Hettlingen

Die Klimademo zieht aufs Land

Schweizweit wird diesen Samstag fürs Klima demonstriert. Allerdings nicht wie sonst in den grossen Schweizer Städten, sondern in kleineren Orten auf dem Land – so auch in Hettlingen.

Michèle von Allmen organisiert die Klimademo in Hettlingen mit. Foto: PD

Michèle von Allmen organisiert die Klimademo in Hettlingen mit. Foto: PD

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Hühner, Katzen, Kühe und ein Pferd sind auf dem Plakat zur Klimademo am 31. August zu sehen. «Schweizer Bäuerinnen und Bauern für eine heile Natur» steht da. Zum ersten Mal zieht die Klimademo von der Stadt aufs Land. An 30 Orten in der ganzen Schweiz wird demonstriert. Auch in Hettlingen hat eine Gruppe Jugendlicher die Organisation in die Hand genommen.

Michèle von Allmen ist eine von ihnen: «Die Planung war relativ kurzfristig, aber jetzt sind wir bereit», sagt die 23-jährige Studentin. Vor knapp drei Wochen sei die Idee eines Klimaspaziergangs in Hettlingen entstanden. «Bis wir die Bewilligung hatten, dauerte es einen Moment.»

«Wir kennen unser Dorf am besten und wissen, wie wir die Leute hier abholen müssen.» 

Am kommenden Samstag, um 10 Uhr startet der Umzug beim Feuerwehrlokal in Hettlingen. Während des Rundgangs halten die Organisatoren einige Reden. «Die Demo wird etwas anders, als man es aus der Stadt kennt», sagt die Organisatorin. Auf dem etwa einstündigen Spaziergang durchs Dorf sind ausserdem Rollenspiele zum Thema Klimaschutz geplant. «Auf diese Weise wollen wir den Anlass familienfreundlich gestalten», sagt von Allmen, die solche kurzen Inputs als Cevileiterin kennt.

«Ein bisschen wollen wir uns schon von den Stadt-Demos abheben.» Auch wenn der Klimawandel keine Stadt-Land-Grenze ziehe. «Wir kennen unser Dorf am besten und wissen, wie wir die Leute hier abholen müssen.» Dennoch hofft die Medizinstudentin auf Unterstützung ihrer städtischen Kolleginnen und Kollegen. «Es ist schon lässig, dass es für einmal umgekehrt abläuft.» Sonst sei sie jeweils an den Streiks und Demos in Zürich oder Winterthur dabei gewesen.

Konkrete Forderungen

Die Rückmeldung aus dem Dorf sei durchwegs positiv gewesen: «Das hat mich etwas überrascht», sagt von Allmen. Hilfe haben die sechs Organisatorinnen nicht nur von Gleichaltrigen erhalten, auch Erwachsene lieferten Ideen. «Wir bekamen den Tipp aus der Bevölkerung, konkrete Forderungen an die Gemeinde zu stellen.» Deshalb sei nun geplant, eine Petition für die Bildung einer Umwelt-Kommission in Hettlingen zu lancieren. Diese könne man am Ende der Demo unterschreiben.

Zielort des Klimaspaziergangs ist die Kreuzung der Schul- und Stationsstrasse. Die Organisatorinnen hoffen auf ein Open-End mit Austausch unter den Demonstrierenden: «Es wäre schön, wenn danach ein paar gute Gespräche oder sogar Arbeitsgruppen entstehen.»

Dass sehr viel weniger Leute in Hettlingen durchs Dorf ziehen werden, als in Winterthur oder Zürich, scheint klar. «Wir sind uns bewusst, dass dieser Anlass kleiner ausfallen wird.» Deshalb möchte die Studentin ihre Erwartungen bewusst tief halten: «Wir rechnen mit etwa 30 Teilnehmenden.»

Ohne Plastik

Im Hettlinger Gemeinderat hat man die Demo bereits behandelt. «Ich begrüsse es, dass ein solcher Anlass bei uns statt findet», sagt Gemeindepräsident Bruno Kräuchi (FDP). Ihm liege der Klimaschutz schliesslich auch am Herzen, aber: «Ganz aufs Fleisch verzichten kann ich nicht, dafür esse ich es zu gerne.»

«Am Ende kommen wir gemeinsam am weitesten.» 

Es gebe jedoch noch einige andere Punkte, wo man sich umweltbewusst verhalten könne. «Es beginnt schon zuhause», sagt der dreifache Vater. Deshalb habe er seinen Söhnen Abfalltrennung und Recyclen vorgelebt.

Besonders stören den Hettlinger Gemeindepräsidenten unnötige Plastikverpackungen: «Auf diese verzichte ich strikt.» Und das nicht nur privat, sondern auch im Gemeindealltag. So gab es beim letzten Neuzuzügeranlass in Hettlingen wiederverwendbares Geschirr, statt Einwegbesteck und -teller. «Es gibt sicherlich noch viel Potenzial, das wir ausschöpfen können», sagt Kräuchi.

Davon sind auch die Organisatorinnen der Klimademo in Hettlingen überzeugt. «Es gibt coole Ideen, die in der Stadt bereits umgesetzt sind», sagt Michèle von Allmen. Verpackungsfreie Läden seien beispielsweise eher in urbanen Orten anzutreffen. Es gehe darum, vom gegenseitigen Wissen zu profitieren. «Am Ende kommen wir gemeinsam am weitesten.» 

Klimademo: Am 31. August wird in Hettlingen demonstriert. Treffpunkt ist um 10 Uhr beim Feuerwehrlokal in Hettlingen an der Unterdorfstrasse 17.

Erstellt: 28.08.2019, 13:04 Uhr

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