Zell

Ein Laden, der dem Dorf einen Treffpunkt bietet

Abeba Ghebremichael aus Eritrea führt in Rämismühle einen Laden. Er hat sich zum örtlichen Treffpunkt entwickelt.

Adeba Ghebremichael führt in ihrem Dorfladen in der Nähe des Bahnhofs Rämismühle-Zell seit drei Jahren.

Adeba Ghebremichael führt in ihrem Dorfladen in der Nähe des Bahnhofs Rämismühle-Zell seit drei Jahren. Bild: Enzo Lopardo

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Beim Dorfladen in Rämismühle liegt ein ungewohnter Geruch in der Luft. Er erinnert an Kaffee, allerdings mit einer kräftigen Note Weihrauch dazu. Quelle des Geruchs ist eine Installation, die wie eine Mischung aus Wasserpfeife und Camping-Kocher aussieht. Dahinter hat es sich eine Frau auf einer Kiste gemütlich gemacht. Mit einem Holzkohleofen erwärmt sie dort Kaffeebohnen, daneben brennt auf einem mit Alu-Folie überzogenen Behälter ein wenig Weihrauch vor sich hin. «So machen wir in Eritrea Kaffee», sagt die Frau, die mit Ladenbetreiberin Abeba Ghebremichael verwandt ist.

Ghebremichael und ihr Mann Yemane sind vor knapp elf Jahren ins Tösstal gezogen. «Es gefällt mir sehr, ich werde hier alt werden», sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Die kulturelle Umstellung sei nicht immer einfach gewesen: «In Eritrea lebt man eher in Gemeinschaft, hier schaut jeder für sich.» Daran hat sich Ghebremichael mittlerweile aber gewöhnt. Mehr noch: Vor drei Jahren eröffnete sie beim Bahnhof Rämismühle-Zell einen Dorfladen, der sich mittlerweile zum örtlichen Treffpunkt entwickelt hat.

«Sonst null Infrastruktur»

Von Innen erinnert der Laden an einen kleinen Volg. Es hat alles für den täglichen Gebrauch – von Lebensmitteln über Getränke bis zu Haushaltsartikeln. Pro Produkt stehen jeweils drei bis fünf Exemplare zur Auswahl. Eine Ausnahme bildet der Getränkekühler, der aufgrund der sommerlichen Temperaturen bis zum Anschlag gefüllt ist. Ein junger Mann bedient sich dort gerade mit einem Bier. Als er bezahlt, schaut er Abeba in die Augen, hält sich die Hand auf die Brust und sagt laut: «Danke vielmal.» Er komme hier regelmässig auf ein Bier vorbei: «Das muss man unterstützen, die Verkäuferin und ihre Kolleginnen sind sehr nette Leute.» Ausserdem schätze er es, wenn er nicht jedes Mal nach Rikon oder Turbenthal fahren müsse, wenn ihm einmal die Zigaretten ausgehen.

«Es gefällt mir sehr. Ich werde hier alt werden.»Abeba Ghebremichael, Betreiberin des Dorfladens

Auch die Alteingesessenen freuen sich über den neuen Treffpunkt. «Früher gab es hier noch Restaurants und einen Jugendtreff, aber das wurde alles geschlossen», sagt ein älterer Festbesucher. Auch die Zeller Gemeinderätin Susanne Stahl zeigt sich vom Laden erfreut: «Er wird geschätzt und tut dem Dorf gut. Es gibt hier ansonsten Null Infrastruktur.»

Auf Freiwillige angewiesen

Ghebremichaels Mann arbeitet Vollzeit als Logistiker. Damit die Eritreerin nebst der Kinderbetreuung auch ihren Laden erfolgreich führen kann, ist sie auf Freiwillige angewiesen. Dazu gehört auch Silvia Pfannkuchen. «Wir sind eine richtige Community geworden, jeder bringt sein Wissen ein», erklärt sie. Bei der Gestaltung des Sortiments orientiere man sich an den Bedürfnissen der Kunden: «Abeba bietet mittlerweile sehr viele Bio-Produkte an, weil die Leute das gewünscht haben.» Am Fest vom Samstag hat Pfannkuchen Lose für die Tombola verkauft. Ghebremichael selbst hat alle möglichen Aufgaben wahrgenommen. Auch die Erfüllung von Spezialwünschen. Ein Besucher fragte sie: «Kannst du bitte andere Musik machen?». Und die ruhigen Jazz-Klänge, die das Fest bis dahin untermalten, wichen poppigen Radiomelodien.

Erstellt: 22.09.2019, 16:34 Uhr

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