Zell

«Die Partei wächst konstant»

Die EVP ist in Zell zweitstärkste Kraft. Nach 22 Jahren als Parteipräsident gibt Kurt Nüesch sein Amt ab. Er verrät sein Erfolgsrezept und sagt, weshalb Ortsparteien wichtig bleiben.

Kurt Nüesch engagiert sich schon seit Jahren in Zeller Behörden. Es gefällt ihm, mitzugestalten.

Kurt Nüesch engagiert sich schon seit Jahren in Zeller Behörden. Es gefällt ihm, mitzugestalten. Bild: Marc Dahinden

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Herr Nüesch, Sie wollten nie Präsident der EVP Zell werden. Wie ist es trotzdem dazugekommen?
Kurt Nüesch: Pfarrer Buchegger, der die EVP Zell vor 25 Jahren gegründet hatte, suchte Vorstandsmitglieder. Ich wollte zuerst höchstens als Beisitzer mitmachen.

Aus zeitlichen Gründen?
Ja. Die EVP entsprach zwar meiner Wertehaltung und war mir sympathisch. Aber mit drei Kindern, als Schulpfleger und als Geschäftsführer in einer Bauunternehmung war mir ein zusätzliches Amt zu viel.

Und trotzdem haben Sie dasParteipräsidium schliesslich übernommen und sind 22 Jahre lang geblieben. Weshalb?
Politik hat mich schon immer interessiert. Ich hatte zuvor schon für den Grossen Gemeinderat in Winterthur kandidiert. Zudem engagierte ich mich in Zell als Schulpfleger und später als Gemeinderat. Die Kombination mit dem Parteiamt schien mir ideal.

Führte die Parteiarbeit unddie Behördenarbeit nicht zu Konflikten?
Ich habe die Ämter möglichst konsequent getrennt. Es gab aber Synergien, die ich nutzen konnte.

Ortsparteien kämpfen vielerorts mit Mitgliederschwund. Braucht es in Dörfern noch Parteien?
Ja, klar. Basisdemokratie beginnt ganz unten. Ortsparteien sind vor allem wichtig, um vor Wahlen geeignete Kandidaten für Ämter zu finden. Es braucht in unserem System möglichst viele, die sich einbringen. Auch deshalb haben wir eine so gute Lebensqualität.

«Basisdemokratie  beginnt ganz unten.»

Hat sich das Engagement der Zeller Ortsparteien in den vergangenen 20 Jahren verändert?
Das ist in der Gemeinde je nach Ortsteil unterschiedlich. Kollbrunn gehört schon fast zur Agglomeration Winterthur, da gibt es weniger Leute, die sich für Behördenämter interessieren. Insgesamt gab es keine grosse Verschiebung. Tendenziell hat das Interesse bei den Jungen aber eher abgenommen.

Auch bei der EVP?
Nein, wir haben ein konstantes, leichtes Wachstum. An unserer Jubiläums-GV waren wir 25 Mitglieder. Kürzlich ist ein weiteres hinzugekommen. Wir sind vor 25 Jahren klein gestartet. Jetzt sind wir eine starke Ortspartei. Unser Wähleranteil lag bei den Kantonsratswahlen bei 17,8 Prozent. Das ist weit über dem kantonalen Durchschnitt von 4,3 Prozent. Wir machen also vieles richtig.

Was ist das Erfolgsrezept?
Persönliche Kontakte sind entscheidend, um neue Mitglieder zu gewinnen. Wichtig ist, dass die Parteien versuchen, miteinander gute Lösungen zu finden.

Spielt auch die Kirche dabei eine Hauptrolle?
Nein, ich denke nicht. Die Partei ist keine Kirche. Christliche Werte sind bei uns aber natürlich sehr wichtig: Rund die Hälfte unserer Mitglieder ist landeskirchlich orientiert, die andere freikirchlich. Ich persönlich bin Doppelmitglied. Das politische Spek­trum ist aber relativ breit. Als ländliche Ortspartei sind wir insgesamt eher bürgerlich geprägt.

Die EVP ist in Zell eine deraktivsten Ortsparteien. Ist das auch auf die Heimstätte Rämismühle und deren Geschäfts­führer und EVP-Kantonsrat Markus Schaaf zurückzuführen?
Er ist natürlich ein wichtiges Aushängeschild. Es braucht aberumgekehrt auch starke Ortsparteien, damit jemand in den Kantonsrat gewählt wird.

«Die Ortspartei  ist keine Kirche.  Christliche Werte  sind uns aber sehr wichtig.»

Ist Parteipolitik auf Gemeindeebene überhaupt wichtig?
Eigentlich kaum. Ein neutraler Beobachter wüsste nach dreiGemeinderatssitzungen wahrscheinlich nicht, wer zu welcher Partei gehört.

Im Vergleich zu anderen Gemeinden ist es an Gemeindeversammlungen in Zell eher ruhig. Gehässige Wortmeldungen sind selten. Woran liegt das?
Es ist derzeit tatsächlich ziemlich harmonisch in Zell. Vielleicht liegt das am regelmässigen Austausch mit den Parteien oder am Projekt zur nachhaltigen Gemeindeentwicklung von 2011. Da konnten 80 Leute Ideen einbringen und Kritik äussern. Auch die Abstimmungsergebnisse zeigen, dass das Vertrauen in die Behörden gross ist. Die «Kundenzufriedenheit» ist gut.

Trotzdem gibt es auch Kritik.
Ja. Als Bauvorsteher bin ichzusätzlich exponiert. Es kam vereinzelt zu massiven Beleidigungen. Das gibt es wohl überall.

Wie gehen Sie damit um?
Ich versuche Distanz zu schaffen und das nicht persönlich zu nehmen. Oftmals hilft das Gespräch.

Nach 22 Jahren treten Sie als Ortsparteipräsident zurück. Was hat Ihnen besonders gefallen?
Mitzugestalten und mitzubestimmen, in einem Team, das funktioniert. Das ist eine Bereicherung. (Landbote)

Erstellt: 28.03.2017, 15:56 Uhr

Zur Person

Kurt Nüesch ist 68 Jahre alt und in Bisikon bei Effretikon aufgewachsen. Er arbeitete als Bauführer und Geschäftsleiter. Bis zu seiner Pensionierung war er als Projektleiter für die Baupolizei in Winterthur tätig. Seit 1985 wohnt er in Kollbrunn und war von 1990 bis 2002 Mitglied in der Schulpflege. Seit 2006 ist er im Gemeinderat. Das Präsidium der EVP-Ortspartei Zell übernimmt neu die Zeller Gemeinderätin Regula Ehrismann. (roh)

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