Seuzach

Die Kunst, im Galopp ins Schwarze zu treffen

Für zwei Tage war Christoph Némethy auf dem Hof von Hanspeter und Katinka Schwarz in Seuzach. Der zweifache Europameister im berittenen Bogenschiessen brachte Interessierten die Kampfkunst alter Reitervölker bei.

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Mit Pfeil und Bogen nehmen die Reiterinnen und Reiter im Sattel Platz. Die Pferde nehmen es gelassen. Sie merken schnell, dass das für sie durchaus Vorteile hat. Sie gewinnen mehr Freiheit. Denn berittene Bogenschützen haben keine Hand für Zügel frei. Sie führen das Pferd allein durch Körperkontakt, lenken es, indem sie ihr Gewicht verlagern.

Genau das habe ihr zu Beginn Sorgen gemacht, gesteht eine Seminarteilnehmerin aus Chur, die regelmässig auf dem Reithof von Katinka und Hanspeter Schwarz in Seuzach reitet. Ob es ihr mit ihrem Pferd gelingen werde, fragte sich die angehende Politikwissenschafterin.

Zuerst am Boden

Doch der Reihe nach: Als Erstes müssen die 30 Angemeldeten, die am Seminar von Christoph Némethy teilnehmen, das Bogenschiessen im Stehen üben. Der zweifache Europameister, der letztes Jahr zu den Weltbesten vorstiess, ist deutsch-ungarischer Herkunft. Er kann sich mit ihnen auf Hochdeutsch unterhalten. Im ungarischen Pomaz führt der 30-Jährige eine eigene Reiterbogenschule, die sogenannte Horseback Archery Academy.

«Normalerweise braucht es Wochen, nicht Stunden, um das berittene Bogenschiessen zu lernen.»Christoph Némethy, zweifacher Europameister im berittenen Bogenschiessen

Füsse schulterbreit und parallel, mit dem linken gestreckten Arm den Bogen halten. Dann die Bogensehne mit der rechten Hand zum Kinn ziehen und los gehts. Némethy leistet Hilfe.

Der nächste Schritt. Mit Pfeil und Bogen im Sattel. Das Pferd steht still. Némethy macht es vor. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eifern nach. Dann das Ganze in Kombination: Im Galopp prescht der Meister an den Heuballen mit der roten Zielscheibe vorbei, gleichzeitig mehrere Pfeile abschiessend, als ob er mit dem Pferd eins wäre.

Aliena probiert es auch. Es klappt. Sie ist begeistert. «Ich hatte Respekt, aber keine Angst», sagt sie. «Wenn man das Pferd kennt, ist das Vertrauen grösser.» Es sei auf jeden Fall ein faszinierendes Erlebnis. Er hätte nie gedacht, dass es so schnell funktionieren würde, sagt Némethy. «Normalerweise braucht es Wochen, nicht Stunden, um das berittene Bogenschiessen zu lernen.» Die Schweizer seien weniger zurückhaltend als vermutet. Der Kampfsportler lobt aber auch das Niveau der Pferde. «Sie sind gut ausgebildet.»

Aus demselben Ort

Dass er nach Seuzach kam, ist Katinka Schwarz zu verdanken, der Frau des Landwirts. Sie und Hanspeter Schwarz haben 2016 geheiratet, nachdem sie sich im Internet kennen gelernt hatten. «Diese Kampfsportart und wie sie sich mit der Psyche des Pferdes verträgt, interessierte mich», erzählt sie. Darum habe sie Christoph Némethy nach Seuzach geholt.

Die Tiere hätten bereits nach der zweiten Runde begriffen, was zu tun sei. «Faszinierend, wie sie das mitgemacht haben», sagt die Reitlehrerin, deren Wurzeln nach Pomaz zurückreichen, in den Ort, in dem Némethy aufwuchs und heute seine Kunstsport-Akademie führt. «Ich bin dort als Kind oft im Stall seiner Eltern geritten», erinnert sie sich. Christoph und sie hätten sich damals aber noch nicht gekannt.

Weitere Seminare geplant

Landwirt Hanspeter Schwarz, dessen Betrieb Ackerbau und Pferdehaltung mit zehn eigenen und 15 Pensionspferden umfasst, hat Feuer gefangen. «Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir hier künftig regelmässig solche Seminare durchführen.» Das Gelände sei eben und deshalb geeignet. «Wir haben einen 150 Meter langen, 90 Zentimeter breiten Streifen, das ist alles, was es braucht.»

Auf ihre Ausschreibung auf Facebook (K & H Stall Schwarz 8472) hätten sich umgehend 30 Personen gemeldet. «Ich bin sicher, dass das berittene Bogenschiessen hier auf Interesse stossen wird.» Zumal es den Pferden guttue, sagt der Landwirt.

Erstellt: 20.06.2019, 10:41 Uhr

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