Illnau-Effretikon

Ein vielversprechender Neubeginn auf der Kyburg

Fünf grosse Emotionen, auf fünf kleinen Bühnen musikalisch dargestellt, so lautete das Konzept des Eröffnungsabends der Kyburgiade. Das Publikum wandert mit – und macht dabei Entdeckungen.

Die Kyburg ist dieses Wochenende wieder stimmungsvoller Schauplatz des Musikfestivals Kyburgiade. «The Twiolins» begeisterten am Eröffnungsabend. Foto: Nathalie Guinand

Die Kyburg ist dieses Wochenende wieder stimmungsvoller Schauplatz des Musikfestivals Kyburgiade. «The Twiolins» begeisterten am Eröffnungsabend. Foto: Nathalie Guinand

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Am Donnerstagabend servierten die neuen Gastgeber der Kyburgiade ihr erstes Häppchen. Die neuen Co-Leitenden Stefanie Hauri und Dario Hauri hatten etwas Spezielles geplant: Fünf starke Gefühle, fünf verschiede Bühnen, das Ganze unter dem Titel «Lasst uns träumen» vereint.

Das Publikum wandert in Gruppen eingeteilt zwischen den Räumen umher. Dieses Konzept führte dazu, dass die Zuhörenden das Programm individuell verschieden erlebten.

Das Gefühl «Angst»: Was passt da besser als Goethes «Erlkönig»? Er wird von Beatrice Ottmann (Stimme) ohne Mikrophon und mit bedrohlich wirkendem Schattenwurf vorgetragen. Leider wurde die Stimme vom verstärkten Piano, gespielt von Stefan Schulzki, übertönt.

Auch die beiden folgenden Texte bleiben unverständlich, da nun auch die Stimme elektronisch stark und unangenehm, verfremdet ist. Ziel erreicht: Zusammen mit hochfrequenten Elektronikklängen gefriert einem darob das Blut in den Adern.

Lebendiges Fernweh

Dankbar wechselt die Gruppe deshalb in den Innenhof, wo der Cellonaut Daniel Fritzsche für die unglaublich bewegliche Tänzerin Debora Rusch zum Tanz aufspielt, wie es in einem Schloss wohl heissen müsste.

Doch das evoziert ein falsches Bild: Auch hier spielt die Elektronik in Form von Looper und Drumcomputer mit und der Tanz ist eine faszinierende Mischung von tänzerischer Pantomime mit akrobatischen Elementen, Modern und Break Dance. Auch setzt Fritzsche im Cellospiel ungewohnte Elemente ein: Dank Slap-Technik wird Schumann sehr tanzbar. Und mit orientalischen Anklängen wird das hier thematisierte Gefühl «Fernweh» sehr lebendig: Eine ideale Grundlage für das tänzerische Können von Debora Rusch.

Klassische und neue Töne

Die Gerichtsstube ein Sehnsuchtsort? Ja, unbedingt: Die Fenster erlauben einen Blick in die Ferne, wo der Tag verglüht. Und bedeutet «Sehnsucht» nicht, sich aus dem Hier und Jetzt fort zu träumen? Dazu passt Brahms, der Romantiker, bestens und das Ensemble Audace spielt das Streichquartett Op. 51, Nr. 2, kühn, feurig, engagiert – und natürlich hochvirtuos.

Das Violine spielende Geschwisterpaar «The Twiolins» will das Publikum an «geheime Orte entführen, die tief in ihrer Fantasie verborgen sind» und die Schlosskapelle bietet dafür ideale akustische Verhältnisse. Alle Stücke sind Neukompositionen, die aus einem Wettbewerb hervorgegangen sind. Die dynamisch vorgetragene «progressive classical music» findet grossen Anklang. Die Herzen aber erobert sich das Duo mit einer abschliessenden Mitklatsch-Animation: schön, unterhaltsam und musikpädagogisch wertvoll.

Der Abend endet schliesslich in Minne: Im Kaminzimmer widmet sich das Klavierduo Wang Piano Duo mit Kompositionen von Prokofiev, Gershwin, Bolcom und Piazzolla dem Gefühl «Liebe». Leider ist der stimmungsvolle Raum mit animiertem Cheminée-Feuer den teilweise wuchtigen, vierhändigen Klavierklängen akustisch nicht ganz gewachsen. Aber neben verträumten, harmonischen Passagen gehört halt eben auch das zur Liebe.

Die Kyburgiade findet noch bis am Sonntag, 11. August, statt. Infos: www.kyburgiade.ch

Erstellt: 09.08.2019, 18:35 Uhr

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