Benken

Eigene Erfahrungen aus dem Kernkraftwerk

Eine Heisse Zelle könnte das Weinland als Supplement zu einem Endlager erhalten. Was in einer Heissen Zelle gemacht wird und welche Risiken von ihr ausgehen, erklärte einer, der AKW von innen kennt.

Jürg Joss kam vom Fokus Anti-Atom nach Benken, um als überzeugter Atomkraftgegner zu referieren.

Jürg Joss kam vom Fokus Anti-Atom nach Benken, um als überzeugter Atomkraftgegner zu referieren. Bild: Marc Dahinden

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An dem Ort, wo der Schweizer Atommüll dereinst in einem Tiefenlager vergraben werden kann, soll auch eine riesige oberirdische Fabrikhalle gebaut werden, berichtete die «SonntagsZeitung» im Juli 2011. Die Nachricht barg Zündstoff. War bisher immer von einem grossen Tor, ähnlich dem einer unterirdischen Zivilschutzanlage, die Rede, würde nun eine riesige Halle in die Landschaft gestellt werden. Darin wäre eine Heisse Zelle untergebracht.In der oberirdischen Anlage soll der strahlende Müll von den Transportbehältern auf kleinere Endlagerbehälter verteilt werden, die dann verschweisst und in den Untergrund verfrachtet würden. Die Umverpackung muss streng abgeschirmt hinter Blei­blöcken und Bleiglasfenstern im Unterdruck einer Heissen Zelle ferngesteuert erledigt werden. Welche Schwierigkeiten und Risiken von einer solchen Anlage ausgehen, erklärte Jürg Joss an einem Vortrag, zu dem die atomkritischen Organisationen des Zürcher Weinlandes eingeladen hatten. Einen Einblick in die Abläufe in der Heissen Zelle gab Joss mit einer Videoanimation. Das Video hatte er von der Nagra-Internetseite heruntergeladen. Im Video wird das Dach angehoben und Wände aufgerollt. Nur virtuell natürlich, damit die Umverpackung aus der Vogelperspektive einsehbar wird. Von Geisterhand gesteuert, hebt der Deckenkran den 135 Tonnen schweren Castor-Behälter vom an­gereisten Bahnwagen. Richtet ihn auf. Fährt ihn durch die Hallen.

Im Video sicher und sauber

Ruhige, präzise Bewegungsabläufe. Kein Ruckeln, kein Quietschen, alles sauber, klar und leicht verständlich. Menschen sind auf dem Video nicht zu sehen. Doch wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Das weiss Jürg Joss, der im Kernkraftwerk Leibstadt als «Büezer» gearbeitet hat. «Diese simple Erkenntnis gilt auch beim Umgang mit so gefährlicher Materie, wie sie atomare Abfälle darstellen», sagt Joss.

Im Zwischenlager in Würenlingen sei so ein Container beim Aufrichten abgerutscht. Ein andermal klemmte ein Deckel, weiss der Referent zu berichten. Erfahren habe er dies erst nach hartnäckigem Nachfragen beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi).

Roboterarme, Lüftung, die Stromversorgung oder der Mensch, der das alles beherrschen soll – jeder kann versagen. Gegen einen Flugzeugabsturz soll die Anlage sicher sein. Joss ist sich da nicht so sicher. «Je nachdem, welches Flugzeug, welches Triebwerk, welche Flugbahn und welche Geschwindigkeit bei so einem Szenario angenommen werden, können andere Schlüsse daraus gezogen werden», meinte er. Auch terroristische Anschläge seien ein Risiko, welches genauer untersucht werden müsse.

«Fragt nach, studiert alle Unterlagen – und hinterfragt, was ihr über die Heisse Zelle in Erfahrung bringt», schloss Joss an der Veranstaltung im Gasthaus Sonne in Benken. (Der Landbote)

Erstellt: 22.01.2017, 22:50 Uhr

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