Zell

Doch keine Balken aus Kunststoff

Der Balkenboden der denkmalgeschützten Seefeld-Brücke bei Rämismühle wird im Herbst ersetzt. Zuerst wollte die Gemeinde lieber Kunststoff einsetzen, hat sich am Ende aber doch wieder für Holz entschieden.

Die Brücke führt bei Rämismühle über die Töss.

Die Brücke führt bei Rämismühle über die Töss. Bild: Marc Dahinden

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Inline-Skater oder Velofahrer, die das Tösstal hinunterbrausen, sind ihr wahrscheinlich schon begegnet: Der Seefeld-Brücke bei Rämismühle zwischen Rikon und Turbenthal. 1886 wurde sie neben der damaligen Spinnerei erbaut und ist laut der kantonalen Denkmalpflege ein wichtiger baulicher Zeuge: Sie gehört zur ersten Generation von Stahlbrücken und gilt deshalb als pionierhaft. «Ausserhalb des Tösstals sind im Kanton Zürich keine weiteren Brücken dieses Typs bekannt», sagt Markus Pfanner, Sprecher der Baudirektion.

Gemäss dem Buch «Geschichte der Gemeinde Zell» verlangte damals «der Staat» diese stabilere Bauweise. Denn zuvor hatte ein «ganz grosses Hochwasser» fast alle Brücken im Tösstal weggerissen oder stark beschädigt. Auch die bereits 1850 erbaute Seefeld-Brücke, die Rämismühle mit Wildberg verband. Die heutige Stahlbrücke befindet sich deshalb auch im Inventar der historischen Verkehrswege. «Die Konstruktion und das Erscheinungsbild dürfen deshalb nicht verändert werden», sagt Pfanner von der Baudirektion.Der Boden der Fussgängerbrücke besteht aus dicken Eichenbalken, sogenannten Holzbohlen, die quer über die Brückenbreite gelegt wurden. «Diese sind jedoch beschädigt», sagt der Zeller Werkvorsteher Marcel Estermann. Der Ersatz der Eichenbalken soll noch diesen Herbst geschehen. Wann genau die Brücke für eine Woche gesperrt wird, ist noch unklar. Der Ersatz der Holzbohlen kostet laut Estermann rund 45000 Franken.

Hufe beschädigen Holz

Gemäss Gesetz muss die Gemeinde für den Unterhalt selber aufkommen. Die Denkmalpflege würde aber eine 20 Prozent hohen Beitrag für eine Erneuerung der Bohlen in Holz gemäss dem historischen Vorbild «wohlwollend prüfen».

Dies wohl auch, weil die Gemeinde noch eine andere Option in Betracht gezogen hatte: Balken aus Glasfaserkunststoff mit Holzoptik.

Hier befindet sich die Seefeld-Brücke. Karte: Google Maps

Denn in den letzten Jahren mussten immer wieder einzelne Balken der Seefeld-Brücke ersetzt werden: «Wenn Pferde mit ihren Hufen darüber laufen, kann es zu Beschädigungen kommen», sagt Estermann. Darin könne wiederum Wasser liegenbleiben, was das Holz rascher verfaulen lasse.

Zu teure Offerte

Mit den Kunststoff-Bohlen wäre der Brückenboden also strapazierfähiger und somit langlebiger gewesen. Die Gemeinde informierte die Denkmalpflege über diese Absicht. Beim Kanton zeigte man sich grundsätzlich offen dafür, wenn dafür «keine zusätzlichen Eingriffe in die Stahlfachwerkkonstruktion» notwendig seien und die Kunststoff-Bohlen wieder rückstandslos entfernt werden könnten. Die Gemeinde verfolgte diese Option weiter und holte eine Offerte dazu ein. «Diese war jedoch so hoch, dass die Werkkommission dieser Variante nicht zustimmte», sagt Estermann.

Die Brücke bei Rämismühle erhält diesen Herbst also wieder Eichenbohlen, obwohl dies für die Gemeinde mehr Unterhalt bedeutet. Durch den Ersatz sämtlicher Balken hofft die Gemeinde, dass sich der Unterhalt des Brückenbodens zumindest in den nächsten Jahren in Grenzen hält.

Erstellt: 17.09.2019, 14:58 Uhr

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