Brütten

Die verschwendete Quelle

Landwirt Peter Baltensperger entdeckte eine Quelle in einer Baugrube und schlug vor, diese sinnvoll zu nutzen. Doch Gesetze schränken die Möglichkeiten der Gemeinde ein – auch während der akuten Wasserknappheit.

In einer Baugrube wurde die Quelle an der Unterdorfstrasse sichtbar. Momentan fliesst das Wasser in die Abwasserreinigungsanlage.

In einer Baugrube wurde die Quelle an der Unterdorfstrasse sichtbar. Momentan fliesst das Wasser in die Abwasserreinigungsanlage. Bild: PD

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Seine Wiesen wachsen nicht wie gewohnt. Die Maiskolben sind reif, bevor sie genügend gross sind. Peter Baltensperger, der Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Brütten, spürt die Trockenheit momentan wie selten und staunte deshalb noch mehr, als er unlängst eine Quelle entdeckte. Aus einer Baugrube an der Unterdorfstrasse drückt Wasser aus dem Sandstein. Es wird nicht gefasst und fliesst in die Kanalisation, obwohl nur 60 Meter weiter ein Brunnen steht. «Genau jetzt sollten wir dem Wasser Sorge tragen», sagt Peter Baltensperger, und wandte sich an den Brüttemer Gemeinderat.

Paradoxe Situation

Um der Sache auf den Grund zu gehen, besichtigten Brunnenmeister Urs Altorfer, Gemeinderat Peter Ball und Peter Baltensperger gemeinsam die Quelle. Sie kam zum Vorschein, weil die Eigentümer neu bauen . Während die Quelle vorher einen privaten Zierbrunnen spies, plätschern jetzt durchschnittlich sieben Liter Wasser pro Minute in die Baugrube — ungenutzt.

«Wenn das Wasser in die Kanalisation abfliesst, bezahlt die Gemeinde für jeden Kubikmeter».Peter Ball, 
Gemeinderat und Landwirt 
aus Brütten

Gemeinderat Peter Ball ist selbst Landwirt und fühlt mit Peter Baltensperger. Seine Kühe und Rinder haben die Weiden bald leer gefressen, den Wasserverbrauch muss er auf dem Minimum halten. Zudem sagt er: «Wenn das Wasser in die Kanalisation abfliesst, bezahlt die Gemeinde für jeden Kubikmeter».

Kein Trinkwasser

Vorschriften verunmöglichen die Fantasien der beiden Landwirte. «Das Quellwasser in den Brunnen zu leiten, ist kein Problem», sagt Brunnenmeister Urs Altorfer. Doch Quellwasser ist gesetzlich kein Trinkwasser und somit ein Gesundheitsrisiko für Velofahrerinnen und Wanderer. Ein Trinken-Verboten-Schild müsste angebracht werden, was heutzutage eine Rarität sei. Der Brüttemer Tiefbauvorsteher Beat Lanz sagt sogar: «Ein Brunnen der nur plätschert, ist ein nutzloser Brunnen». Damit Quellwasser zu Trinkwasser wird, muss die Quelle in einer Schutzzone liegen. So müssen beispielsweise Vorkehrungen getroffen werden, dass kein auslaufendes Bezin das Wasser verschmutzen könnte. Die Brüttemer Steighäuli-Quelle liegt in einer solchen Zone. Bereits um 1960 gefasst, deckt sie heute cirka 25 Prozent des Wasserbedarfs der Gemeinde ab.

«Die Hausbesitzer könnten die Quelle fassen und als  Toilettenwasser nutzen».Beat Lanz, 
Tiefbauvorsteher von Brütten

Die Quelle in der Baugrube mit ihren sieben Litern pro Minute spielt derweil in einer anderen Liga. Sie reicht höchstens für einen dekorativen Brunnen, oder als Toilettenwasser für die Eigentümer. «Sie könnten das Wasser in einem Tank sammeln und in einem separaten Wasserkreislauf führen», sagt Beat Lanz. Dies sei aber sehr aufwendig und eher für Gärtnereien sinnvoll. Ausserdem könne die Gemeinde nur Empfehlungen abgeben.

In den Hellbach ableiten

Sofern die Hausbesitzer das Quellwasser nicht nutzen, läuft es weiterhin in die Kanalisation, wie viele andere kleine Quellen in Brütten. Doch das könnte sich bald ändern. «Wir haben die Quelle vermerkt», sagt Tiefbauvorsteher Beat Lanz. Durch den «Generellen Entwässerungsplan» ist Brütten verpflichtet, bei Sanierungen Trennsysteme einzuführen: eine Leitung für das verschmutzte Wasser der Haushalte, eine für Quell- und Brunnenwasser. So dürfte die Quelle an der Unterdorfstrosse in naher Zukunft in den Hellbach abgeleitet werden – zurück in den natürlichen Wasserkreislauf. Das würde der Trockenheit langfristig vorbeugen. Die kurzfristige Lösung ist im Gegensatz dazu viel banaler: Brunnenmeister Urs Altorfer überlegt, mit Flugblättern zum Wassersparen aufzurufen. (Landbote)

Erstellt: 07.08.2018, 16:21 Uhr

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