Raubtiere

Ein Wolf pirscht sich der Region an

In der Nähe von Frauenfeld hat am Dienstag wohl ein Wolf mehrere Schafe getötet und verletzt. Zuvor will ihn jemand bereits bei Gachnang gesichtet haben.

Der Wolf ist relativ neu in unserem Gefilde, nur im Bruderhaus ist er ein alter Bekannter.

Der Wolf ist relativ neu in unserem Gefilde, nur im Bruderhaus ist er ein alter Bekannter. Bild: ste

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Der Verdacht war schon länger da, nun ist er konkreter geworden: Die Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau meldete am Donnerstag, dass am Dienstag «mit hoher Wahrscheinlichkeit» ein Wolf im Raum Thundorf bei Frauenfeld je zwei Schafe getötet und verletzt hat. Ein fünftes Schaf sei zudem verschwunden. Zu diesem Schluss kommen die Thurgauer anhand der Analyse der Rissspuren. «Solch gewaltige Bisse bringt ein Hund in der Regel nicht zustande», sagt Amtsleiter Roman Kistler auf Anfrage.

Schon seit Mitte Dezember hatten sich immer wieder Personen beim Kanton gemeldet, die einen Wolf gesehen haben wollten. Darunter war auch eine Sichtung aus Gachnang, wie Kistler sagt. Es sei aber immer schwierig einzuschätzen, was die Leute wirklich gesehen hätten. «Denn es gibt auch häufig Beobachtungen, bei denen wolfsähnliche Hunde gemeldet werden», sagt Kistler.

Um definitive Gewissheit zu haben, wurden bei den Bisswunden der gerissenen Schafe DNA-Proben entnommen und an eine spezialisierte Abteilung der Universität Lausanne geschickt, um das Tier und vielleicht auch dessen Herkunft bestimmen zu können. Bis die Ergebnisse vorliegen, dauert es normalerweise zwei bis drei Wochen.

 «Wenn ein Wolf will, legt er innert einer Nacht zwischen 50 bis 80 Kilometer zurück»Roland Kistler

Wo sich das Tier derzeit aufhält, ist schwer zu sagen. «Wenn ein Wolf will, legt er innert einer Nacht zwischen 50 bis 80 Kilometer zurück», sagt Kistler. So gebe es beispielsweise Nachweise, dass Wölfe innert drei Tagen vom Bündnerland ins Wallis gelaufen seien. Im Kanton Zürich hat zumindest niemand einen Wolf gemeldet, heisst es bei der Medienstelle der Baudirektion.

«Keine Angst, aber Respekt»

Für den Menschen ist der Wolf keine unmittelbare Gefahr: «Menschen müssen keine Angst vor Wölfen haben, aber Respekt», sagt Kistler. Es gebe kaum Belege, dass Wölfe aktiv Menschen angegriffen hätten. «Der Mensch passt nicht in sein Beuteschema.» Dass sich ein Wolf bei einer Bedrohung wehre, sei aber nicht auszuschliessen.

«Angesichts der Populationsentwicklung im Alpenraum muss auch im Kanton Thurgau wieder jederzeit mit dem Auftreten von wandernden Wölfen gerechnet werden»

Nach 2017 und 2018 ist es mutmasslich der dritte Nachweis eines Wolfs im Kanton Thurgau nach über 200 Jahren Abwesenheit. Vor rund drei Jahren war der Wolf danach weiter durchs Weinland gewandert, wo er ebenfalls Schafe riss. Später setzte er sich nach Deutschland ab, wo er ebenfalls für Aufsehen sorgte.

SMS-Alarm für Tierhalter

«Angesichts der Populationsentwicklung im Alpenraum muss auch im Kanton Thurgau wieder jederzeit mit dem Auftreten von wandernden Wölfen gerechnet werden», schreibt die Jagd- und Fischereiverwaltung in ihrer Mitteilung. Laut den aktuellsten Zählungen tummeln sich in der Schweiz sieben bis acht Wolfsrudel. «Und es wird mit Sicherheit noch mehr geben, die wiederum Junge produzieren werden, die abwandern», sagt Kistler.

Seit letztem Jahr erhalten alle eingetragenen Schaf- und Geissenhalter im Thurgau eine Benachrichtigung per SMS, wenn ein Wolf im Kanton vermutet wird. So auch am Mittwochnachmittag. «So eine Meldung können wir aber erst auslösen, wenn bereits etwas passiert ist», sagt Kistler. Taugliche Herdenschutzmassnahmen seien also nicht erst dann angebracht, sondern eigentlich schon vorher.

Wenn jemand ein mutmasslich gerissenes Schaf entdeckt, soll er es laut Kistler nicht bewegen und sich sofort beim Kanton melden: «So werden keine wichtigen Spuren verwischt, aus denen wir später viel herauslesen können.»

Erstellt: 16.01.2020, 17:34 Uhr

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