Fasnacht

Die letzte Elgger Gugge löst sich auf

Für die einzige Gugge aus Elgg war es die letzte Saison. Neumitglieder zu finden, ist aber auch für andere Guggen nicht einfach.

Die Ailaghogas:  Ein Jahr vor dem 40-Jährigen Jubiläum war Schluss für die Truppe aus Elgg.

Die Ailaghogas: Ein Jahr vor dem 40-Jährigen Jubiläum war Schluss für die Truppe aus Elgg. Bild: PD

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39 Jahre war die Ailaghoga-Gugge teil der Elgger Fasnacht, jetzt löste sich die Truppe auf. An der letzten Fasnacht seien sie noch ungefähr zehn Leute gewesen, erinnert sich Robert Bustini, einstiges Gründungsmitglied der Gugge. «Das Jubiläumsjahr hätten wir gerne noch gemacht», meint er. Aber dann sind nochmals drei Mitglieder abgesprungen. «So macht das wirklich keinen Sinn mehr», resümiert Bustini. Kurz vor dem 40-Jahr-Jubiläum löst sich die Ailaghoga-Gugge auf.

Das Ende der Abwärtspirale

Elgg, oder eben Ailaghoga wie es im 8. Jahrhundert hiess, die Fasnachtsgemeinde, steht ohne eigene Gugge da. Mitgliederschwund ist eine schleichende Krankheit. Erst bemerkt man sie gar nicht. Dann klingt es nicht mehr so voll. Plötzlich fällt auf, dass sich einer immer wieder für die Proben entschuldigt. Doch dann ist es eigentlich schon zu spät. «Man denkt sich schnell mal, ach nein, jetzt kommt der andere wieder nicht. Dabei hab ich mir doch auch extra Zeit genommen», sagt Bustini. Freude und Spass drohen auf der Strecke zu bleiben. Ab da ist Mitgliederschwund eine regelrechte Abwärtsspirale.

Eine wehmütige Fasnacht

Die nächste Fasnacht wird für Bustini die erste Fasnacht ohne Guggenmusik seit 39 Jahren. «Das wird für mich als Fasnächtler sicher eine wehmütige Geschichte», befürchtet er.

«Man denkt sich schnell mal, ach nein, jetzt kommt der andere wieder nicht. Dabei hab ich mir doch auch extra Zeit genommen.»Robert Bustini

Die Bustinis sind eine Fasnachtsfamilie. Als klar war, dass es mit der Ailaghoga-Gugge nicht mehr weitergehen würde, haben Robert Bustinis Frau Elvira und ihre Tochter einen Platz bei einer anderen Gugge gefunden. Die Gugge wird sich über den Zuwachs gefreut haben, denn die Suche nach Mitgliedern ist für die wenigsten der Fasnachtsgruppen einfach.

Teuer und zeitintensiv

Severin Isler, Präsident der Winterthurer Guggenmusik Kyburggeischter, sieht zwei Gründe für diese Entwicklung. Erstens: das Geld. Guggenmitglied sein, sei ein eher teures Hobby. «Die Instrumente, die Verpflegung an der Fasnacht selber, die Carreisen an Auftritte. Dazu kommt, dass wir eigentlich jedes Jahr ein neues Gwändli haben.»

Zweitens: die Zeit. «Der Aufwand wird von aussen oft unterschätzt», erzählt Isler. Er selbst habe erst acht Jahre lang gelernt, sein Instrument zu beherrschen, bevor er in die Gugge kam. Dazu müssen die Songs arrangiert werden und nicht zuletzt müssen auch Guggen relativ oft proben. «Nur wenn es gut klingt, macht es auch Spass», stellt Isler fest.

«Der Aufwand wird von aussen oft unterschätzt»Severin Isler

Bei der Guggenmusik Turtalia aus Turbenthal sieht es ganz ähnlich aus. Guggenpräsidentin Jacqueline Meier meint, die Zürcher seien vielleicht einfach nicht so Fasnächtler. «Es steht niemand Schlange, um dabei zu sein.» Momentan seien sie etwa zwanzig Mitglieder, das sei nicht schlecht. Klar: «Ein paar mehr wären schön. Aber wir sind stabil.» Zu viel dürfen es dann nämlich auch nicht werden, sonst fehle plötzlich der Zusammenhalt, sagt Jacqueline Meier.

Nachtrauern bringt’s nicht

Begeisterte Guggenmitglieder sind rares Gut. Und werden wohl eher noch rarer werden. Doch über diese Entwicklungen will sich Bustini nicht aufregen. «Nachtrauern, dass es keine Gugge mehr gibt, macht hinterher keinen Sinn.» Wenn man sich wirklich daran störe, müsste man sich halt vorher dafür engagieren. «Aber das sind einfach die Entwicklungen», stellt Bustini nüchtern fest. «Ich bin da eigentlich ganz entspannt. Nun gibt es diese Gugge zwar nicht mehr. Aber wer weiss? Vielleicht ergibt sich ja doch wieder etwas Neues.» (Landbote)

Erstellt: 07.11.2018, 16:56 Uhr

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