Elgg

Die Stadthirsche sind angekommen

Seit einem halben Jahr leben die Damhirsche des Wildparks Bruderhauses im Weiler Heurüti. Nach anfänglicher Schüchternheit haben sie sich an ihre neuen Besitzer gewöhnt.

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Die zweijährige Félice möchte Damhirschkuh Dorothea von ihrem Gipfeli abgeben, aber Vater Jonas Küpfer interveniert: «Besser nicht, vielleicht hat sie Bauchweh.»

Das ältere Weibchen hat sich in den Schatten des Stalls zurückgezogen während sich der Rest ihrer Herde von der prallen Sonne nicht beeindrucken lässt.

Sie hätten einen Schlauch ins Gehege legen müssen, weil der Brunnen kein Wasser mehr habe, erzählt Küpfer. Die Trockenheit scheint den Damhirschen ansonsten aber nichts anzuhaben.

Auch bei unserem Besuch zeigen sich die Damhirsche zutraulich.

Züglete aus Winterthur

Im Januar sind die Tiere vom Wildpark Bruderhaus in Winterthur in den Elgger Weiler Heurüti umgezogen. Das Verladen habe gerade einmal eine Dreiviertelstunde gedauert, sagt Küpfer. Im Wildpark hätten sich die Hirsche daran gewöhnt, dass die Tür hinten ihnen auch einmal zubleibe.

«Die Jungen stellen sich die ersten paar Tage tot.»Jonas Küpfer, 
Damhirschhalter

Die Vorbereitung bis zum Tag des Transports dauerte jedoch einiges länger. Küpfer ist als Zaunbauer im Bruderhaus tätig und wusste von den Verkaufsplänen, die man dort hatte. Für die Damhirsche war zu wenig Platz und man wollte sich im Wildpark ausserdem auf einheimische Tiere und seltene fremdländische konzentrieren.

Das traf sich mit Küpfers Plänen, der mit seiner Ehefrau Linda Küpfer auf dem Hof seiner Eltern in Heurüti mitarbeitet, und schon länger die Idee hatte, Hirsche zu halten.

Brot und Zwetschgen

Der 27-Jährige begann also vor eineinhalb Jahren die Ausbildung zum Hirschhalter, bemühte sich um die notwendigen Bewilligungen und plante Infrastruktur wie Stall und Gehege.

Zum Schluss hin sei es gerade so aufgegangen: Um Weihnachten sei der Zaun fertiggestellt gewesen und das Veterinäramt habe das Gehege einen Tag bevor die Tiere Mitte Januar schliesslich ankamen, abgenommen.

«Am Anfang waren sie schüchtern und mussten sich an die neuen Leute gewöhnen, aber mittlerweile können wir die meisten anfassen», sagt Küpfer, pfeift und schüttelt einen Plastikkübel mit trockenem Brot. Sofort schauen sich die Damhirsche aufmerksam um. «Wenn sie herkommen ist das ein richtiges Gewusel», sagt Linda Küpfer.

«Spiesser haben erst so Zahnstocher auf dem Kopf.»Linda Küpfer, 
Damhirschhalterin

Schon sind die 25 Tiere in Bewegung und umringen die junge Familie. «Zwetschgen mögen sie auch super gern», sagt Jonas Küpfer und Félice darf das älteste Weibchen der Herde namens «Ömi» mit den Früchten füttern. «Ömi ist die Zutraulichste von allen.»

Im zwei Hektare grossen Gehege versteckt sich an einen Baumstamm gekuschelt ein erst drei Tage alter Nachzügler. «Es stellt sich tot», erklärt Jonas Küpfer. Die Mutter kommt nur einige Male am Tag vorbei, um es zu säugen und verlässt das Versteck dann so gleich wieder, um es Räubern nicht zu verraten.

Junge habe es dieses Jahr noch nicht so viele gegegeben, sagt Küpfer. Denn der Zuchtstier des Bruderhauses sei kurz vor dem Umzug gestorben und deshalb seien nicht alle Hirschkühe trächtig gewesen. Seit zwei Monaten ist deshalb der neue Zuchtstier Stefan bei der Herde.

Tiere mussten betäubt werden

Vier Männchen sind es insgesamt, zwei sind sogenannte Spiesser, die zwischen ein und zwei Jahre alt sind. «Das sind die, die erst so Zahnstocher auf dem Kopf haben», sagt Linda Küpfer. Transportieren muss man die jungen Männchen einzeln, denn ihre spitzen Hörner könnten die anderen Tiere verletzen.

Vor einigen Wochen hätten sie einen der Spiesser mit einem aus einer anderen Herde ausgetauscht. «Dieser Transport war eine grössere Sache», sagt Jonas Küpfer. Denn um das junge Männchen einzeln einzufangen, musste es betäubt werden.

Dafür habe das Veterinäramt kommen müssen. «Im Wagen muss man dann warten, bis es wieder aufwacht, weil es stehen muss beim Transport», erklärt Linda Küpfer. Für das zweite Männchen brauchte es das ganze Aufgebot noch einmal.

So herzig und zutraulich die Tiere auch sind, im Herbst werden wohl die ersten geschlachtet. Als Jäger übernimmt Küpfer danach das Zerlegen und Verarbeiten selbst. Geplant sei, die Fleischprodukte ab Hof zu verkaufen.

(Der Landbote)

Erstellt: 27.07.2018, 17:56 Uhr

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