Seuzach

Ein Zuhause wie eine Zoohandlung

Giulia Roduner ist mit Tieren aufgewachsen. Auch in ihrer Freizeit haben die tierischen Freunde einen festen Platz. Mit Hund und Pferd ist sie sportlich unterwegs.

Giulia Roduner sorgt sich um vier Hunde. Am liebsten hätte sie zusätzlich noch einen Elefanten.

Giulia Roduner sorgt sich um vier Hunde. Am liebsten hätte sie zusätzlich noch einen Elefanten. Bild: Nathalie Guinand

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine Türklingel braucht die Familie Roduner nicht. Die vier Hunde sind laut genug, um ihre Besitzer vor Eindringlingen zu warnen. Kaum nähert man sich der gläsernen Haustür stürmen vier Augenpaare auf einen zu. Darunter sind siebeneinhalb braune und ein halbes blaues Auge. «Unsere Hündin Bailey hat wirklich ein spezielles Aussehen», sagt Frauchen Giulia Roduner und hält die schwarz-grau gefleckte Hündin zurück.Bailey ist eine Mischung aus Labrador, Bordercollie und Bergamasker – mit zwei ungleichen Augenfarben. Wie wild wedelt sie mit dem Schwanz. «Bailey geht gerne auf Menschen zu», sagt sie und streicht der Hündin durchs Fell. Dann macht sie den Hunden klar, dass sie sich zurückziehen sollen. Was Giulia Roduner ihren Vierbeinern sagt, wird befolgt. Drei der Hunde gehören der ganzen Familie, nur der kleinste mit Namen Calli gehört der 21-jährigen Seuzacherin.

Tiere waren immer Teil des Lebens von Giulia Roduner und ihrer Familie. «Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ohne Tiere wäre.» Das Haus der Familie gleicht einer Zoohandlung. Im Wohnzimmer stehen Terrarien und Aquarien beieinander. Im Garten befindet sich ein Fischteich und ein Hasengehege. Vogelspinnen, Geckos, Schlangen, Hunde, Katzen, Mäuse, Hasen, Hamster und verschiedene Fischarten sind die vielzähligen Mitbewohner der Familie.

Ein Lieblingstier hat die Seuzacherin nicht. Doch wenn sie frei wählen könnte, hätte sie gerne einen Elefanten. «Dem würde es in der Schweiz wahrscheinlich eher weniger gefallen», sagt sie und lacht.

«Ein Familienmitglied», so beschreibt Giulia Roduner die Stellung ihrer Tiere in der Familie. «Natürlich sind mir nicht alle gleich ans Herz gewachsen.» Mit den Vogelspinnen ihres Bruders könne sie eher weniger anfangen.Mit 12 Jahren hat Giulia Roduner ihren eigenen Hund bekommen: einen Chihuahua. «Ich war natürlich überglücklich.» Sie habe sich immer einen kleinen Hund gewünscht. Trotz Schosshündchen-Image? «Auch ein Chihuahua braucht viel Bewegung.» Es sei ein Irrtum, dass man einen kleinen Hund immer im Täschchen tragen könne. Darum leiden viele von ihnen auch an Übergewicht. «Ich mache viel Sport mit ihm.» So nehme sie Calli mit auf ihre Jogging-Touren.

Auf Vorurteile gibt Giulia Roduner generell wenig. Die kleine zierliche Person arbeitet in ihrer Freizeit im Sicherheitsdienst. «Als Frau wird schon anders mit einem umgegangen.» Sie werde weniger ernst genommen als manche ihrer massigen Arbeitskollegen. Doch eine Frau zu sein habe nicht nur Nachteile. «Man wirkt deeskalierend.» Wenn zwei Streitblöcke aufeinander treffen und sich eine Frau dazwischen stellt, könne Gewalt verhindert werden. «Viele haben Hemmungen, eine Frau zu schlagen. Das ist wie ein Ehrenkodex.»«Die Haustiere geben mir extrem viel», sagt Giulia Roduner. Dabei blickt sie auf ihre Hunde, die sich alle gemeinsam auf ein riesiges Kissen gekuschelt haben.

Was abgedroschen klingt, meint die überzeugte Vegetarierin ernst. Vor allem die Schulzeit sei für sie nicht immer einfach gewesen. «Man hat mir nicht viel zugetraut.» Nach der Primarschule hat sie die Sek B abgeschlossen und dann eine kaufmännische Lehre gemacht. Im Anschluss hat sie die Berufsmatura in der gesundheitlich-sozialen Richtung abgelegt. «Für mich war immer klar, dass ich mit Menschen arbeiten möchte.» Nun beginnt sie ein Praktikum in der Pflege am Universitätsspital Zürich. «Später möchte ich gerne Pflege studieren.» Giulia Roduner setzt sich hohe Ziele. Um diese zu erreichen, sind ihre Tiere stets eine grosse Stütze. Vor kurzem ist ein lang gehegter Traum der 21-Jährigen in Erfüllung gegangen. Sie hat ein eigenes Pferd bekommen.

Noch im Bauch ihrer Mutter hat sie erste Reiterfahrungen gemacht. Später ist sie selbst geritten und hat sich um ein Pflegepferd gekümmert. «Mein eigenes Pferd zu haben, ist schon irgendwie verrückt», sagt Giulia Roduner. «Ein Pferd zu pflegen ist ein sehr zeitaufweniges Hobby.» Doch es ist nicht die einzige Art, wie die Seuzacherin gemeinsam mit ihren Tieren die Freizeit verbringt .

Mit der Hündin Bailey besucht Giulia Roduner die Trainings der Kynologischen Gesellschaft Winterthur. Der Verein bietet viele Möglichkeiten an, mit den Hunden zu arbeiten. Eine davon ist das Hunde-Frisbee. Dabei wirft der Mensch den Frisbee. Ziel ist es, dass der Hund diesen mit der Schnauze fängt. Dabei können Kunststücken oder Hindernisse eingebaut werden.

«Ich habe für meinen Vater ausgeholfen, als dieser krankheitshalber nicht zu den Trainings konnte», sagt Giulia Roduner. Das Frisbee-Training habe ihr so gut gefallen, dass sie geblieben ist. Heute nimmt sie auch an Wettkämpfen teil.

Dabei bestreitet sie drei verschiedene Kategorien: Freestyle, Long-Distance und Mini-Distance. Immer geht es primär darum, dass der Hund den Frisbee auf möglichst elegante Weise fängt. «Es ist das Ziel, das Können des Hundes ins Zentrum zu setzen», sagt Giulia Roduner. Der Mensch sei nur die unterstützende Kraft. Beim Werfen müsse sie vor allem auf ihre Bewegungen achten. «Es ist wichtig, dass man eindeutige Zeichen gibt.» Der Arm zeigt dem Hund an, was er zu tun hat und wohin er laufen soll. «Die Körpersprache ist sowieso entscheidend.» Wenn man sich vom Hund abwendet, verliere er die Orientierung und wisse nicht mehr, wohin er gehen soll.

Wenn sie einmal von Zuhause ausgezogen ist, hätte sie gerne weiterhin Haustiere. «Ob ich dann weiterhin einen Hund habe, hängt auch von meinem Job ab.» Auf keinen Fall möchte sie ein Tierbesitzer werden, der gar keine Zeit mehr für seine Lieblinge hat. (Der Landbote)

Erstellt: 14.10.2018, 16:31 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!