Pfungen

Doppelturnhalle scheidet die Geister

Die Schule Pfungen braucht dringend Schulraum. Der Gemeinderat hat eine Lösung entwickelt und will für deren Projektierung vom Stimmvolk 1,6 Millionen Franken. Trotz starkem Gegenwind ist er von seinem Entwicklungskonzept überzeugt.

Nach der Idee des Gemeinderates soll vor dem Schulhaus Seebel (oben rechts) künftig nicht mehr der Singsaal, sondern eine stattliche Doppelturnhalle stehen.

Nach der Idee des Gemeinderates soll vor dem Schulhaus Seebel (oben rechts) künftig nicht mehr der Singsaal, sondern eine stattliche Doppelturnhalle stehen. Bild: Madeleine Schoder

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Das enorme Bevölkerungswachstum der letzten zwölf Jahre bringt die Schule Pfungen erneut an ihre Grenzen. Nach Vorstellung des Gemeinderates soll sie in den nächsten Jahren für maximal 20 Millionen Franken erweitert und saniert werden. Für das Geld sollen eine Doppelturnhalle und ein Schulhaus gebaut, eine alte Turnhalle umgenutzt und das Schulhaus Seebel teilweise saniert werden. Auch soll ein neuer Hartplatz entstehen. Damit eine Generalplanersubmission durchgeführt und die Bauten geplant werden können, beantragt die Exekutive am 9. Februar einen Projektierungskredit von 1,6 Millionen Franken beim Stimmvolk. Dass dieser gewährt wird, gilt aber keineswegs als sicher. Denn seit Bekanntwerden des Konzepts steht dieses im Gegenwind.

Ein Graben zieht sich durchs Dorf

Die Kontroverse dreht sich um die Doppelturnhalle, die nicht nötig sei, wie die einen sagen. Nach Auffassung der Befürworter des Konzeptes ist aber gerade sie sehr sinnvoll. Ein Riss zieht sich durchs Dorf und selbst durch die beiden Parteien, die SVP und das Forum. «Wir können uns das Projekt nicht leisten», übte SVP-Präsident Walter Müller an der gut besuchten Informationsveranstaltung vor 14 Tagen Kritik. Es wurden noch mehr kritische Stimmen laut. Das Projekt erhielt Attribute wie «Luxusvariante», «hochfliegend» und «überdimensioniert».

Der Gemeinderat unter der Führung von Gemeindepräsident Max Rütimann (SVP) ist indes von seinem Konzept überzeugt, auch wenn er sich die Frage gefallen lassen muss, warum die Schule laut Schulpräsident Pascal Reith sechs Jahre nach Fertigstellung des neuen Primarschulhauses Breiteacker schon wieder aus allen Nähten platzt. Und wieso heute so ein grosses Projekt nötig ist, wo doch die Verantwortlichen im Vorfeld des 2014 neugebauten Primarschulhauses Breiteacker versichert hatten, bei Platzbedarf aufstocken zu können.

Das Schulhaus Breiteacker lasse sich nur teilweise aufstocken, da sonst eine grössere Investition nötig wäre, hiess es dazu an der Informationsveranstaltung. Rütimann präzisiert: «Weil nicht alles unterkellert ist, wäre eine zusätzliche Pfählung nötig. Und das wäre teuer.» Er räumt ein, dass dies in der damaligen Weisung nicht ausgeführt wurde und dass das Stimmvolk damals ein eher «feudales Projekt» genehmigt habe. Dies treffe auf das vorliegende Projekt aber nicht zu.

Ein Ende des anhaltenden Trends steigender Schülerzahlen ist laut Schulpräsident Reith nicht in Sicht. Bis 2023 erwarten die Verantwortlichen etwa 530 Schülerinnen und Schüler. Das sind rund 65 mehr als 2017 in Pfungen zur Schule und in den Kindergarten gingen. Reith sagt: «Wir brauchen eine sinnvolle, nachhaltige und vorausschauende Lösung, die kosteneffizient ist.» Eine solche, in den letzten beiden Jahren entwickelt von der Kommission Schulraumentwicklung, legt der Gemeinderat dem Stimmvolk seiner Meinung nach nun vor. Sie wird auch von der Rechnungsprüfungskommission unterstützt.

«Lediglich eine Idee»

Im Zentrum des Konzepts steht der Entscheid, den alten Singsaal abzureissen und dort eine Doppelturnhalle zu bauen. Gesungen statt geturnt soll dann fortan in der alten Turnhalle Breiteacker werden. «Es ist bisher lediglich eine Idee, ob es andere Varianten gibt, muss uns dann der Planer sagen», sagt Finanzvorstand Stefan Jucker (Forum).

Die vorgeschlagene Doppelturnhalle passe als einzige auf das Landstück vor dem Schulhaus Seebel, sagt Liegenschaftsvorstand Silvio Zahnd (Forum). Die Schule benötige 2,6 Turnhallen. Momentan sind es zwei. «Wir sind aus wirtschaftlichen Gründen auf die Idee gekommen, den Singsaal in die alte Breiteackerturnhalle zu verlegen», sagt Zahnd. Der Singsaal stammt aus den 1970er Jahren und befinde sich im schlechtesten Zustand aller Schulgebäude.

Die Gemeinde Pfungen hat im Wissen darum, dass sie neuen Schulraum benötigt, den Steuerfuss bereits um 5 Prozentpunkte erhöht. Gemäss Jucker wird ein weiterer Anstieg um drei Punkte unumgänglich. In 20 Jahren soll die zusätzliche Verschuldung zurückgezahlt sein: «Wir können laut unseren Prognosen ungefähr eine Million Franken pro Jahr zurückzahlen», sagt er. Die Nettofinanzschuld pro Einwohner steige von heute 764 Franken auf fast 6000 Franken pro Einwohner.

Erstellt: 22.01.2020, 18:12 Uhr

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Vereine stehen hinter Doppelturnhalle

Die Doppelhalle kommt bei Pfungens Vereinen mehrheitlich positiv an, wie ein kleine Umfrage zeigt. «Ich halte es für die richtige Entscheidung, sagt Letizia Bernegger, Präsidentin des Rad- und Motorfahrervereins. Ein breites Sportangebot für Kinder und Jugendliche leiste einen wichtigen Beitrag im Bereich Jugendarbeit. Auch aus turnerischer Sicht würde eine Doppelturnhalle begrüsst. «Die grosse Wiese kann so weiterhin für Anlässe genutzt werden und zusätzlich könnten Möglichkeiten für neue Vereine geschaffen werden», sagt TV-Vizepräsident Sämi Flach. Daniel Dreier, Präsident des SC Seebel, ist ebenfalls dafür: «Der Trend geht in Richtung Fitnesszentrum, wo man zeitlich unabhängig ist.» Vielleicht gebe da eine neue, moderne Halle etwas Gegensteuer. Auch Stefan Trachsel, Präsident vom Ziischtigsklub, der Basket- und Volleyball spielt, würde einen Ersatz der alten Breiteackerhalle begrüssen. Es brauche mehr Platz für Trainingsmöglichkeiten, findet Emil Bührer vom Wüeri Team. Aber: «Bis jetzt wurde nur die «Rolls Royce» Variante vorgestellt.» Alwin Fischer vom Vorstand des Armbrustschützenvereins vertritt die Meinung, dass die Turnhallen schon beim Schulhausbau 2014 dazugehört hätten. Auch Sonja Reith von der Kinderartikel-Börse würde eine Doppelturnhalle begrüssen: «Das würde uns, aufgrund zusätzlicher Kapazität, mehr Flexibilität bei der Terminfindung bieten.» Und Martina Krebs, Präsidentin Forum Pfungen, schreibt: «Eine Doppelturnhalle ist sinnvoll, es ist ja eine Umnutzung der bestehenden alten Breiteackerhalle geplant, also würde eine Einfachhalle nicht genügen.» (dt)

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