Wetter

Ein zweiter Frühling im September

Wind, Regen und ein Temperatursturz – der Herbst ist da. Doch bis letzte Woche war der September zu warm und zu trocken. Bei Pflanzen kam es zu einem eigenartigen Phänomen.

Kaum am Boden, schon wieder gekeimt: Aus dem Stück Maiskolben auf einem abgeernteten Feld wachsen Maispflänzchen.

Kaum am Boden, schon wieder gekeimt: Aus dem Stück Maiskolben auf einem abgeernteten Feld wachsen Maispflänzchen. Bild: Markus Brupbacher

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Am Sonntag, just zum astronomischen Herbstanfang, fegte ein Sturm mit Regen über die Region. Und nun fallen auch die Temperaturen – am Mittwoch soll der Tiefstwert bei 3 Grad Celsius liegen. Astronomisch betrachtet beginnt der Herbst, wenn Tag und Nacht gleich lang sind und die scheinbar südwärtswandernde Sonne den Äquator überschreitet.Letzte Woche hingegen herrschten noch sommerliche Temperaturen von über 25 Grad. Am 12. September gab es fast nochmals 30 Grad. Generell hat man den Eindruck, dass der September bis letzte Woche überdurchschnittlich warm und trocken war – stimmt das?

Rheinpegel wieder gefallen

Nachdem der Wasserabfluss des Rheins Anfang September schrittweise wieder auf über 220 Kubikmeter pro Sekunde angestiegen war, lag er am Montagmorgen wieder bei 197 Kubikmeter. Das sind nur noch drei Kubikmeter mehr als beim Tiefstand vom 25. bis 27. August, als die Hitzewelle ihren Höhepunkt erreichte. Auch die Zahlen von Meteo Schweiz für den 1. bis 20. September bestätigen das subjektive Wetterempfinden. Der jüngste Regen und die gesunkenen Temperaturen der vergangenen Tage werden die Durchschnittswerte des Septembers wohl noch etwas nach unten korrigieren.

«In anderen Jahren ist es dem Mais für die Keimung im Herbst zu kalt.»Martin Bertschi, Strickhof

Betrachtet man den Zeitraum vom 1. bis 20. September 2018, so lag die durchschnittliche Temperatur bei den Messstationen Aadorf-Tänikon und Kloten bei 16,7 respektive 17,5 Grad Celsius. Das sind in beiden Fällen rund 2,5 Grad mehr als der Durchschnittswert aller September zwischen 1981 bis 2010. Auch beim Niederschlag liegen die Werte deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt – nicht einmal 50 Prozent der sonst üblichen Regenmenge fiel. In Aadorf-Tänikon regnete es vom 1. bis 20. September 42 Millimeter, in Kloten rund 28 und in Winterthur-Seen 42 Millimeter. In Aadorf-Tänikon entspricht dieser Wert 41 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge im September zwischen 1981 und 2010. In Kloten lag dieser Wert sogar nur bei 32 Prozent. Aber wie erwähnt: Der September endet erst am kommenden Sonntag.

Heuer ein häufiges Phänomen

Noch im September musste der erst kürzlich gemähte Rasen schon nach wenigen Tagen wieder geschnitten werden. Und reife Samen wie zum Beispiel von Mohn oder Ringelblume, die ins Gartenbeet gefallen sind, keimen gleich wieder – als wäre schon wieder Frühling. Auch auf einem abgeernteten Maisfeld wachsen aus heruntergefallene Körnern bereits wieder junge Pflänzchen. Normalerweise sollte in der Pflanzenwelt langsam Vorwinterruhe einkehren, sprich: Der Rasen wächst nicht mehr so stark, Samen keimen nicht schon im Gartenbeet, sondern legen bis zum Frühling die sogenannte Keimruhe ein.

Dass etwa die Maiskörner auf dem Acker in den zu warmen Septembertagen doch schon gekeimt haben, sei dieses Jahr ein häufiges Phänomen, sagt Martin Bertschi vom landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Strickhof in Lindau. Der bisher zu warme September ist dafür aber nicht alleine verantwortlich. Wegen der Trockenheit und Hitze sei der Mais heuer «ausserordentlich früh geerntet» worden, sagt Bertschi weiter. Das bedeutet also, dass die zu früh reif gewordenen Maiskörner noch warme Temperaturen vorfanden, um gleich wieder zu keimen. «In anderen Jahren ist es dem Mais für die Keimung im Herbst zu kalt.» Sonst machen die Körner also quasi gleich Winterschlaf.

«Lästige Unkräuter»

Auch Getreide- und Rapskörner, die bei der Ernte auf die Äcker gefallen sind, keimen wieder sehr gut. Hat der Bauer dort bereits etwas Neues ausgesät, so können die keimenden Getreide- oder Rapskörner zur Konkurrenz für die neue Kultur werden und ihr Licht, Nährstoffe und Wasser streitig machen.

Damit dies möglichst nicht passiert, wenden Landwirte einen Trick an: Vor der neuen Aussaat bearbeiten sie den abgeernteten Acker oberflächlich, um die bei der Ernte abgefallenen Samen «zur Keimung anzuregen», wie Bertschi es formuliert. Dann wachsen diese zu Pflänzchen heran, welche die Bauern vor der nächsten Aussaat gut beseitigen können. Was beim Getreide relativ gut gelingt, ist bei Raps und Sonnenblumen schwieriger. Denn diese Samen bleiben länger keimfähig im Boden und können auch später noch zur Konkurrenz werden für die nächste Kultur. Oft sieht man auf Kartoffeläcker vereinzelte Sonnenblumen blühen. Was schön aussieht, sind «lästige Unkräuter, wenn sie in grosser Zahl auftreten», sagt Bertschi. (Landbote)

Erstellt: 24.09.2018, 14:54 Uhr

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