentaschen zwar aus, aber: Weber hat klare Vorstellungen von ihrem Geschäft und ihrem Produkt. Deshalb werden bei Cwirbelwind ausschliesslich Znünitäschli für Kinder hergestellt – auch wenn manch Erwachsener auch gerne eine hätte.Angefangen hat es wie so oft beim eigenen Kind. Weber, urspünglich Handarbeitslehrerin, gab vor vierzehn Jahren Kurse für Taschen aus Blachen – nach dem bekannten Vorbild der Freitagtaschen. Sie nähte eine kleine Version mit einem Dinosaurier für ihren Sohn Jonas, der damals gerade den Kindergarten besuchte. Einige Taschen verschenkte sie an seine Gspändli und dann kam eins zum anderen. Vor neun Jahren gründete sie schliesslich die Firma Cwirbelwind.

Bis zu 20 Taschen pro Tag

«Die ersten 5000 Taschen habe ich selbst genäht», sagt die 49-Jährige, die in Winterthur und Seuzach aufgewachsen ist. Heute ist Sohn Jonas erwachsen und Weber hat sechs Mitarbeiterinnen festangestellt. Alle haben selbst Familie und arbeiten zwischen 20 und 60 Prozent. In der Werkstatt samt Laden mitten in Wiesendangen stellen sie in der Hochsaison bis zu 20 Taschen pro Tag her und versenden sie anschliessend in die ganze Schweiz. Das Schnittmuster bleibt immer dasselbe, aber die Kinder können aus rund 300 Motiven auswählen: vom Feuerwehrauto über die Eule Matilda bis hin zum Einhorn. «In meinem Kopf schweben noch hunderte weitere Ideen herum», sagt Weber. Eine Tasche kostet zwischen 120 und 200 Franken, die Materialien werden alle in der Schweiz eingekauft.

Bild: Johanna Bossart

Kreativität und Leidenschaft seien ihr wichtig, als Künstlerin sehe sie sich aber explizit nicht, sagt Weber: «Ich denke schon auch immer an den Vertrieb.» Seit sie Angestellte habe, spüre sie die Verantwortung. Gelernt habe sie die Betriebswirtschaft nicht: «Von einem halbtägigen Internetkurs zu Marketing einmal abgesehen, und der war schlecht», sagt sie und lacht wieder. Aber sie habe kein schlechtes Gespür für das, was gefragt sei. In der Personalführung profitiere sie von ihrer Erfahrung als ehemalige Lehrerin: «Ob Kinder oder Erwachsene macht auch nicht so einen Unterschied.» Die Hierarchie sei überdies sehr flach in ihrem Geschäft.

Theks sind eine Wissenschaft

Bis vor drei Jahren sei Cwirbelwind stetig gewachsen, nun halte sich das Niveau. «Natürlich hätte ich gerne noch ein, zwei Prozent Wachstum mehr im Jahr, aber ich bin zufrieden», sagt Weber. Sie hat bereits weitere Ideen: So könnte sie sich vorstellen, ihre Taschen auch ins Ausland zu verkaufen. Nach Deutschland, Norwegen oder Japan: «Dort herrscht eine ähnliche Mentalität wie hier.» Denn nicht jedes Land kennt das Konzept der Znünitäschli. Bis jetzt schien der Aufwand für eine solche Expansion aber zu gross, auch in Bezug auf Marketing und Zollabwicklung.

«In meinem Kopf schweben noch hunderte weitere Ideen herum.»Caterina Weber, Unternehmerin

Eine weitere Option sieht Weber in der Erweiterung ihrer Produkte. Nebst Znünitäschli hat Cwirbelwind auch schon Theks hergestellt. Doch der Markt sei schwierig: «Das ist eine riesige Wissenschaft.» Um Kinder davon zu überzeugen, dass ein Thek auch wie eine modischere Freitagtasche aussehen kann, müsste sie wohl einiges ins Marketing investieren, sagt Weber.

Bis jetzt sei ihre Firma sehr langsam und organisch gewachsen, das wolle sie so beibehalten. «Ich erhalte immer wieder Angebote, meine Produktion ins Ausland auszulagern. Aber das will ich nicht. Cwirbelwind muss meins bleiben», sagt Weber. Sie mache lieber kleine Schritte und könne dafür voll und ganz hinter den Entscheiden stehen.

Ein Geschäft, kein Hobby

«Ich hatte viel Glück und ich halte das überhaupt nicht für selbstverständlich», sagt Weber. Schwierig finde sie es nur, wenn ihr von Leuten unterstellt werde, es handle sich bei den Taschen um ein nettes Hobby: «Da reagiere ich allergisch und sage, dass ich sehr wohl von meinem Geschäft leben kann.» (Landbote)

Erstellt: 28.03.2018, 15:20 Uhr

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