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Die Töpferscheibe steht bald schon still

Elisabeth und Edmund Deinböck haben in Seuzach 42 Jahre lang eine Töpferei betrieben. Am 16. Januar eröffnen sie einen Schlussverkauf, danach wird der Betrieb geschlossen.

Nach über 40 Jahren töpfern schliessen die Deinböcks ihren Laden nach dem Schlussverkauf vom kommenden Montag.
Nach über 40 Jahren töpfern schliessen die Deinböcks ihren Laden nach dem Schlussverkauf vom kommenden Montag.
Dagmar Appelt

42 Jahre lang war das bescheidene Haus an der Stationsstrasse 23 in Seuzach für Elisabeth und Edy Deinböck Heimat und Werkstatt in einem. Gearbeitet wurde im Erdgeschoss und im Keller, verkauft im dazugehörigen Ladenlokal und gewohnt hat Familie Deinböck mit ihren drei Kindern im oberen Stock.

Die Töpferei Deinböck sah gute und weniger gute Zeiten; in den 70er und 80er Jahren erlebte das Kunsthandwerk einen eigentlichen Boom, danach liess das Interesse an handgefertigter Ware deutlich nach. Jetzt soll Schluss sein, Edy Deinböck ist 87 Jahre alt. Die Töpferarbeiten stehen ab dem 16. Januar zum Schlussverkauf bereit, die beiden alt gewordenen Berufsleute hoffen, dass noch manches Stück den Weg in einen Haushalt finden wird.

Der Tüftler

Seit bekannt wurde, dass der Laden schliessen wird, kamen noch zahlreiche Bestellungen auf den alten Meister zu. Er versuchte die Wünsche der treuen Kundschaft zu befriedigen und darüber hinaus den Leuten auch zu erklären, dass sich über die Jahre hinweg die Materialien verändert haben. In den letzten 20 Jahren verarbeitete er einen anderen Ton als zuvor, was den Glasuren zum Teil eine andere Färbung verlieh.

Im Keller des Hauses ist das Labor untergebracht, hier wurde an raffinierten Glasuren getüftelt, hier stehen aber auch bis heute drei Brennöfen. Noch einmal steht Deinböck an der Waage, auf der er in den Jahren so viele Glasurversuche abgewogen hat. Neben der Produktion von alltagstauglichem Gebrauchsgeschirr kennt man ihn in der Szene auch als Tüftler. Grundsätzlich haben alle Glasuren gemeinsam, dass sie ein auf den Ton aufgetragenes Glaspulver sind, das im Brennprozess zu einem Glas ausschmilzt.

In der Szene bekannt

Deinböck hat sich in der Internationalen Keramikszene einen Namen gemacht als ausgesprochen raffinierter Hersteller von Kristallglasuren. In diesen Glasuren wachsen während dem Brennprozess kreisförmige Kristallisationen, in denen die Glasur eine andere Färbung oder eine Trübung annimmt. Sie können in der Grösse stark variieren, die grössten werden gross wie Handteller. Im besten Fall entstehen Gebilde, die an Blumen oder Sterne erinnern. Und so haben Kristallglasuren auch eine eingeschworene Fangemeinde.

Über ihre Entstehung gibt es komplizierte Theorien, doch auch sie beschreiben das Phänomen nur annäherungsweise. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die ihre Entstehung beeinflussen, so dass das Ausräumen des Ofens jedesmal Überraschungen bringt, manchmal gute, oft auch negative. Es gilt den Ofen so zu steuern, dass die Glasur zwar flüssig genug ist, um ein Kristallwachstum zu ermöglichen, aber dennoch nicht zu flüssig wird, sonst fliesst sie ab den Stücken wie Honig vom Butterbrot und klebt auf den Einsetzplatten des Ofens.

Während Deinböck von seinen Erfahrungen berichtet, gleiten seine hellblauen Augen in die Ferne und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Keramik prägte sein Leben, seit über siebzig Jahren sitzt er täglich an der Töpferscheibe. Sein Wissen über Kristallglasuren öffnete ihm den Weg zu internationalen Ausstellungen und Anerkennung bei zahlreichen Sammlern. Jetzt soll also Schluss sein. Die Werkstatt wird aufgelöst, das Haus abgebrochen, die Maschinen weitergegeben, sofern jemand Interesse zeigt.

Doch nicht ganz Schluss

Trotz seines Alters geht der schlanke Mann rüstig über die Treppen vom Keller ins angebaute Atelier mit dem Blick in den Garten. Doch ganz Schluss ist nach dem Endverkauf trotzdem nicht. Deinböck hat im neuen Haus, nur wenige hundert Meter vom alten entfernt, einen Hobbyraum, in dem er mit einem kleinen Ofen seiner Leidenschaft weiter frönen will. «Keine Produktion mehr und keine Bestellungen mehr ausführen», versichert er, doch die Geheimnisse der Kristallglasuren lassen ihn nicht los und davon will er noch einige lösen.

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