Elgg

Ein Dorf will einen Skatepark

Drei Jugendliche wünschen sich einen Skatepark in ihrem Dorf. Elio, Livio und Dominik haben bereits knapp 600 Unterschriften von grossen und kleinen Elggern gesammelt. Doch die Idee scheint am passenden Standort zu scheitern.

Die drei Elgger Elio (v.l.) , Livio und Dominik üben ihre Tricks auf einer selbstgebauten Rampe vor dem Jugendtreff.

Die drei Elgger Elio (v.l.) , Livio und Dominik üben ihre Tricks auf einer selbstgebauten Rampe vor dem Jugendtreff. Bild: Elena Willi

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Drei Jugendliche knien vor dem Eingang des Jugendtreffs in Elgg am Boden. Sie schrauben gerade an einem Skateboard herum. Für Livio, Elio und Dominik ist das Skaten mehr als nur ein Hobby: «Es ist eine Lebenseinstellung geworden.»

Gerade befestigen sie die Achsen am Board. Dazu benötigen sie spezielles Schraubwerkzeug. «Mein Vater hat mir das Skateboard von Barcelona mitgebracht», sagt der 15-jährige Livio.

In der Schweiz seien sie viel teurer. Allgemein sei das Skaten im Ausland weiter verbreitet als bei uns. «Es wäre schon cool, wenn es auch in der Schweiz noch bekannter wäre», finden die Drei. Doch die Szene erlebe in den letzten Jahren ein Comeback. Bereits in den 90er Jahren waren die rollenden Bretter beliebt.

Die richtige Marke

Zum Lebensstil eines Skaters gehört aber nicht nur das Board. Auch durch die Kleidung drücken viele ihre Leidenschaft aus. «Kleider sind aber nicht alles», meint der 14-jährige Dominik. Man müsse nicht in Skatermarken herumlaufen, um sich einen Skater nennen zu können.

«Es ist wie eine grosse Familie, in der man sich gegenseitig hilft»

Doch es ist auffällig, dass ihr Aussehen den Dreien nicht ganz egal ist. Ein Cap von Huf, ein Pulli von Thrasher und Schuhe von Vans. «Das sind schon unsere bevorzugten Marken», sagt Elio.

Die Skater nur auf ihr Äusseres zu reduzieren, wäre aber falsch. «Es ist wie eine grosse Familie, in der man sich gegenseitig hilft», sagt Livio. Wenn ein Trick mit dem Board einfach nicht funktionieren will, dann helfe man sich immer. «Auch die erfahrenen Skater geben uns immer gleich Tipps», sagt Dominik.

Auf Gleichgesinnte treffen sie vor allem bei ihren Ausflügen nach Winterthur, Frauenfeld oder Zürich. «Der Skills-Park in Winterthur ist zwar toll, aber zusammen mit dem Zugbillett recht teuer», sagt der 14-jährige Elio.

Ein Park im Dorf

Es ist das grosse Anliegen der drei Jugendlichen, dass sie zum Skaten im Dorf bleiben können. Dafür wünschen sie sich einen Skatepark. Bereits vor 20 Jahren wollten ein paar junge Elgger einen solchen eröffnen.

«Es gibt doch schon genügend Parkplätze im Dorf»

Damals sei die Idee gescheitert, doch Livio, Elio und Dominik wollen das besser machen. «Wir haben uns überlegt, was wir anders machen könnten als unsere Vorgänger», sagt Elio. Ihren Plan vom Park haben sie bereits dem Gemeinderat vorgestellt. «Eigentlich fanden es alle eine gute Idee», sagt Dominik. Der einzige Einwand, sei das Platzproblem. «Wir kennen einen Ort, an den der Park perfekt passen würde», sagt Livio.

Doch da wolle die Gemeinde Parkplätze für die neue Turnhalle und die umliegenden Sportplätze bauen. Die Lage des Platzes sei ideal:«Er liegt eher etwas abgelegen, ohne viele Wohnhäuser rundherum», sagt Elio. So würde auch der Lärm der Skateboards niemanden ärgern. «Ausserdem gibt es doch eigentlich schon genügend Parkplätze im Dorf», finden alle drei.

Ledge, Bowls und Stairs

Wie der Park ihrer Träume aussehen würde, wissen die jungen Skater ganz genau. «Es müsste eine Bowl haben», sagt Livio. «Und auf jeden Fall eine Ledge», findet Dominik. «Stairs wären auch toll», meint Elio. Ständig fallen sie sich ins Wort und bekommen vor lauter Einfällen kaum mehr Luft.

Bowls, Ledges und Stairs? Dabei handelt es sich um Ausdrücke des Skater-Jargons. Eine Bowl sei eine riesige Schüssel, bei der man vom oberen Rand startet, hinunter saust und wieder zum Rand kommt. Eine Legde ist eine ebenmässige Kante, zum Beispiel ein Geländer, an der man Tricks machen kann. Und das Wort «Stairs» kommt aus dem Englischen und bedeutet Treppe.

«Wir wären eigentlich einfach mit einem Ort zum Skaten zufrieden»

Am coolsten fänden es die Drei, wenn der Skatepark mit festen Elementen aus Beton gebaut würde. Die Alternative dazu sind verstellbare Hindernisse. Die Vorteile der Beton-Elemente seien, dass sie langlebiger seien und weniger Lärm verursachen. Doch Livio, Elio und Dominik bleiben realistisch: «Wir wären eigentlich einfach mit einem Ort zum Skaten zufrieden», sagen die drei wie aus einem Mund.

Vor allem müsse der Platz genügend Raum bieten. «Nichts ist blöder, als wenn man sich beim Skaten ständig in die Quere kommt», sagt Dominik.

Nicht bloss zum Skaten

Bisher sind Livio, Elio und Dominik häufig durch Elgg gebrettert. So könne man zwar schon ein paar Tricks üben, aber in den richtigen «Flow» zu kommen, sei schwierig. Die andere Option sei eine Reise in die Städte. «Für uns ist es aber einfach nicht möglich, nach der Schule noch nach Winterthur zu reisen», sagt Elio.

«Auch die Erwachsenen finden es besser, wenn die Jugendlichen draussen sind, statt ständig am Handy zu sitzen»

Sich auch spontan zum Skaten zu treffen, das sei ihr Wunsch. Beim Skaten stehe nämlich nicht bloss das Rollen über den Asphalt im Vordergrund, oftmals entstehen dabei gute Gespräche. «Ausserdem ist ein Skatepark nicht nur für Rollbretter geeignet», sagt Dominik.

Ob Trottinetts, Rollerblades oder BMX, alles was rollt kann im Park ausprobiert werden. So verwundert es nicht, dass die engagierten Jugendlichen auch im Dorf auf viel Rückhalt stossen.

Am Elgger Sommermarkt hatten sie einen Stand, um die Dorfgemeinschaft über ihr Vorhaben zu informieren. «Alle waren von der Idee begeistert», sagt Livio. Auch die Erwachsenen befürworten den Plan. «Sie finden es besser, wenn die Jugendlichen draussen sind, statt ständig am Handy zu sitzen», sagt Elio.

Insgesamt haben sie schon knapp 600 Unterschriften von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus Elgg gesammelt. So hoffen alle, dass nicht nochmals 20 Jahre bis zur nächsten Idee vergehen müssen.

(Der Landbote)

Erstellt: 05.10.2018, 16:01 Uhr

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