Pfungen

Die perfekte Mutter ist unperfekt

«Mama kann nicht kochen». Wer würde damit schon in der Öffentlichkeit hausieren? Die beiden Pfungemer Schulbuben Martin und Camilo Jaschke tun es. Und es ist lustig.

Stolz präsentieren Camilo (links) und Martin Jaschke mit Mutter Yordanka das frisch gedruckte Buch, zu dem es auch einen Auszug ihrer Anekdoten gibt.

Stolz präsentieren Camilo (links) und Martin Jaschke mit Mutter Yordanka das frisch gedruckte Buch, zu dem es auch einen Auszug ihrer Anekdoten gibt. Bild: Nathalie Guinand

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Die Embracher Filmemacherin und Fernsehjournalistin Katrin Sutter musste laut herauslachen, als sie die Leseprobe von Yordanka Jaschke aus Pfungen in ihrem Computer öffnete.

Es handelte sich um einen Kurztext, den Jaschkes Sohn Camilo geschrieben hatte. Er trug den Titel «Zement-Stern». Der Zehnjährige beschreibt darin den missratenen Versuch seiner Mutter, Zimtsterne zu backen. «Die Küche inspiriert meine Mutter ganz und gar nicht», erklärt der Pfungemer Primarschüler.

«Jedes Kind wünscht sich, dass Mama zu Weihnachten Guetzli backt. Doch inzwischen habe ich aufgehört zu träumen» Camilo (10)

Deshalb seien wahre Geschichten wie diese entstanden. «Jedes Kind wünscht sich, dass Mama zu Weihnachten Guetzli backt. So auch ich.» Doch inzwischen habe er aufgehört, davon zu träumen, gesteht Camilo. Denn sämtliche von ihr gebackenen Kekse seien hart wie Zement gewesen.

«Sie ist perfekt, wie sie ist»

Yordanka Jaschke Aguirre, die in Kuba aufgewachsen ist und mit 19 der Liebe wegen in die Schweiz kam, weiss, dass sie nicht gut kochen kann. Sie musste deshalb in der Familie schon einige Häme über sich ergehen lassen. «Ich bin überall ehrgeiziger und kreativer als in der Küche», gibt die 42-Jährige unumwunden zu.

«Auch wenn Mama nicht kochen kann, ist sie gerade perfekt, so wie sie ist.»  

So kam ihr die Idee, ihre Buben sollten die Erlebnisse über die missratenen Kochkünste ihrer Mutter in einem Buch aufschreiben. Unbeschönigt. Die Söhne liessen sich auf den Vorschlag, ein. Sie beschreiben die Kochunfälle ihrer Mutter und kommen schliesslich zum Schluss: «Aber sonst ist unsere Mutter toll.»

Sie habe sogar gelernt, Fussball zu spielen und sei Fussballtrainerin im Fussballclub geworden, schwärmt Camilo. Und Martin schreibt: «Auch wenn meine Mutter nicht kochen kann, ist sie gerade perfekt, so wie sie ist.»

Papa Boris las am Schluss Korrektur und Mama Yordanka verschickte die Texte per Mail, unter anderem an den noch jungen Arisverlag in Embrach. Diesen hat Katrin Sutter vor anderthalb Jahren gegründet, als sie ihr Buch «Tigerherz», die Geschichte von Kunstturner Lucas Fischer, herausgab.

Beiträge bekannter Mütter

«Als ich Camilos Text las, dachte ich sofort, das könnte mir auch passieren», räumt Sutter ein, selbst Mutter von zwei Kindern. Sie beschloss, die amüsante Anekdotensammlung von Camilo und Martin Jaschke herauszugeben und daraus eine «Liebeserklärung an perfekt unperfekte Mütter» zu machen.

«Als ich Camilos Text las, dachte ich sofort, das könnte mir auch passieren»

Schützenhilfe erhalten die Buben von zehn bekannten Schweizer Müttern, die ihrerseits über ihre eigenen Unzulänglichkeiten als Mütter berichten, darunter TV-Moderatorin Susanne Kunz, Journalistin Michèle Binswanger, Kolumnistin Kafi Freitag, Sexualtherapeutin Dania Schiftan oder Burnout-Spezialistin Barbara Hochstrasser. Herausgekommen ist nun ein 122-seitiges Buch, das Mütter entlasten soll und das gleichzeitig viel zu schmunzeln gibt.

Mit von der Partie ist auch die Bloggerin und Unternehmerin Nathalie Sassine-Hauptmann aus Dättlikon. Die Mutter von zwei Kindern bloggte lange für «Wir Eltern» und betreibt einen eigenen Blog rabenmutter.ch.

«Vor allem Bauchgefühl»

«Wie die Mutter von Martin und Camilo Jaschke koche auch ich nicht besonders gern», offenbart Sassine in ihrem Beitrag. «Es gibt Frauen, die das einfach können: kochen, Haushalt führen, immer ein blitzblankes Haus haben, alle Schultermine im Griff und immer selbstgemachte Cookies bereit.»

Diesem Mutterbild aber nachzueifern, wenn es einem gar nicht entspreche, sei nicht gesund, ist die Bloggerin aus Dättlikon überzeugt. «Denn eine Familie sein und Kinder haben ist doch keine genaue Wissenschaft. Das ist vor allem Bauchgefühl.»

Auch Yordanka Jaschke erzählt im Buch ihre Geschichte. «Es tut mir manchmal leid, dass ich nicht gut kochen kann», räumt sie ein.

Bald ein Kochbuch für Kinder

Doch wichtiger als die Kochkunst ist es für sie, ihren Kindern zu helfen, sich selbst zu sein und an ihre Träume zu glauben. Die beiden Jungs haben auch schon das nächste Ziel vor Augen: ein Kochbuch für Kinder mit spannenden und einfachen Rezepten, die man für zehn Franken pro Person zubereiten kann. Und: Camilo will Koch werden.

«Mama kann nicht kochen – Liebeserklärungen an perfekt unperfekte Mütter», Arisverlag 2018. Buchvernissagen&Talks: 2. Sept., 10.30 Uhr, Bibliothek Embrach, und 3. Sept., 19 Uhr, im Sphères, Zürich.

(Der Landbote)

Erstellt: 23.08.2018, 14:52 Uhr

Bald ein Restaurant

Neben dem Buch ihrer Söhne warten die Jaschkes mit einer weiteren Überraschung auf: Sie werden ab 1. Dezember das Gasthaus zum Löwen in Neftenbach übernehmen.
Boris Jaschke ist diplomierter Hotelier-Restaurateur und seit drei Jahren Geschäftsführer von Les Halles SA in Zürich. «Keine Angst, ich werde dort nicht kochen», sagt Yordanka Jaschke lachend, die sich künftig dem Service widmen will. Ihren liebgewordenen Job als Sigristin müsse sie dafür leider aufgeben.

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