Persönlich

Diesem Confiseur ist nichts zu schwer

Die Konditorei Janz hat sich innert kurzer Zeit im Tösstal etabliert. Das kommt nicht von ungefähr: Christian Deppeler-Janz arbeitet Tag und Nacht für seinen Betrieb.

Setzt auf traditionelle Handarbeit und lokale Zutaten: Christian Deppeler-Janz in der Backstube seiner Konditorei in Wila.

Setzt auf traditionelle Handarbeit und lokale Zutaten: Christian Deppeler-Janz in der Backstube seiner Konditorei in Wila. Bild: Madeleine Schoder

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Christian Deppeler-Janz hat einen wachen Blick, obwohl er wenig schläft: Sein Arbeitstag beginnt in der Regel um Mitternacht, damit Kunden ab 6.30 Uhr frisches Brot kaufen können. Nach einem kurzen Mittagsschlaf ist er wieder fit, bis er am Abend zu Bett geht. «Ich habe grosses Glück, dass ich wenig Schlaf brauche», sagt der 39-Jährige.

Seit bald vier Jahren führt er mit seiner Frau Kathrin Janz im Ortskern von Wila die Konditorei und Bäckerei Janz inklusive Café. Es ist eine Erfolgsgeschichte: Bereits ein Jahr nach dem Start erweiterten sie ihr Geschäft und eröffneten in Wetzikon ebenfalls eine Konditorei. Nächstes Jahr ist der nächste Schritt geplant: Die Konditorei in Wila zieht in die geplante Zentrumsüberbauung um und vergrössert sich dadurch erneut, wenn auch nur leicht: «Der Umsatz soll zwar etwas steigen», sagt Christian Deppeler-Janz. «Wir wollen aber überschaubar bleiben und weiter auf unsere Spezialitäten setzen.»

Qualität als oberstes Prinzip

Die Spezialitäten, das sind traditionelle Handarbeit und lokale Zutaten: «Ich will das beste Brot haben», sagt er. Für ihn sei Qualität das oberste Prinzip. Beinahe besessen davon wirkt Deppeler-Janz zeitweise. Etwa, wenn er sagt, dass er lieber aufhören wolle, als etwas herzustellen, hinter dem er nicht voll und ganz stehen könne. Jedes Brot backe er selber.

Schon als Jugendlicher habe es ihn zudem nicht gestört, viel und zu ungewöhnlichen Zeiten zu arbeiten. Dies, obschon seine Lehre zum Confiseur schwierig gewesen sei. «Der Umgangston war ruppig, der Chef hat Angestellte sogar geschlagen.» Die Freude an der Arbeit mit Lebensmitteln konnte jedoch nicht einmal das verderben. Selbst an seinen freien Tagen sei er jeweils am Backofen gestanden.

Absprung und Neuanfang

So kam es, dass er in der Traditionsbäckerei Keller aus Regensdorf mit damals circa 140 Mitarbeitenden bis in die Geschäftsleitung aufstieg. Als längere Zeit unklar blieb, wie die Nachfolge des Familienbetriebs geregelt werden soll, entschied sich Christian Deppeler-Janz für den Absprung und den Neuanfang in Wila im Jahr 2016. Ein guter Entscheid, wie sich rückblickend zeigte. Denn im Herbst 2018 musste sein ehemaliger Arbeitgeber, die Bäckerei Keller, unter einem neuen Besitzer Konkurs anmelden. Zahlreiche Angestellte verloren ihre Stelle.

In Wila hat sich Deppeler-Janz rasch ein Netzwerk an Lieferanten in der näheren Umgebung aufgebaut. Für den Wilemer Nussfladen, auf den er besonders stolz ist, bezieht er den Honig von Erika Waldvogel vom Brunn­ackerhof. Der Biohof-Schlup liefert für ein Spezialbrot die alte Getreidesorte Emmer und Roggenmehl. Aus Oberhofen bezieht er Dinkel, die Eier stammen aus Oberlangenhard, die Milchprodukte sind von Camenzind aus Schalchen, das Fleisch von den Fusters in Girenbad. Und bei den Bönis im «Tulpenbaum» Neubrunn bestellt er Käse. Zwar sei die Käsemischung für die Wähe so zum Beispiel etwas teurer, sagt Deppeler-Janz. «Dafür weiss ich genau, was drin ist.» Auch sei die Marge wohl insgesamt etwas kleiner als bei anderen Bäckereien. Er ist aber überzeugt, dass sein Konzept langfristig aufgeht. «Wir planen für die nächsten 20 Jahre», sagt er. «Wenn sich ein Kunde einmal getäuscht fühlt, kommt er nicht mehr.»

Fischen mit dem Sohn

Ins Tösstal ist der schnell sprechende Confiseur durch Zufall gekommen. Als er mit einem Arbeitskollegen eine Konditorei in Bauma besuchte, lernte er seine heutige Frau kennen, die ebenfalls Confiseurin ist. «Ich wusste sofort, dass ich wieder dorthin musste», sagt er. Das war 2002. Inzwischen haben die beiden zwei Kinder im Alter von sechs und neun Jahren und zwei Konditoreien. Alles unter einen Hut zu bringen, ist für Christian Deppeler-Janz nicht ganz einfach. Hobbies habe er abgesehen von seiner Arbeit deshalb keine. Obwohl: Mit seinem Sohn hat er unlängst das Fischen entdeckt. Und so steht er nun auch an seinen freien Tagen ab und zu in aller Frühe auf.

Erstellt: 12.10.2019, 15:33 Uhr

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