Elsau/Schlatt

«Die Schulpflege kennt nach der Fusion nicht mehr alle persönlich»

Die Fusion der Schulgemeinde Elsau-Schlatt sei nach einem halben Jahr zu 70 Prozent umgesetzt, sagt Präsident Roman Arnold. Zusätzlich beschäftigt die Behörde den grössten Ausbau, den es je gegeben hat.

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Seit einem halben Jahr sind die Primarschulen Elsau und Schlatt und die Oberstufe Elsau-Schlatt fusioniert. Wie ist die Stimmung?
Roman Arnold: Die Stimmung ist gut, auch wenn Veränderungen nicht immer von Anfang an positiv wahrgenommen werden. Der Aufwand ist beträchtlich, vor allem für die Schulverwaltungen, die zentralisiert wurden. Sie sind am stärksten betroffen und mussten sich schnell als neues Team finden und in die neuen Ressorts einarbeiten. Der normale Schulbetrieb musste funktionieren und daneben zahlreiche Änderungen umgesetzt werden. Aber auch die Schulleitungen tauschen sich als Konferenz mehr aus als zuvor.

Wie sieht es mit der Belastung für die neue Schulbehörde aus?
Es ist sicher ein Unterschied, ob jemand vorher für eine kleinere Schule wie die Primarschule Schlatt zuständig war und nun einer Schulemeinde vorsteht, zu der rund 85 Lehrpersonen und 560 Schulkinder gehören. Der Kuchen ist für alle grösser geworden und Aufbauphasen sind immer anspruchsvoll.

«Man kennt nicht mehr alle. Es entwickelt sich eine gewisse Distanz.»

Wie gehen Sie damit um?
Es ist klar, dass nicht mehr alle für alles zuständig sein können wie das in kleineren Schulgemeinden möglich war. Wir haben beispielsweise Schulhausdelegierte eingeführt. Das sind die primären Ansprechpersonen für die entsprechenden Schulstandorte. Dadurch verteilt sich die Belastung, man kennt aber auch nicht mehr alle persönlich. Es entwickelt sich eine gewisse Distanz.

Wie ist die Stimmung innerhalb der Schulpflege?
Wir mussten uns auch zuerst finden. Alle bringen bereits einen Rucksack aus den vorherigen Behörden mit. Es ging aber recht gut, wir pflegen eine harmonische Zusammenarbeit.

Sie waren gerade in Klausur, was haben Sie dort gemacht?
Sie war sehr arbeitsintensiv. Das Führungsgremium bestehend aus Schulpflege, Schulleitungen und Leitung der Schulverwaltung hat sich einen ganzen Tag Zeit genommen, um über Grundwerte und Grundhaltung der neuen Schulgemeinde zu sprechen. Strategie und Struktur lassen sich schneller entwickeln, aber eine neue Kultur entwickelt sich langsamer und braucht Zeit. Dazu gehören Haltungsfragen, wie integrativ wir als Schule sein wollen. Wir haben uns auch damit beschäftigt, wie wir noch effizienter und effektiver arbeiten können.

«Strategie und Struktur lassen sich schnell entwickeln, aber eine neue Kultur braucht Zeit.»

Wie weit ist die Fusion bis jetzt umgesetzt?
Ich würde sagen, wir sind etwa bei 70 Prozent. Die Grundlage ist vorhanden und die Schule funktioniert. Der grösste Aufwand liegt wie immer in den letzten paar Prozent und den Details. Wir haben noch viel vor uns, aber das wussten wir. Das Gemeindeamt weist auch daraufhin, dass nicht alle Aufgaben zum Zeitpunkt der Fusion geregelt sein müssen. Nachholbedarf haben wir bei den Konzepten und Reglementen, die wir noch vereinheitlichen müssen. Ein Elternmitwirkungs- und ein Personalreglement haben wir nun aufs neue Schuljahr erarbeitet.

Bis wann soll definitiv fertig fusioniert sein?
Bis spätestens zum Ende dieser Legislatur 2022.

Nebst der Fusion beschäftigt die Schulgemeinde auch die Erweiterung des Primarschulhauses Elsau. Weshalb haben Sie die Abstimmung über den Planungskredit verschoben?
Wir hatten im August einen Informationsabend angesetzt und wollten die Urnenabstimmung über 1,12 Millionen Franken für den Planungskredit im September durchführen. An der letzten Gemeindeversammlung kam Kritik aus der Bevölkerung. Sie fanden den Informationstermin in der letzten Sommerferienwoche schlecht gewählt und die Vorlaufzeit bis zur Abstimmung zu kurz. Weil das Geschäft erst vorangekündigt, aber noch nicht publiziert war, haben wir uns entschieden, es zu verschieben und somit ein paar Monate Verzögerung in Kauf genommen.

«Es ist das grösste Bauprojekt, das Elsau je plante.»

Wann soll der Planungskredit denn vors Volk kommen?
Eine nächste Urnenabstimmung findet im November statt. Die Schulpflege muss den Termin noch neu beschliessen.

Wie sieht der weitere Zeitplan aus?
Falls der Planungskredit samt Baubewilligung 2019 noch genehmigt wird, ist geplant, in rund einem Jahr den Baukredit vorzulegen. Damit wäre ein Baubeginn anfangs 2022 möglich.

Ist das Schulhaus nicht jetzt schon zu klein?
Doch, es ist bereits übervoll. Derzeit sind es 16,5 Klassen. Ein halber Kindergarten müssen wir nach den Sommerferien im alten Schulhaus Nord unterbringen. In einem Jahr werden es 17 Klassen sein und wir müssen noch eine Lösung finden, um die zusätzliche Klasse unterzubringen.

Sie haben bereits einmal die Abstimmung über den Objektkredit verschoben. Planen Sie voreilig oder nehmen Sie die Kritik aus der Bevölkerung einfach sehr ernst?
Wohl ein wenig beides. Es ist das grösste Bauprojekt, das Elsau je plante. Man muss die Stimmen und Bedenken anhören, das ist unsere Pflicht. Auf der anderen Seite ist es unsere Pflicht, auf den Bedarf an Schulraum hinzuweisen und mit genügend Vorlauf zu planen. Wir wollten früh dran sein, aber wenn die Bevölkerung noch nicht bereit ist, bringt es nichts.

Es heisst immer wieder, Sie sollten abwarten, bis die neue Siedlung Rietwiesen fertig gebaut ist, um die Schülerzahlen abschätzen zu können.
Wir haben heute schon so hohe Schülerzahlen, dass wir Räume umnutzen müssen. Beispielsweise die alte Hauswartswohnung. Ist der Schulraum knapp oder fehlt er, wird es immer heissen, wir seien zu langsam gewesen. Haben wir mehr Raum als wir brauchen, heisst es, wir hätten auf Vorrat gebaut. Eine Punktlandung ist praktisch unmöglich. Dass die Primarschule im Hinblick auf die Siedlung Rietwiesen erweitert werden muss, ist aber unbestritten. Bei 700 bis 900 neuen Einwohnern gehen wir von rund 70 bis 90 neuen Schülern und vier neuen Klassen aus.

Sind die Elsauer denn besonders kritisch?
Solche Projekte klappten selten auf Anhieb und es braucht viel Überzeugungsarbeit. Aber wir sind ja nicht die einzige Gemeinde mit steigenden Schülerzahlen und diesen Herausforderungen betreffend Schulraum. Manchmal habe ich das Gefühl, andernorts gingen solche Projekte einfacher als bei uns. Weshalb, weiss ich jedoch nicht.

Ein grosses Bauprojekt und eine Fusion: Ist das nicht zu viel?
Es ist nur möglich, weil wir haben eine externe Bauherrenbegleitung haben, die uns unterstützt. Die beiden Projekte sind von Anfang an parallel gelaufen. Die Fusion wegen des geplanten Ausbaus zu verschieben, war jedoch nie ein Thema.

Erstellt: 17.07.2019, 13:20 Uhr

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