Aadorf

Ein Jahr Kuhmist ergibt 130 Stunden Traktorfahrt

Eine Ausstellung der Swiss Future Farm zeigt, wie Landwirte erneuerbare Energien gewinnen und einsetzen können.

Modell der modernen Farm in der «Innovationsschüür» der Swiss Future Farm macht Technologien verständlich.

Modell der modernen Farm in der «Innovationsschüür» der Swiss Future Farm macht Technologien verständlich. Bild: Madeleine Schoder

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seine Mitarbeiter hätten das kleine Elektromobil fast nicht mehr hergeben wollen, sagt Bernhard Müller, Leiter Regionale Entwicklung am Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg TG. «Es ist sehr raffiniert und praktisch.» Der Chef hatte dann doch das letzte Wort, der kleine Transporter, der an ein Golfmobil erinnert, steht nun den Sommer über in einer Ausstellung der Swiss Future Farm in Tänikon. Industrie, Bund und Kanton forschen hier gemeinsam am Bauernhof der Zukunft.

Würste braten mit Gülle

Das E-Mobil dient als eines von vielen Beispielen, wie erneuerbare Energien auf Bauernhöfen eingesetzt werden können. In der Landwirtschaft gebe es üblicherweise viele grosse Dächer, die sich für Solarpanels gut eigneten, erklärt Rainer Jahnke von der Abteilung Energie des Kantons Thurgau. Eine Schwierigkeit, dass sich Höfe häufig abseits von anderen Netzen befänden. In der Ausstellung sind deshalb auch Batterie-Speichersysteme zu sehen. Diese seien derzeit noch nicht zu 100 Prozent wirtschaftlich, man hoffe auf einen Preiszerfall in den nächsten Jahren, sagt Andreas Sprenger von der MBR Solar in Wängi. Die Idee: Landwirte könnten unabhängig von anderen Netzen ihre E-Hoflader direkt mit Strom vom eigenen Stalldach betreiben.

Anders sieht es bei grossen Gefährten aus. In der Ausstellung wird augenscheinlich, dass der 6,5 Tonnen schwere Traktor, der Pflüge durch Äcker zieht, mehr Kraft braucht als das flinke E-Mobil. Eine mögliche Energiequelle hierfür ist Methangas. Der Mist einer Milchkuh liefert pro Jahr ungefähr 920 Kubikmeter Methan, womit sich ein 80 PS starker Traktor etwa 130 Stunden lang betreiben lässt. Das könnte direkt auf dem Hof geschehen, etwa mit einer Biomethan-Tankstelle, die an der Ausstellung ebenfalls vorgestellt wird. Die Technologie sei ebenfalls noch nicht in grossen Serien im Einsatz, man sei aber auf dem richtigen Weg, liessen die Fachleute vor Ort verlauten.

Biogasanlagen betreibt Landwirt Hanspeter Neukomm derweil schon seit 40 Jahren auf seinem Hof in Thayngen SH. Ein selbstgebautes Modell zeigt in der Ausstellung, wie sich damit etwa ein Gasgrill befeuern lässt. «Sobald man das Gas anzündet, hört es auf zu stinken», erklärt Neukomm. Die Würste riechen also nicht nach der Energiequelle: Gülle. Er selbst betreibt drei Anlagen, zwei davon beliefern ein privates Wärmenetz, an dem sich auch die Gemeinde beteiligt.

Mini-Windturbinen

Die Ausstellung will verschiedene Technologien zusammenführen, wie etwa an einem kleinen Turm aus Solarpanels kombiniert mit Windturbinen zu sehen ist. Den sogenannten Energy Tower gibt es in unterschiedlichen Grössen, und er soll überall aufgestellt werden können: «Im Sommer nehmen sie ihn mit auf die Alp und stellen ihn neben die Hütte», sagt Hans Rüdlinger von der Produktionsfirma Newgreentec.

Bei all den Möglichkeiten zur Energiegewinnung gehe es aber nicht darum, möglichst viel davon zu erzeugen, erklärte Martin Huber, Direktor des Zentrums Arenenberg: «Es geht um Optimierung und darum, in Zukunft möglichst wenig Energie zu brauchen.»

Die Sonderausstellung auf der Swiss Future Farm in Tänikon ist von 8. bis 12. Juli täglich von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet. Bis im Spätherbst können sich Gruppen für Führungen anmelden.

Erstellt: 09.07.2019, 10:26 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben