Wiesendangen

Drei wollen auf den Thron

Die Wahlen vom 15. April versprechen spannend zu werden. Nach 20 Jahren als Gemeindepräsident von Wiesendangen tritt Kurt Roth zurück. Und sein Sessel ist begehrt. Doch nicht etwa langjährige Gemeinderäten streben nach dem höheren Amt, sondern drei Neue. Wie stellen Sie sich die Zukunft Wiesendangens vor? Wir haben mit allen Kandidaten gesprochen:

Wiesendangen erhält einen neuen Gemeindepräsidenten. Und der Nachfolger von Kurt Roth wird aller Voraussicht nach ein unbeschriebenes Blatt.

Wiesendangen erhält einen neuen Gemeindepräsidenten. Und der Nachfolger von Kurt Roth wird aller Voraussicht nach ein unbeschriebenes Blatt.

Daniel Schmid – Der Schulische

Daniel Schmid (Jahrgang 1975) politisiert seit 2014 für die CVP als Schulpräsident von Wiesendangen. Nach einer Amtszeit möchte er die Schulpflege nun verlassen. Er ist Ingenieur von Beruf, verheiratet und Vater von drei Kindern.

Herr Schmid, Sie waren die letzten vier Jahre Schulpräsident und sitzen derzeit nicht im Gemeinderat von Wiesendangen. Warum kandidieren Sie gleich für das Präsidium?
Daniel Schmid (CVP): Das Amt wird frei und darum möchte ich die Chance packen. Als Präsident der Schulpflege haben ich Erfahrung in der Führung einer Behörde und ich kenne die Schule gut. Das ist sicher ein Vorteil.

Und warum verlassen Sie die Schulpflege nach nur einer Amtszeit?
Ich gehe sicher nicht, weil ich genug von der Schule habe und ich möchte die Zeit in der Schulpflege nicht missen. Die Gründe, das Amt aufzugeben, sind privater Natur. Darum habe ich mich entschieden, nicht mehr für die Schulbehörde zu kandidieren.

Haben die privaten Gründe damit zu tun, dass Ihre Frau in Wiesendangen als Lehrerin arbeitet?
Ja, vor allem auch deshalb, weil sich ihr Aufgabengebiet an der Schule verändert hat.

«Wiesendangen hat ein aktives Dorfleben, der Steuerfuss ist attraktiv und die Lebensqualität ist hoch. All das gilt es zu bewahren.»Daniel Schmid (CVP)

Was möchten Sie in Wiesendangen verändern?
Eigentlich nicht viel. Aber das Wachstum ist sicher ein Thema, für das eine gute Koordination mit der Schule nötig ist. Wachstum bedeutet auch immer wachsende Schülerzahlen. Und das Wachstum soll nicht nur beim Wohnen stattfinden, sondern auch bei den Arbeitsplätzen. Zudem muss man den Durchgangsverkehr bekämpfen.

Und was soll bleiben, wie es ist?
Wiesendangen hat ein aktives Dorfleben, darum wohnt man hier. Der Steuerfuss ist attraktiv und die Lebensqualität ist hoch. All das gilt es zu bewahren.

Wo sehen Sie Ihre politischen Schwerpunkte für die Gemeinde?
Bei den Verkehrsproblemen und beim Wachstum. Zudem müssen Schule und politische Gemeinde Hand in Hand arbeiten und ihre Zusammenarbeit stärken. Die Einheitsgemeinde müsste man aus meiner Sicht prüfen. Aber ob ich dafür oder dagegen bin, kann ich derzeit noch nicht sagen.

Sie streben Wachstum an, im Bereich Wohnen, aber auch bei den Arbeitsplätzen. Wie stehen Sie zu den umstrittenen Einzonungen vom Arbeitsplatzgebiet und vom Lutwisli?
Das Arbeitsplatzgebiet ist sehr interessant. Es ist, von Wiesendangen aus gesehen, ein idealer Platz für das Gewerbe. Ich würde die Einzonung weiter verfolgen, aber natürlich kann man die Vorlage nicht unverändert nochmal bringen. Da würde man am Volkswillen vorbei politisieren, denn die Gemeindeversammlung hat die Einzonung abgelehnt. Dass nun Gespräche mit der Bevölkerung laufen, ist der richtige Weg.

Und beim Lutwisli?
Auch da bin ich für die Einzohnung. Das Bevölkerungswachstum in der Schweiz ist enorm, da können wir uns nicht verschliessen. Aber auch da denke ich an die Schule. Das Wachstum muss gut abgestimmt sein, damit die Infrastruktur passt.

Was macht für Sie einen guten Gemeindepräsidenten aus?
Er hat eine Vermittlerrolle. Im Gremium hat er eine moderierende Rolle, nach aussen vertritt er die Meinung der Behörde.

Was weiss man im Dorf noch nicht über Sie?
(lacht laut) Da müsste ich jetzt wissen, was man schon über mich weiss. Da müssten Sie wohl meine Frau fragen.

In Wiesendangen kritisiert man, dass Sie als Schulpräsident manchmal schwer erreichbar gewesen seien und fragt sich, ob Sie denn überhaupt genug Zeit für das Gemeindepräsidium haben. Was sagen Sie dazu?
Ich arbeite vollzeit und habe eine Familie. Ich kann sicher nicht jederzeit überall sein. Aber ich finde, dass ein solches Amt nicht nur Pensionierten und teilzeit Arbeitenden vorbehalten sein sollte. Auch ein Familienvater sollte die Chance haben, in einer Behörde vertreten zu sein. Ich habe zudem mit meinem Arbeitgeber vorsondiert, dass ich mein Pensum etwas reduzieren könnte, wenn ich die Wahl gewinnen sollte.

Urs Borer – Der Erfahrene

Urs Borer (Jahrgang 1958) sass von 1998 bis 2014 schon für die FDP im Gemeindrat von Wiesendangen und trat nach der Fusion zurück. Er arbeitet im Departement Schule und Sport der Stadt Winterthur, ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Herr Borer, Sie sassen 16 Jahre im Wiesendanger Gemeinderat, traten aber 2014 im Zuge der Fusion zurück. Warum kandidieren Sie jetzt für das Präsidium?
Urs Borer (FDP): Es hat mich schon damals gereizt, Gemeindepräsident zu werden. Doch Kurt Roth wollte nochmals antreten und angreifen wollte ich den Parteikollegen nicht. Aber nochmals vier Jahre Gemeinderat sein, wollte ich auch nicht. Zudem wollten wir im Hinblick auf die Fusion zwei Sitze für Bertschiker frei machen. Somit bin ich zurückgetreten. Als ich nun hörte, dass Kurt Roth zurücktritt, habe ich meinen Hut sofort wieder in den Ring geworfen. Ich finde, dass ich mit meinen 16 Jahren Erfahrung im Gemeinderat – in den Ressorts Finanzen sowie Gesundheit und Soziales – beste Voraussetzungen mitbringe.

Was möchten Sie in Wiesendangen verändern?
Es geht uns sehr gut. Wiesendangen ist ein kleines Paradies. Dieses gilt es zu erhalten.

Also möchten Sie, dass alles so bleibt wie es ist?
Die Gemeinde hat den letzten Jahren viel investiert und eine super Infrastruktur aufgebaut. Diese müssen wir pflegen. Zudem brauchen wir gute Rahmenbedinungen für die Wirtschaft.

Wo liegen Ihre politischen Schwerpunkte?
Ich vertrete das liberale Gedankengut. Eigeninitiative und Eigenverantwortung gilt es zu fördern. Das Gewerbe muss sich entwickeln können. Wenn jemand etwas machen will, sollte man das unterstützen und nicht verhindern. Wichtig ist die Eigeninitiative auch bei der Integration – in den Arbeitsmarkt oder in die Gesellschaft, zum Beispiel von Flüchtlingen. Da müssen wir Möglichkeiten schaffen.

«Die Gemeinde hat den letzten Jahren viel investiert und eine super Infrastruktur aufgebaut. Diese müssen wir pflegen.»Urs Borer (FDP)

Sie sagen, das Gewerbe muss sich entwickeln können. Wie stehen Sie zu den umstrittenen Einzonungen vom Arbeitsplatzgebiet und vom Lutwisli?
Ich finde es schade, dass die Einzonung des Arbeitsplatzgebietes abgelehnt wurde. Man hat eine Chance vergeben. Scheinbar konnte man den Stimmbürgernnicht erklären, was das Gebiet fürWiesendangen und die ganze Region Winterthur bedeutet und was für Firmen sich dort ansiedeln könnten. Es braucht in der Region Platz für innovative Unternehmen. Das Gebiet ist ideal erschlossen. Aber man muss die Vorlage anpassen. Vielleicht wäre eine Etappierung bei den Stimmbürgern besser angekommen.

Und das Wohngebiet Lutwisli?
Das hat für mich keine Priorität. Beim Wachstum der Wohnbevölkerung ist für mich eher Konsolidierung angesagt. Dies wird zwangsläufig geschehen, weil die grösseren Baulandreserven in absehbarer Zeit praktisch alle überbaut sein werden.

Was macht für Sie einen guten Gemeindepräsidenten aus?
Er hört auf die Bevölkerung, er hat Verständnis für deren Anliegen, nimmt sie auf und versucht sie nach Möglichkeiten umzusetzen. Er arbeitet im Gemeinderat im Team und ist mit den Gemeinden der Region vernetzt. Da habe ich schon einen Vorteil. Ich kenne viele Gemeindepräsidenten noch von früher und auch den Stadtrat von Winterthur persönlich. Ich kann also auf bestehende Kontakte zurückgreifen.

Was weiss man im Dorf noch nicht über Sie?
(lacht) Das ist eine gute Frage. Ich denke nicht, dass man das im Landboten lesen muss.

2014 wollten Sie nicht noch eine Amtszeit als Gemeinderat verbringen. Was machen Sie, wenn Sie dieses Mal zwar in die Behörde aber nicht ins Präsidium gewählt werden?
Auch dann werde ich das Amt ausführen. Natürlich reizt mich das Präsidium und dafür kandidiere ich ja auch. Aber den Volkswillen gilt es zu respektieren.

Stefan Kläusler – Der Quereinsteiger

Stefan Kläusler (Jahrgang 1962) ist parteilos und hatte bisher noch kein Behördenamt inne. Er arbeitet als Geschäftsführer der Schulverwaltung für die Sekundarschule Bülach. Kläusler ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Herr Kläusler, Sie haben noch nie ein politisches Amt bekleidet und sitzen derzeit auch nicht im Wiesendanger Gemeinderat. Warum kandidieren Sie gleich für das Präsidium?
Stefan Kläusler (Parteilos): Einerseits aus meinem beruflichen Hintergrund heraus. Ich absolvierte die Gemeindeschreiberausbildung und war mehrere Jahre Gemeindeschreiber. Heute arbeite ich als Leiter einer Schulverwaltung mit 140 Mitarbeitern. Andrerseits komme ich aus einer politischen Familie. Meine Eltern hatten früher beide verschiedene Ämter in Wiesendangen inne. An unserem Tisch wurde seit jeher über Politik diskutiert.

«Es braucht eine Vision für Wiesendangen und man muss die Weichen für die Zukunft stellen.»Stefan Kläusler (parteilos)

Was möchten Sie in Wiesendangen verändern?
Die Fusion von Wiesendangen und Bertschikon ist mechanisch vollzogen. Doch bei den weichen Faktoren, wie zum Beispiel der Kultur der einzelnen Dörfer, ist der Zusammenschluss noch nicht ganz bei den Leuten angekommen. Daran müsste man arbeiten. Weiter finde ich, dass sich die Gemeinde entwickeln muss. Es braucht eine Vision und man muss die Weichen für die Zukunft stellen.

Was soll bleiben, wie es ist?
Wir haben ein super Dorf mit hohem Lebensstandard und guter Infrastruktur. Den Wohlstand, den wir aufgebaut haben, gilt es zu erhalten.

Wo liegen Ihre politischen Schwerpunkte?
Themen sind sicher der Schleichverkehr und das Arbeitsplatzgebiet. Aber eigentlich möchte ich das nicht nach meinem alleinigen Empfinden festlegen. Der Gemeinderat ist ein Gremium und alle haben Werte und Ziele. Ich würde etwa acht bis zehn Jahre als Präsident zur Verfügung stehen. Länger sollte eine Behördentätigkeit meiner Meinung nach nicht dauern.

Warum nicht?
Es gibt einen Trott, wenn jemand immer und immer wieder antritt und im Amt bleibt. Es gibt aber immer auch andere fähige Leute in einem Dorf und die bringen frischen Wind.

Sie haben das Arbeitsplatzgebiet angesprochen. Wie stehen Sie zu den umstrittenen Einzonungen?
Ich akzeptiere den Entscheid des Souveräns, auch wenn ich dafür gestimmt hätte. Aber man muss sehen, dass das Gebiet ideal ist. Es muss sich nicht zwingend Industrie dort ansiedeln. Möglich wäre auch ein Innovationspark für Start-ups oder Kleingewerbe.

Und das Wohngebiet Lutwisli?
Ich finde, dass es derzeit keinen zustätzlichen Wohnraum braucht. Verdichtetes bauen ist mir wichtiger als weitere Wiesen und Grünflächen zu verbauen.

Was macht für Sie einen guten Gemeindepräsidenten aus?
Er hat offene Augen und Ohren für die Bedürfnisse der Bürger und er ist kooperativ. Aber er darf nicht zu viel Nähe zu den Bürger haben. Er muss in seinem Amt wirksam und nicht mit jedem im Dorf gut Kumpel sein. Ansonsten können Interessenkonflikte entstehen.

Was weiss man im Dorf noch nicht über Sie?
Was muss man da wissen? Ich bin in Wiesendangen aufgewachsen und war in vielen Vereinen aktiv. Die älteren Wiesendanger kennen mich wohl. Ich wohne im Dorf und bin nicht bei jedem Anlass dabei. Als Präsident würde ich das etwas anders handhaben.

Sie sprechen damit die Kritik aus dem Dorf an, dass man sie nie irgendwo sieht?
Ja, ich habe das gehört. Aber ich verbringe meine Freizeit halt gerne privat und gehe nicht jede freie Minute ins Dorf.

Im Telefonbuch findet man Sie unter einer Winterthurer Adresse und unter «Ihrer» Adresse in Wiesendange, findet man Ihren Vater. Seit wann leben Sie wieder in Wiesendangen?
Ja, wir besitzen ein Mehrfamilienhaus in Winterthur und auf diese Adresse läuft meine alte Festnetznummer die wir geschäftlich nutzen. Mein Wohnsitz ist seit 2006 wieder in Wiesendangen. Nach Inkrafttreten der neuen BZO werden wir auf unserem Grundstück ein Mehrgenerationenhaus erstellen.

Erstellt: 23.02.2018, 18:39 Uhr

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